Berlin ist nicht gerade als Wintersportzentrum bekannt. Und vermutlich ist es auch eher den Gegebenheiten in Potsdam zu verdanken, dass Mariama Jamanka nach Ballett, Cheerleading, Hammer- und Diskuswerfen irgendwann beim Bobfahren auf der Sommer-Anschubstrecke des dortigen Olympiastützpunktes landete. Schnellkraft, das war was für sie. Und das Lenken mehr ihr Ding als nur anzuschieben. So wurde sie 2018 bei den Winterspielen in Pyeongchang Berlins erste Bob-Olympiasiegerin, die zweite in Deutschland nach Sandra Kiriasis, die nach der Silbermedaille 2022 in Salt Lake City 2006 in Turin Olympiagold gewonnen hatte.

Jamanka gelang Gleiches in umgekehrter Reihenfolge. Nach Gold in Südkorea im Berliner Schlitten mit Lisa Buckwitz folgte dieses Jahr in Peking Olympiasilber – mit Sprinterin Alexandra Burghardt. Am Mittwoch gab Jamanka nun ihren Rücktritt bekannt. „In meiner Laufbahn als Sportlerin hatte ich viele tolle Momente und konnte große sportliche Erfolge feiern. Jetzt habe ich allerdings für mich den Zeitpunkt gesehen, meine Karriere zu beenden und bin froh, dass ich dies nach einer olympischen Silbermedaille tun kann“, teilte die 31-Jährige vom Bob Racing Club Thüringen mit.

Jamanka war die Mama der Mannschaft

Um sich ganz dem Bobsport zu widmen, war Jamanka nach Oberhof gezogen. Sie postete ein Foto in den sozialen Medien, auf dem sie an einer Leitplanke steht und fröhlich in die Kamera schaut. Es sieht so aus, als freue sie sich auf ihre Rückkehr nach Berlin, wo sie ein Studium beginnen möchte. Psychologie war eine Option.

„Mit Mariama geht eine herausragende Athletin und ein besonderer Mensch“, äußerte Bundestrainer René Spies. Sie sei die Mama der Mannschaft gewesen, die den Laden zusammengehalten habe. „Es ist zwar traurig für uns, aber ich verstehe ihre Entscheidung. In den vergangenen Jahren hatte sie es nicht immer leicht, sie musste viel kämpfen und wurde dafür noch mal mit der Silbermedaille bei Olympia belohnt“, sagte Spies und hob hervor, dass Jamanka für ihn eine Bereicherung darstellte: „Sie hat mir in meiner Arbeit immer geholfen.“

„Es gab Höhen, mit denen ich nie gerechnet hätte, aber auch viele Tiefen, die vermutlich schlimmer waren, als sich die meisten vorstellen können. Es war nicht immer leicht, aber es war es wert“, schrieb Jamanka auf Instagram. Sie selbst sieht die große Teamarbeit als Schlüssel für ihre Erfolge, zu denen zwei WM- und drei EM-Titel sowie sechs Weltcupsiege zählen. „Letztlich waren diese niemals nur meine Resultate, sondern Ergebnisse von harter Teamarbeit und großem Verzicht.“ Bob-Weltmeisterin Julia Taubitz antwortete der Kollegin: „Nun kannst du dich noch mal genau mit den U-Bahn-Linien in Berlin befassen.“ Wie man schnell ans Ziel kommt, weiß Jamanka ja.