Einfach so mal in das Stadion der Berlin Flamingos zu gehen, ist in diesen Tagen nicht möglich gewesen. Zwar ist ordentlich Leben auf dem Baseball-Feld im Norden Berlins, doch kann man daran nicht teilhaben, sofern man nicht mindestens ein Komparse, Mitarbeiter einer der zahlreichen Catering-Firmen oder Teil der Filmcrew ist. Karoline Herfurth hat sich für ihren Kinofilm „Wunderschön“ den Flamingo-Park, das Stadion des dort beheimaten Baseball-Teams, als einen Drehort ausgewählt. Für den einen oder anderen Anwohner ist das verwunderlich. Vor allem dann, wenn er nachts aufgrund des hellen Flutlichts in seinem Bett steht, wie bei Facebook zu lesen war. Für die Flamingos hingegen ist der Dreh eine tolle Sache. „Wir bekommen mit diesem Film eine große Aufmerksamkeit“, sagt Markus B. Jaeger.

Mission 1. Liga

Der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit beim frischgebackenen Zweitliga-Meister durfte sich unter die Zuschauer beim Filmdreh mischen. Er wird mit Freude beobachtet haben, wie Darsteller und Komparsen mit der Kleidung seines Vereins vor der Kamera zu sehen gewesen sind. Der Bekanntheitsgrad, da ist er sicher, wird mit diesem Film noch einmal steigen.

Wer den Vereinsnamen einmal gehört hat, vergisst ihn ohnehin nicht so schnell. Der Flamingo prägt sich ein. Die Idee der Vereinsgründung entstand bei einem Eishockeyspiel: Eine andere, coole Sportart sollte her und wurde mit Baseball gefunden. Klar war auch, dass im Vereinsnamen unbedingt ein Tier vorkommen sollte.

Nest im Märkischen Viertel

„Man braucht eine Alliteration“, sagt Markus B. Jaeger. Die damaligen Gründungsmitglieder kamen aus der Frohnauer Gegend – Frohnau Flames oder Frohnau Falcons waren die ersten Ideen. Einer Urlaubserinnerung aus Florida eines Gründungsmitglieds ist es zu verdanken, dass sich der Flamingo durchsetzte. Mittlerweile haben die Flamingos ihr Nest im Märkischen Viertel gefunden, befinden sich schon im 30. Vereinsjahr.

Das schönste Geburtstagsgeschenk kann sich der Verein selber machen, wenn die „Mission BL1“, der Wiederaufstieg in die Erste Bundesliga in wenigen Wochen realisiert wird. Bereits vor dem Ende der regulären Saison haben die Flamingos den Titel in ihrer Zweitliga-Staffel sicher. In den Play-offs soll, nach 2017, zum zweiten Mal der Aufstieg in die höchste, deutsche Spielklasse gelingen. Dort aber, und das hat die Premiere gezeigt, wird es keinesfalls einfach.

„Der Unterschied zwischen der Ersten und Zweiten Bundesliga ist bombastisch, das ist ein Quantensprung“, sagt Jaeger, „die meisten Vereine sind da schon sehr lange dabei.“ Das bringt ihnen in ihrem Umfeld bereits ein gewisses Standing und Konstanz bei den Unterstützern. Denn nicht nur sportlich, sondern gerade finanziell ist dieser Aufstieg eine Herausforderung. Allein die Fahrtkosten zu Auswärtsspielen hatten sich für die Flamingos um 30 000 Euro erhöht.

Förderung durch den Senat

Für ein klein wenig Entlastung sorgt die Erstliga-Förderung durch den Senat. Die beläuft sich im ersten Jahr der Zugehörigkeit auf 5 000 Euro und erhöht sich bereits im zweiten Jahr auf einen fünfstelligen Betrag. Allerdings darf man eben nicht zwischendurch absteigen. Bei den Flamingos jedenfalls ist das Bestreben groß, dass es diesmal nicht nur ein Jahr in der Ersten Bundesliga wird. „Wir haben keinen Bock, immer wieder bei 5 000 Euro anzufangen und wollen auch keine Fahrstuhlmannschaft sein“, sagt Markus B. Jaeger, „Berlin ist so ein schöner Baseball-Standort, hat so einen internationalen Charakter, da müsste eigentlich mehr gehen. Berlin hat das Potenzial, mal irgendwann um die Meisterschaft mitzuspielen.“

Die Basis dafür, da ist man sich bei den Flamingos einig, muss im eigenen Nachwuchs gelegt werden. Zwar spielen auch im Norden Berlins zwei US-Amerikaner, die aber werden damit nicht reich. Neben einer Wohnung und einem BVG-Ticket erhalten sie noch eine Übungsleiter-Pauschale für eine Trainertätigkeit. „Viele Amerikaner machen das nach dem College ganz gerne, sammeln noch ein paar Erfahrungen in Europa“, sagt Markus B. Jaeger.

Der Großteil der Mannschaft setzt sich aber aus deutschen Spielern zusammen, einige davon entspringen sogar dem eigenen Nachwuchs. Nico Kannapinn ist dafür ein Beispiel. Der 19-Jährige hat bereits mit fünf, sechs Jahren bei den Flamingos begonnen und ist mittlerweile nicht mehr aus dem Team wegzudenken. Auch Fabian Glatzer hat mit seinen 16 Jahren schon erste Einsätze in der Zweiten Bundesliga gehabt.

Es ist viel Arbeit erforderlich, im Hintergrund geleistet, um solche Spieler auch für den Sport zu begeistern. Die Flamingos probieren das bereits an den Grundschulen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten werden in Reinickendorf Arbeitsgemeinschaften angeboten. Vor vier Jahren wurde das Projekt erweitert und läuft als „Flamingo School“ jetzt regelmäßig an drei Grundschulen.

Basisarbeit an Schulen

In jedem Halbjahr werden Schülern der ersten bis dritten und seit dem vergangenen Schuljahr auch von der vierten bis zur sechsten Klasse in zehn Wochen jeweils Doppelstunden angeboten. Dort lernen die Kinder die Grundlagen des Baseballs und spielen nach eben diesen zehn Wochen in einem Turnier den Reinickendorfer Schulmeister aus. Gerade der Schritt in die älteren Jahrgänge ist notwendig gewesen, da der Weg bis zu den Männermannschaften sehr weit ist.

Die positiven Effekte der „Flamingo School“ für die Vereinsentwicklung oder auch die Teilnahme am Projekt „Märkisches Viertel bewegt“ sind sichtbar, sie lassen sich sogar mit Zahlen belegen. Allein in den vergangenen sieben Jahren hat sich die Mitgliederzahl fast verdoppelt. Mit knapp 200 Baseballern stellen die Flamingos mittlerweile den größten Verein in der Sportart im Osten Deutschlands.

Es ist ein gesundes Wachstum, hinter jedem Schritt steckt eine Idee. Als die Flamingos auf ihrem Platz im Märkischen Viertel Ausrichter für die Deutsche Jugendmeisterschaft waren, wurde 2010 aus dem „Schotter-Dome“ ein schöner Rasenplatz. In Eigenregie wurde das heutige Vereinsheim, das eigentlich schon vor dem Abriss stand, zu dem gemacht, was es heute ist: Ein beschaulicher Anlaufpunkt für die Klubmitglieder. Und auch das Stadion, der „Flamingo Park“, darf sich über ein notwendig gewordenes Upgrade freuen: eine Flutlichtanlage. Die braucht es nicht nur für die Aufrechterhaltung des Trainingsbetriebs, sondern ist auch ein Lizenzkriterium für die Erstligazugehörigkeit. Die finanzielle Unterstützung vom Bezirk Reinickendorf in Höhe von 410 000 Euro wurde den Flamingos zugesichert.

 Die Anwohner müssen jetzt keine Angst haben. Es wird nicht die Anlage, die durch ihre Helligkeit am vergangenen Donnerstag für schlaflose Nächte sorgte.