Schon der Huddle, die kleine Zusammenkunft einer Basketballmannschaft vor dem Spiel und während der Auszeiten, klingt etwas anders. So anders, dass man schmunzeln muss. Ein Spieler ruft: „Flink wie ein“, der Rest des Teams antwortet „Wiesel“. Dann geht es wieder auf das Feld.

Bei den Weddinger Wieseln ist man stolz auf den Vereinsnamen, gerade bei den kleinsten Basketballern im Klub ist es die wichtigste Frage, wer denn den ersten Teil des Spruchs rufen darf. „Die Jugendlichen finden das wieder nicht mehr so cool, aber die Erwachsenen nehmen es dann wieder gerne auf“, erzählt Jacob Gohlisch und lächelt.

Sozialer Anstrich

Der stellvertretende Vorsitzende kann sich noch ganz genau erinnern, wie er als Kind zum ersten Mal von diesem Vereinsnamen hörte und wie dieser in seinem Kopf hängen geblieben ist. Im Nachwuchs trug er irgendwann selber das Trikot mit dem ungewöhnlichen Vereinsnamen, Anfang des Jahres hat er mit zwei weiteren Mitstreitern die Verantwortung für das Basketball-Rudel mit dem sozialen Anstrich im Berliner Norden übernommen.

Kurz zuvor hatte sich schon das Vereinslogo etwas verändert. Aus dem verspielt daherkommenden Wiesel ist eins geworden, das etwas bissiger, etwas erwachsener wirkt. Seit 1998 gibt es den Verein im Wedding, die Volljährigkeit hat er also längst erreicht. Doch beinahe wären aus den Wieseln Wölfe geworden. Beide Tiere hatten es bei den Gründern in die engere Auswahl geschafft, zwei davon hatten allerdings ein Wiesel als Haustier. „Die Alliteration zwischen Wedding und Wieseln klang ganz gut und die Wiesel als Haustiere haben sich dann durchgesetzt“, sagt Jacob Gohlisch. Das kleine Raubtier gilt in der Tierwelt als flinker Helfer in der Not, im Bezirk Wedding ist er weit mehr als das.

Pflege des Wir-Gefühls

Die Gründungsmitglieder wohnten in der Gegend rund um den Gesundbrunnen, Basketball wurde im Norden jedoch lediglich beim VfB Hermsdorf und bei Alba Berlin im Prenzlauer Berg gespielt. „Da war eine Lücke und die füllen wir bis heute“, sagt Gohlisch.

Noch immer sind die Weddinger Wiesel der einzige Basketballverein im Bezirk mit dem hohen Migrationshintergrund. Für Basketballer aus rund 30 Nationen sind die Wiesel eine Anlaufstelle, für manche Spieler auch so etwas wie eine zweite Familie. Der sozialen Verantwortung, insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund, ist man sich im Verein bewusst. „Das ist hier immer eine Mischung aus Sozialarbeit und Sport oder noch besser: Sozialarbeit durch Sport“, sagt der stellvertretende Vorsitzende, „die Kinder sollen hier Basketball, aber vor allem ein soziales Miteinander lernen.“

Nicht nur Basketball

Jacob Gohlisch ist neben seiner Vorstandstätigkeit auch noch Spieler und Nachwuchstrainer. Gerade in seiner Funktion als Coach spricht er mit den Kindern nicht nur über Basketball, sondern fragt auch mal nach den Leistungen in der Schule.

Auch wenn es in diesem Sport Spieler aus Berlin gibt, die später mit Basketball ihren Lebensunterhalt verdienen können, „sagen wir den Kindern manchmal auch, dass sie wahrscheinlich nicht unbedingt Basketballprofi werden und die Schule nicht vernachlässigen sollen“. Denn: Den ganz großen Star haben die Wiesel noch nicht hervorgebracht.

Seltenes Mixed-Turnier

Ein, zwei Spieler, die in ihrer Jugend mal das Wiesel-Trikot trugen, haben es bis in die zweite Bundesliga geschafft. Der Fokus liegt bei den Wieseln nicht auf der großen Karriere, sondern dem Miteinander. Im Nachwuchs, aber auch bei den Männern und Frauen im Verein. „Wie in einer Wieselfamilie gibt es bei uns in den Erwachsenenteams ein großes Gemeinschaftsgefühl, die Spieler gehen gerne mal gemeinsam feiern und feuern sich bei den Punktspielen an. Und auch beim Mixed-Turnier sind immer sehr viele von den Wieseln da, die selber mitspielen“, sagt Jacob Gohlisch.

Dieses Wir-Gefühl konnte man am vergangenen Wochenende wieder ganz deutlich sehen. Zum bereits siebten Mal waren die Wiesel Ausrichter eines Mixed-Turniers, in welchem „es nicht nur um das Grillen danach geht“, so Gohlisch. Auch wenn das Mattenrutschen einen hohen Unterhaltungswert bietet, so waren die Spieler auch mit einem gewissen sportlichen Ehrgeiz bei der Sache.

Mixed-Turniere, bei welchen Frauen und Männer gemeinsam auf dem Feld stehen, sind in Deutschland noch immer recht selten. „Ich finde die Mischung ganz angenehm. Man muss sich anders bewegen, spielt ganz anders zusammen“, sagt Jacob Gohlisch.

Multikulti bei den Minis

Ganz so viel Multikulti wie im Nachwuchs ist bei den Erwachsenenteams im Verein nicht zu sehen. Während es bei den Minis viele türkische und arabische Spieler gibt, ist bei den Erwachsenen auch mal der italienische Student zu sehen, der im Wedding eine Wohnung und mit den Wieseln einen Verein gefunden hat. Verständigungsprobleme trotz der verschiedenen Sprachen gibt es in keiner der Mannschaften. Gerade die Kinder sprechen alle gut genug Deutsch.

Auch Konflikte, die auf die unterschiedlichen Kulturen zurückzuführen sind, bilden eher die Ausnahme. „Die Kinder kommen schon gut miteinander klar, da kann ich mich nicht erinnern, dass die Kultur der Ausgangspunkt für Konflikte war“, so Gohlisch.

Fünf Freunde im Schlepptau

Die Zuverlässigkeit ist es hingegen, die manchmal für Probleme sorgt. Die Kinder kommen zum Training und finden es auch ganz gut, aber dann kommen sie auch mal zwei Wochen nicht. „Ob das jetzt migrationsspezifisch ist, weiß ich nicht. Aber wir sehen schon, dass die Kinder aus diesen Familien manchmal sehr unregelmäßig da sind“, erzählt der stellvertretende Vorsitzende, „das hat teilweise auch sprachliche Gründe. Aber dafür kommen die Kinder dann manchmal wieder und bringen gleich fünf Freunde mit. Wenn man gute Arbeit macht, spricht sich das rum.“

Ein Frauenteam in der 1. Regionalliga, rund 350 Mitglieder aus circa 30 Nationen, und knapp 20 Mannschaften im Spielbetrieb sind Ausdruck dieser guten Arbeit und zeigen, dass nicht nur der Vereinsname im Berliner Wedding besonders ist.