Aus dem operativen Geschäft hat sich Beate Loddenkemper zurückgezogen. Mal eben so über das Turniergelände gehen, ist für die 80-Jährige dennoch nicht möglich. Eine Umarmung hier, Küsschen links, Küsschen rechts, dazu andere kurze Gespräche – es gibt in den Tagen der German Open der Rollstuhltennis-Spieler eigentlich niemanden, der sie nicht wenigstens grüßt. Und als es auf einem Platz der Zehlendorfer Wespen plötzlich noch medizinische Unterstützung benötigt wird, springt Beate Loddenkemper selbstredend ein. Seit mehr als 50 Jahren im Verein, langjähriges Vorstandsmitglied, dazu mehrere Jahre Direktorin dieses Turniers und federführend bei der Eingliederung der Rollstuhltennis-Spieler im Verein. Wenn man über die Geschichte der Wespen spricht, kommt man an Beate Loddenkemper nicht vorbei.

Natürlich kennt sie sich auf der Anlage bestens aus, kennt jeden Winkel der Tennisplätze und den blauen Hockeyplatz mit dem markanten Wespenlogo. Die Geschichte dahinter ist keinesfalls auf die Anfänge und findige Marketingleute zurückzuführen. Als sich der Verein mit den Abteilungen Hockey und Tennis im Jahr 1911 gründete, geschah das unter dem Namen Sportverein Zehlendorf 1911. „Unter den Gründern war eine Engländerin, die in England bereits eine gute Hockeyspielerin gewesen ist“, erzählt Beate Loddenkemper.

Die German Open als Angebot

Helena Schickendantz, so hieß die Spielerin, Trainerin und Ideengeberin des tierischen Vereinsnamens. Und als dann auch noch die Berliner Zeitungen darauf ansprangen und nach den ersten, erfolgreichen Hockeyjahren schrieben: „Sie haben zugestochen wie die Wespen“, da war der Vereinsname geboren. „Der Name wurde erst offiziell in den 20er Jahren aufgegriffen und dann wanderte auch die Wespe auf das Logo“, erzählt Beate Loddenkemper.
Natürlich konnten die Vereinsfarben nun nur gelb und schwarz sein. Obwohl gerade in den 70er Jahren, auch weil andere Vereine die gleichen Farben trugen, die Wespen gerade im Hockey auf blau und hellblau umschwenkten, finden sich schwarz und gelb in der Kleidung.

In mühevoller Kleinarbeit hat Beate Loddenkemper anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums für die Gestaltung einer Vereinschronik solche Informationen zusammengetragen. Am Ende dieser Chronik ist ein Ausblick auf die kommenden Jahre zu lesen. Im dritten Absatz etwa, dass sich die Angebote und Aktivität bei den Wespen ausweiten werden. Die German Open der Rollstuhltennis-Spieler sind ein solches Angebot. Es existiert seit 2011.

Aktive Zehlendorfer

Seinen Ursprung hatte das international hochkarätig besetzte Turnier in Bonn, wanderte über München nach Essen und von dort nach Berlin. „Rollstuhltennis auf Sand war ungewöhnlich“, sagt Beate Loddenkemper, „es kommt aus den USA, wo meist auf Hartplatz gespielt wird. Aber das ist auf gut präparierten Plätzen kein Problem. Man sieht ein paar Spuren der Rollstühle, aber die bekommt man nach einem Spiel wieder weg.“

Im deutschen Tennisbund (DTB) hatte es sich herumgesprochen, dass die Zehlendorfer seit 1992 sehr aktiv sind. Als der Verein 1999 von der Roonstraße in die heutige Heimat an der Lloy-G.-Wells-Straße zog, „haben wir das Gelände gleich behindertengerecht und barrierefrei gebaut“, sagt Beate Loddenkemper. Die Rollstuhltennis-Spieler seien von Anfang an als Mitglieder aufgenommen worden. Das Ganze mit reduziertem Beitrag und ohne Aufnahmegebühr, aber „sie waren dann auch völlig integriert. Sie gehen schwimmen, sitzen auf der Terrasse und im Klubhaus, sie sind im Klubleben ganz normal vorhanden“, sagt Beate Loddenkemper.

Mittlerweile hat Rollstuhltennis einen eigenen Etat im Verein, es gibt einen Förderkreis dafür. Das ist nicht selbstverständlich in deutschen Tennisvereinen, wo vielfach Nachholbedarf bei der Inklusion herrscht. Beate Loddenkemper geht sogar noch weiter, wenn sie sagt, dass der Behindertensport in Deutschland sehr viel zu tun sei. „Die Niederlande sind beispielsweise führend im Rollstuhltennis, auch Polen hat viele Spieler“, sagt die 80-Jährige. England sowieso, aber auch Frankreich, Italien, die Schweiz. Wenn diese Länder ein Turnier veranstalten, gibt es ein zweites Tableau mit Spielern, die nicht international, aber eben Tennis spielen. Das haben wir in Deutschland gar nicht.“

„Nicht überlegen, einfach tun“

Als der Deutsche Tennisbund den Zehlendorfern die Austragung der German Open gab, sagten die schnell. „Bei den Wespen wird nicht überlegt, ob man so ein Turnier macht, sondern man tut es einfach“, sagt Beate Loddenkemper. Im ersten Jahr noch in der Halle, seitdem aber auf den Sandplätzen rund um das „Wespennest“, dem Vereinsheim. Was als Turnier dritter Wertungsklasse begann, hat mittlerweile den Status ITF 2 und würde, so man es denn bei den Wespen wollte, die oberste Wertung besitzen. Allein der organisatorische Rahmen und die höheren Preisgelder, die der Verein dafür aufbringen müsste, sprechen dagegen.

Die Zehlendorfer haben es sich zum Credo gemacht, ein Familienverein zu sein. „Wir haben niemanden, der Millionen ausstreut, sondern wir rekrutieren uns im Tennis und vor allem im Hockey aus dem eigenen Nachwuchs“, sagt Beate Loddenkemper.

Vielleicht ist es das lustige Wappen der Zehlendorfer mit der Wespe und diese besondere Atmosphäre auf der Anlage am Stadtrand nahe Kleinmachnow, die bei Besuchern und Spielern, egal ob im Rollstuhl sitzend oder zu Fuß unterwegs, so gut ankommt. Und in einer Familie umarmt man sich eben und unterhält sich, auch wenn man bereits etwas kürzergetreten ist. Denn, auch das gehört dazu: einmal Wespe, immer Wespe.