Bernd Schuster: Schöne Bescherung für Wolfsburg

Die mitunter wirklich zu Unrecht verspottete niedersächsische Stadt Wolfsburg gibt sich in der Vorweihnachtszeit alle Mühe, hübsch auszusehen. Da erhält etwa das alte Kraftwerk gegenüber dem Bahnhof ein weihnachtliches Gepräge, indem die vier gigantischen Schornsteine in rotes Licht getaucht werden, so dass sie vier pompösen Adventskerzen ähneln.

Kaum Vertrauen in Schuster

Anhänger des VfL Wolfsburg können sich daran gerade nicht erfreuen; viele spotten über eine schlimme Bescherung, die ihnen die Chefentscheider im VW-Konzern eingebrockt haben: Bernd Schuster unterm Weihnachtsbaum. Dem bald 53-Jährigen wird schlicht nicht zugetraut, in der Autostadt eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen. Und die Wolfsburger Allgemeine Zeitung fragt in einem Kommentar („Bitte nicht!“): Hat es für einen so fantasielosen Einfall wirklich einen Klaus Allofs gebraucht?

Interessant, dass der VfL-Aufsichtsrat angekündigt hatte, einen Wandel einleiten zu wollen, der Glaubwürdigkeit, Nachhaltigkeit und auch den Einbau des eigenen Nachwuchses ins Bundesliga-Team vorsieht. Inwiefern Schuster solche Werte verkörpern soll, erschließt sich schwerlich. Der oft distanziert wirkende Trainer bleibt auch als Fernsehexperte meist blass.

Immerhin: Als Profi wandelte Schuster zwischen Genie und Wahnsinn, trat auf als Gestalter und Schlagzeilenproduzent; er war streitbar, launisch und widerspenstig. Alles Eigenschaften, die dem einen oder anderen im schwer erziehbaren Wolfsburger Kader auch nachgesagt werden. Ein Engagement Schusters weckt auch deshalb Skepsis, weil die Bundesliga gerade genug Beispiele dafür liefert, dass die von ihren Meriten als aktive Kicker zehrenden Fußballlehrer ausgedient haben. Die drei aktuell am besten beleumundeten Cheftrainer – Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Christian Streich – waren als Spieler allesamt mit weit weniger Talent gesegnet als Schuster. Sie sind jedoch mutmaßlich die besseren Trainer.