Am Dienstagmorgen stand Bernd Storck auf dem Trainingsplatz am Stade le Canonnier. In der belgischen Stadt Mouscron führte er mit den Spielern des Tabellenletzten der Jubiler Pro League einen Laktattest durch. Erst seit dem Wochenende ist Storck, 55, der neue Cheftrainer. Jürgen Röber, 64, der Sportdirektor von Royal Excel Mouscron, seit einem Jahr im Amt, hatte seinen alten Mitstreiter als Helfer in der Not geholt. Storck bekam einen Einjahresvertrag mit Option.

„Das ist eine sehr schwere Mission, wir stehen ganz unten, aber ich liebe solche Herausforderungen“, sagte Storck dieser Zeitung. Am Montag leitete er sein erstes Training, stellte sich der Mannschaft vor und erklärte, wie er sie aus der Abstiegszone bringen will. „Vor allem mit harter, intensiver Arbeit“, sagt Storck.

Die Resultate sind ernüchternd. In sechs Spielen gab es sechs Niederlagen, zuletzt ein 1:3 gegen Charleroi, das Storck auf der Tribüne verfolgte.  Danach entließ Röber den belgischen Coach Frank Defays.

"Die Truppe hat Talent"

Storck steht nun vor einer im Sommer neu zusammengestellten Mannschaft, denn es gab über ein Dutzend Abgänge und auch genauso viele Zugänge. Fünf Nationalspieler, vorwiegend aus afrikanischen Staaten, stehen im Team. „Die Truppe hat Talent“, glaubt Storck, „aber die Jungs spielten schlecht organisiert und wenig diszipliniert.“ Es ist eine Mannschaft, in der Profis aus vielen Nationen spielen. „Wir sprechen Englisch“, sagt Storck, „ab er ich verstehe auch ein bisschen Französisch.“

Belgische Zeitungen schrieben, dass sich Royal Excel Mouscron wegen seiner geografischen Nähe zu Frankreich - die Großstadt Lille ist nur 10 Kilometer entfernt - auch fußballerisch meist am großen Nachbarn orientiert habe, nun aber auf den deutschen Sachverstand setze - mit der bewährten Kombination Röber/Storck.

Elf Jahre arbeiteten Jürgen Röber und Bernd Storck als Trainerteam zusammen – immer in der Konstellation Cheftrainer (Röber) und Assistent (Storck). Das passierte zwischen 1996 und 2007 auf den Stationen Hertha BSC, VfL Wolfsburg, Partizan Belgrad und Borussia Dortmund.

Danach war die Zeit für Storck, den ehemaligen Abwehrspieler von Borussia Dortmund reif, selbst als Chefcoach eine Mannschaft zu übernehmen. FK Almaty im fernen Kasachstan hieß die erste Station, auf die seine exotische Tätigkeit als Nationaltrainer der Kasachen folgte. Storck, ein akribischer Arbeiter, zog es nach zwei Jahren in Kasachstan weiter ins Ausland. Olympiakos Piräus verpflichtete ihn als Chef für den Nachwuchsbereich.

Erfolgreich in Ungarn

Aber die bislang erfolgreichste Zeit als Trainer sollte ab 2015 in Ungarn folgen. Zuerst agierte er als Sportdirektor des ungarischen Fußballverbandes, professionalisierte die Strukturen und förderte den Nachwuchs. Später folgte er auf Pal Dardai als Nationaltrainer und führte Ungarn nach 44 Jahren Abstinenz wieder zu einer Europameisterschaft. Storck arbeitete in Doppelfunktion als Chefcoach und Sportdirektor und war so einige Zeit der mächtigste Fußball-Lehrer in Budapest. Als er aber die Teilnahme an der WM-Endrunde 2018 in Russland verpasste, trennten sich der Verband und Storck im Oktober 2017 „einvernehmlich.“

Nun also hat Storck eine neue Aufgabe gefunden und muss zusammen mit Röber den Klassenerhalt in Mouscron schaffen. Erst am 16. September folgt wegen der Länderspielpause das erste Punktspiel. Gegner ist KV Kortrijk, „ein Derby“, sagt Storck. Und: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich diese große Herausforderung packe!“