BFC Dynamo Berlin: Keinen Bock mehr auf Amateurfußball

Berlin - Volkan Uluc und Kevin Meinhardt strahlen eine gewisse Erhabenheit aus. Das liegt möglicherweise daran, dass der Trainer und der Sportliche Leiter des BFC Dynamo gerade auf zwei majestätisch anmutenden Sesseln mit weinroter Polsterung Platz genommen haben, die auf dem ebenfalls in Vereinsfarbe gehaltenen Teppich in der Geschäftsstelle des BFC stehen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die würdevolle Haltung der beiden im sportlichen Erfolg der Berliner Fußballer begründet liegt – schließlich sicherte sich der BFC am vergangenen Wochenende nach 22 Spieltagen den Meistertitel der NOFV-Oberliga Nord und steht somit schon jetzt als Aufsteiger in die Regionalliga Nordost fest.

15 Jahre ist es her, dass die Berliner zum letzten Mal viertklassig spielten. Nach der Wende war der einstige DDR-Serienmeister aufgrund misslichen Wirtschaftens, interner Querelen und unprofessioneller Strukturen Stück für Stück ins sportliche Niemandsland abgerutscht. Schlagzeilen machten nur noch die randalierenden Fans.

Sehr leer gefühlt

Im Mai 2012 allerdings übernahm Uluc wieder das Zepter beim BFC Dynamo. Der türkischstämmige Fußballlehrer hatte den Verein bereits zwischen 2006 und 2009 zunächst vor dem Abstieg in die Verbandsliga bewahrt und schließlich bis auf den zweiten Tabellenplatz der Oberliga gehievt. Danach zog er sich aber zurück. „Es war eine große Enttäuschung, 2009 hinter Tennis Borussia nur den zweiten Platz zu belegen, ich habe mich danach sehr leer gefühlt“, begründet er seinen Entschluss.

Als BFC-Präsident Norbert Uhlig und der Wirtschaftsratsvorsitzende Peter Meyer aber 2012 anfragten, fühlte sich Uluc bereit, das Projekt Aufstieg noch einmal anzugehen. Auch, weil ihm mit Kevin Meinhardt erstmals ein Sportlicher Leiter zur Seite gestellt wurde, der ihm erlaubte, sich voll auf das Traineramt zu konzentrieren.

„Dennoch war es eine schwierige Situation“, sagt Uluc. Wegen der Einführung der Dritten Liga konnten in der Saison 2011/12 sogar vier Klubs aufsteigen, der BFC hatte aber nur den dreizehnten Tabellenplatz belegt. „Der Verein war am Boden“, sagt Uluc, „wir hatten fünf Spieler, drei davon aus der A-Jugend. Meinhardt, damals 30 Jahre alt, sah das Projekt ebenfalls kritisch, er sagt: „Das war bestimmt schon der zehnte Plan, der bei Dynamo gemacht wurde, und ich wollte nicht der dreihundertste Idiot sein, der es nicht schafft.“

Nicht mehr über Mielke sprechen

Meinhardt, blonde Haare, Sommersprossen, lächelt, während er von den vergangenen zwei Jahren erzählt. Er ist nämlich keinesfalls gescheitert: Mit jungen Spielern, die er außerhalb des Berliner Dunstkreises akquirierte, entwickelte sich der BFC Dynamo zum Ligaprimus, gewann in der vergangenen Saison den Landespokal und kann nach einer bislang herausragenden Saison endlich den langersehnten Aufstieg feiern. „Ich bin stolz darauf, dass ich die Arbeit, die ich damals angefangen habe, jetzt endlich zu Ende bringen konnte“, sagt Uluc.

Das Ende ist aber noch lange nicht erreicht: „Die Regionalliga ist genau die Schnittstelle zwischen Profi- und Amateurfußball“, sagt Uluc, „und dahin wollen wir nicht zurück.“ Vielmehr strebt der Verein die Teilnahme an der Dritten Liga an. Deshalb verlässt der Klub in der kommenden Saison das etwas marode Stadion im Sportforum Hohenschönhausen und zieht in den Jahnsportpark im schickeren Prenzlauer Berg um. „Auch, wenn es jetzt noch nicht so weit ist, wir wollen in ein Drittliga-taugliches Stadion“, sagt Uluc, „das ist eine Entscheidung für die Zukunft des Vereins.“

Neben dem sportlichen Erfolg sieht Uluc seine Aufgabe aber auch darin, den Verein in der Öffentlichkeit in ein positives Bild zu rücken. „Immer lese ich über Dynamo die alten DDR-Geschichten von Erich Mielke und randalierenden Fans, darüber möchte ich überhaupt nicht mehr sprechen“, beklagt Präsident Uhlig. Dabei hat es seit gut zwei Jahren keine Ausschreitungen mehr mit BFC-Fans gegeben – im Gegenteil: Im Oktober erhielt Uhlig gar einen Dankesbrief der Polizeiinspektion Anklam für den genauso stimmungsvollen wie problemlosen Auftritt der Berliner Fans beim FC Pommern.

Der BFC Dynamo ist also auf einem guten Weg. „Wir hoffen natürlich, dass das in der Regionalliga so weitergeht“, sagt Trainer Volkan Uluc, „wir haben jedenfalls keinen Bock auf Amateurfußball.“