Am eindrücklichsten schwärmte ausgerechnet der gegnerische Trainer vom Aufsteiger. Nach dem 1:1 (0:1)-Unentschieden gegen seinen FC Carl Zeiss Jena in der offiziellen Regionalliga-Saisonauftaktpartie am Sonnabend lobte Lothar Kurbjuweit den BFC Dynamo. „Man darf nicht außer Acht lassen, dass der Gegner eine richtig gute Partie gemacht hat“, sagte Kurbjuweit, „wir haben nach dem frühen Ausgleich in der zweiten Halbzeit nicht weiter verstanden, Druck aufzubauen − wir sind nach wie vor mehr den Berlinern hinterhergelaufen als die uns. Das hat mir überhaupt nicht gefallen.“

Kurbjuweit, 63, zählt zu den ganz Großen im DDR-Fußball. Er hat 66 Länderspiele gemacht und beim FC Carl Zeiss Jena über die Jahre schon so etwa jede denkbare Position ausgeübt. Und als Ende Mai eben der ursprünglich sicher verpflichtet geglaubte Belgier Patrick van Kets plötzlich einen Rückzieher machte, sprang Kurbjuweit als Trainer doch noch mal wieder ein. Die Thüringer wollen schließlich mit Nachdruck nach oben. Da war der dritte Platz in der vorigen Saison hinter Neustrelitz und dem 1. FC Magdeburg schon schlimm genug. Der belgische Investor Roland Duchâtelet pumpt seine Millionen Euro mit größeren Ambitionen in den Klub. „Wir sind gezwungen, in Regionen vorzustoßen, die interessanter sind“, sagte Kurbjuweit dem MDR, „mit viel, viel Optimismus und gutem Willen wäre die Zweite Liga möglich.“

Wie Pavel Nedved

Mit dem BFC Dynamo ist ein neuer Konkurrent hinzugekommen. Auch wenn Norbert Uhlig, der BFC-Präsident, sich noch in Zurückhaltung übt. „Wir sollten uns erst in der Liga festigen“, sagte er nach dem Aufstieg, „wir sind realistisch und sagen nicht, wir seien Geheimfavorit.“

Das Viertligadebüt hat gleichwohl nahegelegt, dass der BFC eine ordentliche Mannschaft zusammengestellt hat. Von den neun Zugängen hatte Trainer Volkan Uluc vier gegen Jena aufgestellt, darunter seine komplette rechte Seite, die der BFC dem Vorjahresmeister Neustrelitz abgeluchst hat: Der tschechische Abwehrmann Lukás Novy, 23, der im Haarschnitt ein wenig an seinen Landsmann Pavel Nedved erinnert und im Sturmdrang an den Hamburger Manfred Kaltz, fiel am meisten auf in Jena − nicht nur, weil er gleich in der dritten Minute mit einer Flanke die frühe BFC-Führung von Andis Shala vorbereitete. Der Serbe Shala war erst im Sommer aus Jena gekommen, aber offenkundig hatten die ehemaligen Mannschaftskollegen die Kopfballstärke des 1,91 Meter großen Stürmers längst vergessen.

Der kleine, ebenfalls aus Neustrelitz gekommene Mittelfeldmann Christopher Massamba Mandiangu brachte mit seiner Ballfertigkeit zuweilen die Gegner zur Verzweiflung, mit dem Eigensinn allerdings gelegentlich auch die Mannschaftskollegen. Und hinten stand der BFC weitgehend sicher. Der 1,94-Meter-Mann Patrick Brendel verschaffte sich ebenso flink Respekt wie der vor einem Jahr aus den Niederlanden nach Berlin gelotste Philipp Haastrup. Nur beim Gegentreffer von Velimir Jovanovic (46.), den Jena wiederum aus Neustrelitz zurückgeholt hatte, wirkten die beiden Innenverteidiger indisponiert, als sie Jenas Yves Brinkmann nicht an der Kopfballvorlage zu hindern vermochten.

Halbleeres Stadion

Jedenfalls hatte der BFC tatsächlich die besseren Möglichkeiten, in der Hitze von Jena zum Auftakt noch zum Siegtor zu kommen. Doch sowohl Shala (59. Minute) wie auch Christian Preiss im Nachschuss oder der eingewechselte Djibril N’Diaye (90.+1), den sie in Berlin der Einfachheit halber „Dieter“ nennen, scheiterten an Torhüter Tino Berbig. Die Kräfteverteilung schlug sich auch auf den Rängen nieder, wo Carl Zeiss Jena bei 5 265 Zuschauern sicherheitshalber die Hälfte der Plätze leer gelassen hatte in dem „Hochsicherheitsspiel“, als dem BFC ein größeres Kontingent als 1 300 zuzuteilen. Dennoch machte sich der BFC-Anhang akustisch bestens bemerkbar, und insbesondere einer fiel in der Masse weinroter T-Shirts auf: In seinem Kostüm wird der rosarote Panther ordentlich geschwitzt haben. „Wir sind ein Kultklub“, sagte BFC-Kapitän Björn Brunnemann, „hier wollten 3 000 Mann mitfahren. Das ist das, wofür man Fußball spielt. Das ist das, wo wir angekommen sind und wo wir weitermachen wollen.“