BFC-Dynamo-Sportdirektor Angelo Vier: "Wir haben das Optimum rausgeholt"

Herr Vier, ist der BFC jetzt endlich in der Spur?

Ich habe immer gesagt, dass es nichts bringt, nach vier Spieltagen auf die Tabelle zu schauen. Das erste Fazit können wir jetzt nach zehn Spieltagen ziehen. Richtig interessant wird es aber erst nach der Hinserie.

Trainer Thomas Stratos gab ja als Ziel Platz eins aus. Sehen Sie das ähnlich?

Natürlich. Wir müssen uns nicht verstecken. Wir wollen sogar um Platz eins mitspielen. Der Aufstieg ist dann wieder ein anderes Thema. Ein anderes Ziel darf es aber für einen Verein wie uns in der Regionalliga auch gar nicht geben, und wenn das vom Verein nicht mitgetragen werden würde, würde ich diese Aufgabe auch nicht machen.

Der BFC ist die torgefährlichste Mannschaft, vergibt aber oft beste Chancen. Wie viele Tore hätten Sie zu ihren besten Tagen in einer solchen Situation mehr erzielt?

(lacht) Thomas Stratos und ich stehen für die offensive Spielphilosophie. Anfangs hatten wir viel Verletzungspech. Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass wir noch drei oder vier Großchancen für ein Tor benötigen und andere Teams vielleicht nur zwei. Trotzdem machen wir es in der Summe ganz gut. Ein paar Gegentore zu viel bekommen wir noch, aber das wird sich auch noch ändern.

Gibt es also schon Überlegungen, im Winter nachzurüsten?

Erstmal ist das kein Thema. Viele verletzte Spieler kommen zurück und die Mannschaft ist gut zusammengewachsen. Wenn, dann müssten wir sowieso jemanden finden, der zu uns passt. Ein 30-Jähriger, der mal Bundesliga gespielt hat und noch ein wenig kicken will, den brauchen wir für unsere Ziele nicht.

Das ist bestimmt auch eine finanzielle Frage. Schauen Sie da nicht manchmal wehmütig zu Vereinen wie dem BAK?

Nein, so ist das auch wieder nicht. Wir stehen finanziell an einem Punkt null, ohne Schulden und Altlasten. Für unsere Verhältnisse haben wir das Optimum rausgeholt. Am Ende geht es auch nicht immer nur um Geld. Es gibt andere Dinge, die das wettmachen können, vor allem die äußeren Bedingungen und die Zuschauer. Beim BFC gibt es eine Tradition, und es gibt eine Zukunft. Damit kann man arbeiten.

Also befassen Sie sich auch nicht mit Themen wie der Ausgliederung der Profimannschaft?

Natürlich beschäftigt man sich damit. Irgendwann muss man den Sponsoren und Fans ja auch was bieten. Es ist ja nicht mehr wie früher, wo man mit einem Heftchen Bandenwerbung verkauft hat. Man muss gute Partner finden, den eigenen Wert steigern und so Geld generieren, damit man arbeiten kann. Wir müssen auf kurz oder lang sowieso dahin, wo das Geld ist, also mindestens in die Dritte Liga. Nun schießt Geld alleine natürlich keine Tore, aber es schafft nötige Strukturen.

Planen Sie vielleicht sogar den Umbau des Sportforums?

Wenn wir den nötigen sportlichen Erfolg haben, kann man sicher drüber nachdenken. Aktuell haben wir mit dem Jahnsportpark aber optimale Voraussetzungen. 2018 will der Senat das Stadion auch komplett sanieren. Besser können wir es dann gar nicht haben. Wir sind ja bereits die dritte Fußballkraft der Stadt. Wenn es sportlich weiter nach oben geht und der Jahnsportpark wirklich mal zu einem zweitligatauglichen Stadion umgebaut wird, können wir den BFC auch Schritt für Schritt eine Stufe weiterentwickeln.

Sie sind neben Ihrer Funktion als Sportdirektor des BFC auch als Spielerberater tätig. Nicht wenige fürchten Interessenkonflikte.

Es gibt keine Interessenkonflikte. Wenn der BFC höherklassig spielt, könnte es vielleicht anders sein. Aber dann werde ich mich mit den Verantwortlichen zusammensetzen und das in Ruhe besprechen, so wie wir das auch vor meinem Antritt beim BFC gemacht habe.

Verteidiger Philipp Haarstrup, der auch von Ihrer Golden Goal Sports & More GmbH vertreten wird, war ja beim BFC aussortiert. Bis Sie kamen.

Philipp Haarstrup spielt seit 2013 hier und wurde vom damaligen Trainer Volkan Uluc suspendiert, hatte aber einen gültigen Vertrag mit dem Verein. Nach Ulucs Wechsel nach Jena wurde die Suspendierung aufgehoben. Das passierte alles vor meiner Anstellung im Verein und hatte mit mir nichts zu tun.

Zehn Jahre haben Sie in der Dynamo-Jugend gekickt und sind jetzt ein halbes Jahr wieder im Verein tätig. Wo wollen Sie in einem halben Jahr mit dem Verein stehen?

Soweit wie möglich oben, zählbar wäre der erste Platz.