Der Mann ist eine stattliche Erscheinung. Massiger Körper, geschorener Kopf. Eine Respektsperson, die mit sanftmütiger Stimme spricht. Volkan Uluc, 44, Cheftrainer des Regionalliga-Aufsteigers BFC Dynamo, eines Vereins, der wegen seiner DDR-Vergangenheit noch immer argwöhnisch beäugt wird, ist ein Mann mit Visionen. Der in Berlin geborene Deutsch-Türke, als Trainer im Amateurbereich viel herumgekommen, hat den BFC vor zwei Jahren übernommen – in der fünftklassigen Oberliga Nord.

Nach Platz drei im ersten Jahr gelang in der Vorsaison nach zehn Jahren der ersehnte Aufstieg in die Regionalliga, die den BFC dem Profifußball ein kleines Stück näher bringt. Die Mannschaft marschierte ungeschlagen durch die Saison, kassierte nur zehn Gegentreffer und ging mit 34 Punkten Vorsprung als Klassenbester ins Ziel. Am Sonnabend beginnt nun das Abenteuer Regionalliga für das junge Team mit dem traditionsreichen Duell beim FC Carl Zeiss Jena (14 Uhr, live im MDR).

Als Uluc zum zweiten Mal zum BFC kam (nach 2007 bis 2009 − er scheiterte damals am Aufstieg), war ihm die über zwei Jahrzehnte zurückliegende Vergangenheit des Arbeitgebers bekannt. Der zehnmalige DDR-Meister (1979-1988) mit Profis wie Andreas Thom, Thomas Doll oder Frank Rohde wurde vom Ministerium für Staatssicherheit protegiert. Das und problematische Fans isolierten den Verein im vereinigten Deutschland viele Jahre und ließen ihn nur mühsam auf die Beine kommen. „Ab und an“, berichtet Uluc, „wurden unsere Spieler bei Auswärtsspielen in der Oberliga sogar noch beschimpft. Dabei waren viele meiner Jungs am Ende der DDR noch gar nicht geboren.“

Trainer und Mitstreiter haben viel für den Imagewandel getan. Uluc, das sagen alle im Umfeld des Klubs – Spieler, Funktionäre und Fans – besitzt den Löwenanteil am sportlichen Aufschwung. Uluc gibt sich bescheiden. „Das ist keine One-Man-Show“, sagt er, „ich habe ein tolles Team, das sehr professionell arbeitet. Der Verein hat gute Strukturen geschaffen.“

Als Spieler schaffte es Uluc nur bis in die C-Jugend von Hertha BSC, spielte danach noch bei Meteor 06 auf einer Position, die es nicht mehr gibt: „Ich war Libero“, erzählt Uluc. Seine Trainerlizenz hat er einst in München erworben, er trainierte den Spandauer SV, den SV Yesilyurt und nun erneut den BFC. Uluc war zum Hospitieren in England, Holland und Italien. „Ich habe Ajax Amsterdam unter Trainer van Gaal beobachten können, und als der Schweizer Lucien Favre, ein Taktikfuchs, Hertha BSC trainierte, war ich viel bei dessen Übungseinheiten vor Ort.“

Als er im Sportforum Hohenschönhausen seinen Job antrat, verkündete Uluc einen Zweijahresplan. Zuerst wollte er ein „gutes Team aufbauen“, das er „später punktuell verstärken und zum Aufstieg führen“ wollte. Der anfangs von der Konkurrenz belächelte Plan – es gab ja schon Dutzende zuvor beim um Anerkennung ringenden BFC – ging voll auf. Nun hat Uluc erneut einen Zweijahresrhythmus mit hohen Aufgaben im Kopf. Etablieren in der neuen Liga, dritte Kraft im Berliner Fußball werden hinter Hertha BSC und dem 1. FC Union ist die Vision für die kommende Zeit. „Das Projekt BFC ist noch lange nicht zu Ende“, sagt Uluc, „es ist kein Geheimnis, dass der Verein höhere Ziele anstrebt.“