Salomon Kalous Engagement bei Hertha BSC ist beendet.
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BerlinAls ich am Montagnachmittag vor meinem Laptop saß und mir den irren Facebook-Film von Salomon Kalou anschaute, war ich zuerst sprachlos und hatte sofort ein Déja-Vu. Irgendwie tauchte plötzlich das ausdruckslose Gesicht von Jürgen Klinsmann in meinen Erinnerungen auf, wie der Trainer im Februar auch via Facebook seinen Rücktritt erklärt hatte. Ein Vorgang, der wohl in seiner Kuriosität nicht zu übertreffen sein würde. Dachte ich. Nun hat Kalou mit seinem Live-Film aus der Hertha-Kabine alles noch übertroffen.

War es Dummheit, Naivität, Übermut oder Provokation? Kalou, 34, hat sich ins Aus katapultiert. Ich glaube, es war eine Mischung aus all diesen Dingen, als er massiv gegen die Hygieneregeln in Deutschland verstieß, sich sogar lustig machte, als ein Physiotherapeut einen Abstrich bei einem Teamkameraden vornahm. „Coronavirus, Coronavirus“, trällerte Kalou vor sich hin.

Es ist nicht zu fassen: In einer gesellschaftlich hochbrisanten Situation hat der Fußball-Held der Elfenbeinküste viele Bemühungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL), den Spielbetrieb mit Geisterspielen wieder aufzunehmen, konterkariert. Den Namen Salomon Kalou wird nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kennen. Hoffentlich wird heute im Corona-Kabinett nicht das Hertha-Video zur Einstimmung auf die Gespräche mit den Ministerpräsidenten der Länder angeschaut.

Eine Suspendierung wie keine zuvor

Hertha BSC hat Kalou, dessen Vertrag am 30. Juni ausläuft, „mit sofortiger Wirkung vom Trainings-und Spielbetrieb suspendiert.“ Solche eine Strafe, absolut angemessen, hat es bei Hertha selten gegeben. Meist waren Suspendierungen zeitlich begrenzt, die Anlässe im Vergleich zu Kalou unbedeutender. Ich erinnere mich an Patrick Ebert, der im März 2009 – er soll Seitenspiegel abgetreten haben – für zwei Ligaspiele suspendiert wurde. Keine Chance hatten in Liga zwei 1993/94 die gestandenen Profis Walter Junghans, Uli Bayerschmidt und Theo Gries. Der neue Hertha-Coach Uwe Reinders teilte ihnen mit, dass er nicht mehr mit ihnen plane. Der finanziell klamme Verein suspendierte das Trio gnadenlos, wollte die „Großverdiener“ von der Gehaltsliste bekommen. Unglaublich!

Ich gehe davon aus, dass Kalou nicht mehr das Hertha-Trikot tragen wird. Es ist ein bizarrer Abgang des einzigen Profis der vergangenen Jahre, der eine weltweit beachtete Karriere aufweist. Afrika-Meister mit der Elfenbeinküste, 97 Länderspiele, Champions-League-Sieger mit Chelsea. Dass ein so erfahrener Mann einen heftigen Fehltritt begeht, verwundert sehr, denn er hat bewiesen, dass er über den Tellerrand des Profigeschäfts hinaus denken kann. Mit seiner Stifung hilft er armen Kindern in seiner Heimat.

Was bleibt von Kalou bei Hertha? 48 Tore in 151 Erstligaspielen, Platz 5 in der ewigen Torjägerliste des Klubs, acht versenkte Elfmeter bei neun Versuchen. Drei unvergessliche Tore beim 3:1 in Hannover 2015, als er wegen einer Verletzung einen Dieter-Hoeneß-Gedächtnis-Turban um den Kopf trug. Die Fans erschienen zum nächsten Heimspiel mit selbstgebastelten Turbanen. Der Dokumentarfilm „Der geliebte Elefant“ über Kalous Leben feierte 2017 beim Filmfestival 11mm in Berlin Deutschland-Premiere. Sehenswert.

Manager Michael Preetz sagte einst bei der Vorstellung von Kalou in Berlin: „Salomon ist ein Mann für die besonderen Momente.“ Er sollte Recht behalten.