Jede Woche blättert Hermann Gerland die Fußballzeitschrift Kicker durch und freut sich, wenn er dort seine ehemaligen Spieler in den Aufstellungen vom Wochenende entdeckt. 15 Jahre lang trainierte er die zweite Mannschaft des FC Bayern und leitete in dieser Funktion gewissermaßen die Abschlussklasse der Rekordmeister-Nachwuchsschule. Inzwischen ist er zum Assistenten von Cheftrainer Pep Guardiola aufgestiegen, doch was aus seinen Schülern wird, interessiert ihn noch immer. Die einen – Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller oder Holger Badstuber – sieht er bei der täglichen Arbeit; die anderen sucht er in der Zeitung. Einen aber konnte er zuletzt nicht finden: Björn Kopplin vom 1. FC Union.

Denn dieser wurde in der laufenden Saison zum zweiten Mal in seiner Karriere Opfer des frühen Erfolgs. Hatte dem Berliner einst bei den Bayern der eigene Erfolg im Weg gestanden, war es in diesem Jahr der Erfolg der anderen. In der Liga durfte Kopplin in der Hinrunde nur fünf Minuten spielen, weil Rechtsverteidiger Marc Pfertzel wenig verkehrt machte, und Union zunächst in der Tabelle emporkletterte. In der kommenden Woche jedoch könnte Gerland auf der Suche nach Kopplin endlich fündig werden, denn der Berliner steht vor dem Spiel in Bochum vor der Rückkehr in die Startelf von Union – wenn auch auf ungewohnter Position.

"Schnell und laufstark"

Weil Patrick Kohlmann und Michael Parensen gesperrt sowie Fabian Schönheim verletzt ausfallen, wird Kopplin wohl die Seite wechseln. Zum Test hat Union-Trainer Uwe Neuhaus ihn am vergangenen Sonntag in die zweite Mannschaft geschickt, wo der 24-Jährige die Rolle übernahm, die er früher einmal erfolgreich ausgefüllt hatte. Fünfeinhalb Jahre ist es her, dass der linksverteidigende Kopplin U19-Europameister wurde.

„Er war sehr schnell und laufstark, hatte allerdings wenig Ruhe am Ball“, erinnert sich Gerland. Um das Manko auszugleichen, riet er den Jugendtrainern des FC Bayern, den jungen Berliner im Mittelfeld vor der Abwehr einzusetzen. Von allen Seiten attackiert zu werden, sei etwas anderes, als aufgrund der Schnelligkeit den Ball abzulaufen und zum Torhüter zurückzuspielen, sagt Gerland. Bei Mats Hummels und Badstuber hat der Trick funktioniert, sie wurden zu Nationalspielern. Doch der flinke Kopplin war den Verantwortlichen in der Abwehr zu wertvoll.

Gerland selber konnte daran nur wenig ändern, denn nur ein Jahr nachdem Kopplin in seine Abschlussklasse eingezogen war, übernahm Mehmet Scholl die Mannschaft. Kopplin wollte weg, Gerland vermittelte den Kontakt in seine Geburtsstadt Bochum, wo er selbst als Profi und Trainer tätig gewesen war. Nach zwei Jahren und dem verpassten Bundesligaaufstieg zog es Kopplin weiter in die eigene Heimat. Beim 1. FC Union aber reihte er sich hinter einem ein, den er zuvor bei Bochum verdrängt hatte: Marc Pfertzel. „Er muss etwas falsch gemacht haben“, mutmaßt Gerland.

Tatsächlich hat Kopplin in der Saisonvorbereitung geschludert. „Ich war vom Fitnesszustand nicht so weit, dass ich jedes Training gut absolvieren konnte“, gestand er im September. Vor der Rückkehr nach Bochum heißt das Stichwort für beide nun Ergänzung statt Verdrängung. „Er soll ein bisschen Gas geben“, wünscht sich Gerland. Er hätte dann einen Namen mehr auf der wöchentlich veröffentlichten Notenliste.