Auf dem Weg zur Alten Försterei an einem Heimspieltag ist einiges zu hören. Fazits der letzten Arbeitswoche, Vorfreude auf das Spiel, ab und an ein „Eisern Union“. Doch zwischen all dem „icke“ und „wa“ sind immer häufiger auch englische Wortfetzen zu hören. Wie viele Briten alle zwei Wochen nach Köpenick pendeln, ist allerdings schwer zu sagen. „Ich habe mal gehört, dass es bis zu 500 Briten sein sollen, die bei Heimspielen zu Union gehen“, sagt Andrew Cherrie. Er hält die Zahl allerdings für übertrieben. Der 26-jährige Engländer betreut mit „Union in English“ den englischsprachigen Anlaufpunkt auf Facebook und im Netz.

Für Berlin ist Großbritannien seit längerer Zeit schon der wichtigste Auslandsmarkt mit zuletzt 1,7 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Und das, obwohl die Preise nach der Brexit-Entscheidung für Briten in der Stadt um rund zehn Prozent höher geworden sind. Nach wie vor wird auf der Insel engagiert für Berlin geworben. Attraktiv, sagen die Tourismus-Vermarkter, sei hier der „Teppich der Ereignisse“, der Geist der Stadt.

Cherrie hat eher zufällig mit dem Geist des 1. FC Union Bekanntschaft gemacht. Als seine Freundin 2011 nach Berlin zog, machte er sich mit der S-Bahn auf den Weg von Charlottenburg nach Köpenick. Alle Informationen über Union erhielt er aus dem Online-Lexikon Wikipedia. Die Mannschaft trainierte noch vor der Haupttribüne. Cherrie traf zufällig einen anderen Briten, der  damals noch für Union tätig war: Greenkeeper James Croft. Cherrie kam wieder, erst zum Freundschaftsspiel gegen Bremen, dann zum Ligaspiel gegen Karlsruhe. Seit 2013 besitzt er eine Dauerkarte.

Um ihn herum haben sich einige andere Briten gesammelt, die regelmäßig zu Union gehen. Im Kern, sagt Cherrie, seien es zehn, die sich jedes Spiel ansähen, etwa 20 kämen mindestens einmal im Monat, um die 50 immerhin einmal pro Saison.

Einer von ihnen ist Jon Darch. Das Herz des bekennenden Bristol-City-Fans mit markantem Oberlippenbart, der zwischen Berlin und seiner englischen Heimat pendelt, schlägt seit der Saison 2008/09 mindestens zur Hälfte für Union. „Union ist F-a-m-i-l-i-e. G-e-m-e-i-n-s-c-h-a-f-t“, sagt Jon Darch. Er sagt die Worte langsam und lang gezogen auf Deutsch. Darchs Augen leuchten, seine Stimme bekommt einen weichen Klang, wenn er über Union redet. „Die Alte Försterei war damals noch eine Baustelle. Aber allein wie sich die Fans damals beim Stadionbau eingebracht haben, hat mich begeistert“, sagt er rückblickend. Noch heute bekommt er Gänsehaut, wenn durchs Stadion der Alte-Försterei-Schlachtruf erklingt. Genauso, wenn er sich an den Moment erinnert, als Torsten Mattuschka im Olympiastadion seinen wohl schönsten Freistoß schoss.