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Was der Erfurter Mediziner Andreas Franke den Spitzensportlern tatsächlich versprochen hat, denen er Blut abnahm, das er mit UV-Licht bestrahlte und dann zurück in ihre Venen laufen ließ, ist nicht bekannt. Es sei allein um die Behandlung von Infekten gegangen, beteuert der Sportarzt, nicht um Doping. Wie glaubhaft das ist, und wie straf- und sportrechtlich relevant, damit beschäftigen sich inzwischen sowohl die Staatsanwaltschaft Erfurt als auch ein Gutachter-Gremium der Nationalen Antidopingagentur (Nada). Wieder so ein Skandal, wieder ein paar Athleten und ein umtriebiger Helfer, die in der Hoffnung auf Ruhm und Reichtum die Grenze zur illegalen Leistungsmanipulation überschritten haben. Man kennt das − von Radsportlern und ihrem Eufemiano Fuentes in Spanien, von Leichtathleten und ihrem Victor Conte mit dem Balco-Labor in den USA.

Wie viel Vertrauen hat das Spitzensportsystem verdient?

Allerdings, und das bringt nun auch deutsche Bundestags-Abgeordnete in Rage, geht es in der Erfurter Affäre möglicherweise um mit Steuergeldern finanziertes Doping. Um staatlich geförderten Betrug. Um etwas, das man längst überwunden glaubte. Daher sind Franke und seine Behandlungs-Methode heute Thema im Sportausschuss des Bundestages. Es geht um die Sache im Detail. Aber es geht auch um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Um die Frage, wie viel Vertrauen das deutsche Spitzensportsystem noch verdient hat, wie glaubwürdig Athleten als Vorbilder sind.
Sie habe sich für diese nicht öffentliche Sitzung „viele Fragezeichen notiert“, sagt Dagmar Freitag (SPD), die Vorsitzende des Sportausschusses. So wolle sie etwa herausfinden, ob man am Olympiastützpunkt (OSP) Thüringen, für den der umstrittene Mediziner arbeitete und von dem er bezahlt wurde, hätte wissen können oder gar müssen, dass „der Herr Franke eine verbotene Methode anwendet“.

Zudem habe man jetzt natürlich Sorge, „dass etwas Vergleichbares auch an anderen Olympiastützpunkten stattgefunden hat“, sagt Freitag. Die SPD fordert daher in einem Antrag an die Bundesregierung unter anderem, sich konsequent dafür einzusetzen, „dass alle Sportlerinnen und Sportler, die an Strukturelementen des Stützpunktsystems trainieren, frei von jeglichem Dopingverdacht sind und bei den Olympischen Spielen in London für Deutschland ausschließlich Athletinnen und Athleten starten, die zweifelsfrei keine verbotenen Blutmanipulationen vorgenommen haben“.