Geschäftsführer Bob Hanning ringt um die Zukunft seiner Füchse Berlin in der Handball-Bundesliga.
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BerlinBob Hanning hat als Geschäftsführer die Füchse Berlin zu einer starken Marke in der Handball-Bundesliga entwickelt. Doch die Liga steckt wegen der Corona-Pandemie in einer Krise. In Kürze wird über einen möglichen Abbruch der Saison entschieden. Hanning, 52, sagt, er durchleide derzeit die schwerste Phase seiner 16 Jahre bei den Füchsen.

Herr Hanning, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihnen?

Soweit geht es mir gut.

Und gehe ich recht in der Annahme, dass die vergangenen Tage für Sie aufgrund der Coronakrise besonders stressig waren?

Das ist richtig. Bei mir ist es nicht Kurzarbeit, sondern Langzeitarbeit. Wir versuchen gerade alles, damit es mit den Füchsen weitergeht.

Wie sehen Sie denn der Zukunft ihres Vereins entgegen?

Generell bin ich zufrieden. Wir müssen jetzt schauen, dass wir uns finanziell bis zum 30. Juni absichern und das dann genauso für die nächste Saison schaffen. Das Wichtigste ist, dass man einen Plan und Ziele hat und diese mit einer gewissen Ruhe verfolgt. Es hilft nichts, in Hektik zu verfallen. Aber ich muss zugeben: Das ist in den 16 Jahren, in denen ich diesen Verein führe, die schwerste Phase, die ich je erlebt habe.

Zuletzt sprachen Sie von den vier Säulen Fans, Staat, Spieler und Sponsoren auf denen die weitere Entwicklung der Füchse aufbaut. Wie ist diesbezüglich das Feedback?

Bisher konnten wir uns auf diese Unterstützung verlassen. Bis jetzt hat noch kein Fan sein Geld zurückgefordert. Andererseits haben nicht alle die Option der automatischen Verlängerung der Dauerkarten gezogen. Doch das kann ich verstehen. Bei den Sponsoren verhält es sich ähnlich. Wir haben sie erst einmal drei Wochen in Ruhe gelassen, damit sie sich um ihre eigenen Herausforderungen kümmern konnten. Auch für viele von ihnen ist es aktuell eine sehr schwierige Situation. Trotzdem haben wir auch in diesem Bereich treue Unterstützer.

Wie groß ist Ihre Angst, dass die wirtschaftliche Krise einzelne Handballvereine treffen wird?

Diese Angst ist natürlich da. Wenn man sich anschaut, dass im Volleyball schon die ersten Insolvenzen angemeldet wurden, ist es schwer davon auszugehen, dass der Handball komplett verschont bleibt. Wir als Füchse haben glücklicherweise gut gewirtschaftet und in den ganzen Jahren nie rote Zahlen geschrieben.

Wurde denn die Kurzarbeit der Füchse vom Staat genehmigt?

Ja. Allerdings zahlt der Staat nur 60 Prozent vom durchschnittlichen Einkommen gedeckelt von der Beitragsbemessungsgrenze. Und auch wenn die Spieler auf Teile ihres Gehaltes verzichten, heißt das noch nicht, dass wir keine hohen Kosten mehr haben.

Mit Einnahmen durch Ticketverkäufe ist momentan hingegen nicht zu rechnen.

Nein und ich rechne nicht damit, dass die Liga weitergespielt wird, auch wenn ich es gerne sehen würde.

Im Falle eines Abbruchs werden derzeit unterschiedliche Szenarien diskutiert. Welches wäre Ihnen am liebsten?

Präferieren würde ich keines. Allerdings gehe ich davon aus, dass man sich auf die Quotienten-Regelung einigen wird.

Nach diesem sogenannten norwegischen Modell würden die Füchse ihren Startplatz für den Europapokal verpassen.

Ja, leider. Wenn man so will, habe ich in diesem Jahr alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Wir haben Kristopans und Munoz geholt und dann habe ich noch den Trainer gewechselt. Jetzt haben wir zu viele Spieler und die, die wir abgeben wollten, will gerade niemand haben. Doch das lässt sich nicht ändern und man muss versuchen, die einzelnen Probleme jetzt in Ruhe anzugehen.

Wo nehmen Sie die Kraft dafür her?

Mich treibt das alles genauso um, und ich wache nachts darüber auf. Aber wir wollen da gemeinsam durch. Ich bin glücklich, dass mich hierbei Menschen unterstützen und mir die Kraft geben, das alles auszuhalten. So kann ich sagen: Ich kann Krise. Das ist ein Vorteil. Doch ich bewege mich jeden Tag außerhalb der Komfortzone. Die Füchse sind mein Kind und da kämpfe ich mit allem, was ich habe, damit wir am Leben bleiben. Was mich motiviert ist, dass wir die beste Jugend in Deutschland haben und dass viele von diesen Spielern weiter bei uns sind. Diese Jungs haben ihre Motivation durch Identifikation und das macht mich stolz. Der Kontakt zu den Spielern hilft natürlich genauso.

Wie gehen denn Ihre Spieler mit der aktuellen Situation um?

Für die ist es auch nicht einfach. Roth (Michael, der Trainer, d. R.) ist aktuell noch in Hamburg und der Großteil der Jungs arbeitet individuell zu Hause für sich. Außerdem gibt es Trainings in Kleingruppen bei uns auf dem Gelände – das ist möglich, weil ich die Kurzarbeit auf 20 Prozent angemeldet habe. Ansonsten geht jeder ganz unterschiedlich damit um und macht sich seine Sorgen. Gestern haben wir mal eine gemeinsame Telefonkonferenz gehabt. Es geht allen soweit gut.

Eine Frage zum Abschluss: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben werden?

Ich freue mich jetzt schon auf einen Besuch bei Tim Raue. Momentan kann man da schon Essen bestellen, aber aus der Pappverpackung schmeckt es eben doch nicht so gut wie mit Freunden. Glücklicherweise hat mein Lieblingsitaliener Paparazzi im Friedrichshain neu geöffnet, da bestelle ich mir einmal die Woche etwas. Trotzdem ist das etwas anderes als ein gutes Essen mit einem Glas Wein in guter Gesellschaft.