Will nicht überlegen, was nicht geht, sondern was geht: Bob Hanning.
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BerlinDer internationale Spielbetrieb ist entschlackt worden, die Handball-Bundesliga erhält damit mehr Spielraum für den Neustart. Im Kampf gegen die Coronakrise ist das aber noch lange nicht genug, es geht weiterhin um die Existenz der Klubs. „Im Moment löschen wir die Feuer mit heißem Fett, das ist nicht durchführbar“, sagt Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin. Die Zwangspause durch die Pandemie bleibe „eine ganz große Gefahr für unseren Sport. Da wird uns die Zeit öfter überholen als uns lieb ist“, so der 52-Jährige. 

Zumindest Grundlagen wurden in den vergangenen Tagen geschaffen. Durch die Absage der WM-Qualifikation und die Verlegung der Olympia-Qualifikation in den März 2021 sowie das Streichen der Achtel- und Viertelfinals der Champions League und des kompletten EHF-Cups erhält die Bundesliga (HBL) immerhin Platz für die wacklige Planung für die kommende Saison. Doch momentan lebe die Liga „nur von dem, was wir zur Seite gelegt haben“, mahnte HBL-Boss Frank Bohmann: „Die Klubs müssen weiter eine große Priorität bekommen.“

Bohmann hofft nach dem historischen Saisonabbruch inklusive eines finanziellen Schadens von rund 25 Millionen Euro unverändert, die Spielzeit 2020/21 mit 20 statt 18 Teams am 1. September beginnen zu können. Was aber, wenn das nicht klappt? „Dann müssen kreative Lösungen her“, sagte Bohmann. Bob Hanning will dabei „komplett neu denken. Wir müssen Wege finden, dass wir Belastung nach unten drehen. Nicht fragen, was nicht geht, immer überlegen, was geht.“

Der polarisierende Füchse-Chef und Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB) bringt für eine geringere Belastung auch eine Verkürzung der Spieldauer ins Gespräch. „Es gibt nichts, worüber nicht nachgedacht werden kann. Drei Drittel á 15 Minuten – du musst kreativ sein. Einfach denken wird nicht helfen“, sagte Hanning. Sein Klub muss durch die Absage des EHF-Cups, dessen Finalturnier im August in Berlin hätte stattfinden sollen, selbst große finanzielle Einbußen verkraften.

Derzeit stehen primär mehr Doppelspieltage im Mittelpunkt der Überlegungen – natürlich unter der Voraussetzung, dass ein Spielbetrieb vonseiten der Politik überhaupt wieder möglich ist. Dabei könnte die Liga abgesehen von wenigen Terminen, unter anderem der EM-Qualifikation und der WM 2021 in Ägypten, ihren Spielplan relativ frei gestalten. Um noch mehr Spielraum zu schaffen, steht aber auch die „Mega-WM“ im Januar, für welche die deutsche Nationalmannschaft eines der 32 Tickets vorzeitig löste, im Zentrum der Diskussionen. Eine Verschiebung dürfte sich angesichts des Olympia-Termins im Sommer 2021 höchst schwierig gestalten.