Bobby Wood: „Mein Bauchgefühl war, dass Union für mich das Beste ist"

Bad Kleinkirchheim - War es Diebstahl oder eine Vorsichtsmaßnahme? Der Wimpel des TSV 1860, der neben dem Kamin hing, ist plötzlich verschwunden. Hannover 96, Rapid Wien, Hajduk Split, Sparta Prag, alles noch an der Wand. Nur das blauweiße Andenken an den Aufenthalt der Münchner nicht. Hat Bobby Wood das Fähnchen nach der Ankunft aus Wut über seinen ehemaligen Arbeitgeber entfernt oder waren es die Hotelbesitzer, aus Angst, dass der athletische Stürmer die Lobby zerlegt, wenn die unguten Erinnerungen geweckt werden? Beides würde zum Bild passen, das eine schnelle Internetsuche von Unions neuem Stürmer zeichnet: Disziplinlosigkeit, Suspendierung, wortloser Abschied nach acht Jahren.

Und dann? Kommt ein fröhlicher Dinosaurier in Badelatschen. Ein Satz in amerikanisch-weichgespültem Deutsch reicht, damit das Bild vom skandalträchtigen Fußballegomanen birst: „Barney war meine Lieblingskinderserie“, sagt Wood, „er ist ein Dinosaurier, der singt einfach.“ Da sitzt der Fußballer nun, von dem sich der Trainer so viel erhofft, in Shorts und mit nackten Füßen. Den Titelsong der Kinderserie hat er zum Einstand auf dem Mannschaftsabend in Bad Kleinkirchheim gesungen. „Das war super, ich war überrascht, wie gut die Mannschaft zusammenhält“, erzählt er am Tag danach.

Das Lächeln des gebürtigen Hawaiianers überstrahlt die dunkle Vorgeschichte. Zusammenhalt fand er zuletzt nur im Kinder-TV, wo der lila Plüschsaurier Wissenswertes lehrt. Beim TSV 1860 hingegen bekriegten sich Investor und Präsidium, Manager und Trainer, Ersatzspieler und Stammelf. Den Machtkämpfen der Erwachsenenwelt fiel im vorigen Herbst auch Wood zum Opfer. Er soll sich respektlos gegenüber dem Trainer-Assistenten geäußert haben und wurde vom Profitraining ausgeschlossen. Er wurde in der Rückrunde an Aue verliehen, nun wollte er endgültig weg.

Den Münchnern hat er zum Abschied noch einen Strich durch die Rechnung gemacht, da er sich keinem solventen Bundesligisten anschloss sondern Union. Ausschlaggebend seien die Gespräche mit Trainer Norbert Düwel gewesen, sagt er: „Mein Bauchgefühl war, dass Union für mich das Beste ist.“ Über die Ablösesumme – der Vertrag in München lief bis 2016 – wurde Stillschweigen vereinbart. Doch ist er wahrscheinlich der teuerste Einkauf der Klubgeschichte, die Rede ist von 800 000 Euro. Die Erwartungen an den 22-Jährigen sind etwa so groß, wie das Versprechen von Barney, von dem es im Titellied heißt, er sei eine Dinosauriersensation. „Mein Job ist es, dass ich Tore schießen muss“, so Wood.

Seit 2007 wurde er von den Münchner Löwen ausgebildet und debütierte im Januar 2011 in der Zweiten Liga. Die 49 Einsätze, die in vier Jahren folgten, entsprachen nicht seinem Anspruch. Erst in Aue bekam er eine Spielgarantie. „Ich habe dort meinen Rhythmus gefunden und möchte jetzt weiterspielen“, sagt der US-Amerikaner.

US-Nationalcoach Jürgen Klinsmann hat ebenfalls Interesse daran bekundet, dass der Angreifer einen Stammplatz bekommt, und verzichtet deshalb derzeit beim Gold Cup auf den Mann, der ihm im Juni Siege gegen Deutschland und die Niederlande bescherte. „Jürgen wollte, dass ich meine Vereinssituation in Ruhe kläre“, sagt Wood.

Noch ist der konditionelle Rückstand zu groß für das volle Arbeitspensum. Dienstagmorgen musste der Neue nach einer Stunde alleine im Kreis joggen. Er war erst nach den Länderspielen am 11. Juni in den Urlaub gegangen und nahm das Training in München spät auf, mit arg gebremster Motivation. Das soll sich jetzt schnell ändern. „Barney kann auch dein Freund sein“, hat Wood auf dem Teamabend gesungen, „wenn du an ihn glaubst.“ Solange Düwel ihn spielen lässt, ist also alles in Plüsch.