Böse Abreibung in Leipzig: Hertha BSC geht auswärts mit 0:5 unter

Leipzig - Yussuf Poulsen. Wenn die Hertha-Abwehr diesen Namen noch am späten Abend hören wird, wird sie sicherlich zusammenzucken. Der Däne traf am Sonnabend gleich drei Mal und schoss Hertha BSC im Auswärtsspiel bei RB Leipzig quasi im Alleingang ab. 0:5 (0:2) stand es am Ende aus Berliner Sicht.

Trainer Pal Dardai sagte nach Abpfiff zerknirscht am Sky-Mikrofon: „Das war gefühlt die schwerste Niederlage in meiner Karriere als Trainer. Das war heute ganz schlecht. Offensiv, defensiv, man konnte unseren Spielplan überhaupt nicht erkennen."

Poulsen entschied die Partie mit einem Dreierpack  (27./56./62.). Die weiteren Tore erzielten Emil Forsberg (17.) und Winterneuzugang Amadou Haidara (64.). Durch den ersten Heimsieg in der Bundesliga im Jahr 2019 schraubten die Leipziger ihr Punktekonto auf 52 Punkte und festigten den dritten Tabellenplatz. Hertha kassierte bereits die dritte Niederlage in Folge und kann seine Hoffnungen auf die Teilnahme an der Europa League wohl endgültig begraben.

Hertha hat überhaupt keinen Zugriff

Hatte RB in der laufenden Saison vor allem stark auf die Defensive gesetzt und mit Abstand die wenigsten Gegentreffer in der Liga kassiert, forderte Rangnick gegen Berlin wieder den alten Offensivwirbel. Forsberg, Poulsen und auch der zuletzt in der Nationalmannschaft blasse Timo Werner brannten ein Feuerwerk ab und ließen die überforderten Berliner kaum Luft holen. 

Gefüttert wurde das Trio mit guten Bällen von Kevin Kampl. Seine Flanke in den Strafraum schnappte sich Forsberg in der 17. Minute und drosch den Ball an Herthas Keeper Rune Jarstein vorbei zum 1:0 ins Netz. Zu dem Zeitpunkt hätte es auch schon 2:0 oder 3:0 stehen können, so dominant waren die Gastgeber.

Hertha wusste mit dem Druck nicht umzugehen. Fabian Lustenberger, der für den verletzten Jordan Torunarigha (Knöchelverletzung) in die Abwehrkette rückte, patzte gegen den wie wild anlaufenden Poulsen. Werner zog mit dem Ball aufs Tor zu, passte wiederum auf Poulsen, und der Däne machte sein 13. Saisontor.

Nach dem Wechsel war es vor allem wieder Werner, der im gegnerischen Strafraum auf den Ball ging, um selbst auch noch zum Abschluss zu kommen. Dabei wirkte der Schwabe, dessen Zukunft weiter ungewiss ist, manchmal etwas übermotiviert. In der 48. Minute jagte Werner den Ball auf Tribüne, nachdem ihn Forsberg mustergültig mit der Hacke bedient hatte.

Kurz drauf legte Forsberg erneut Poulsen auf, und der Däne bedankte sich mit seinem zweiten Tor. Doch damit noch nicht genug. Nach einem langen Pass von Tyler Adams lupfte Poulsen in der 62. Minute den Ball aus vollem Lauf in bester Zlatan-Ibrahimovic-Manier über Herthas Keeper Jarstein ins Tor. Neuzugang Haidara stellte kurz danach auf 5:0. Als Rangnick Poulsen vorzeitig vom Feld holte (70.), gab ohrenbetäubenden Applaus in der Arena aus.  

Dardai sah das Unheil irgendwie kommen und sagte abschließend: „Die Stimmung war in der ganzen Woche über nicht in Ordnung. Vielleicht denken die Spieler, das nach oben und unten nichts mehr geht. Das ist eine verdiente Klatsche. Wenn es hier 0:8 ausgeht, dann dürfen wir nichts sagen. Wir müssen jetzt gegen Düsseldorf eine Reaktion zeigen." (mit sid)