Berlin - Die Waage kommt. Albas Athletiktrainer Pepe Silva Moreno bringt sie in die Halle und stellt sie aufs Parkett. Direkt vor die Füße von Bogdan Radosavljevic.

Ein Mal pro Woche werden die Berliner Basketballer nach Kilogramm maßgenommen, meist montags, jetzt während der Woche: ein Moment der Wahrheit. Radosavljevic steigt auf die Waage, blickt an sich herab auf die Anzeige, steigt wieder runter, wechselt ein paar Worte mit Moreno, setzt sich schließlich am Rand der Trainingshalle auf eine Turnbank.

Alles in Ordnung? „Alles okay“, sagt Radosavljevic. Das Spiel gegen Frankfurt an diesem Sonnabend(18 Uhr, Arena am Ostbahnhof) kann kommen, soll das wohl heißen.

Ein Prozess, der schwierig ist

Mit 105 Kilogramm führt die Bundesliga (BBL) den 2,13 Meter großen Center. Das Gewicht, das er in seiner Mannschaft hat, wird sich in den kommenden Partien der noch jungen Saison zeigen.

Der 23-Jährige ist einer von acht Spielern, die neu zu den Berlinern stießen sind. Er kam von den Tigers Tübingen und steht nun für das Potenzial, dass Alba unter dem Korb hat. Er steht aber auch für den Prozess, dieses Potenzial nutzbar zu machen. Ein Prozess, der schwierig ist.

„Besser jetzt als später in den Playoffs“, sagt Radosavljevic, der bei der 94:98-Niederlage am vergangenen Montag gegen Ulm in gewisser Weise entschuldigt war.

Eine Woche lang hatte ihn ein Infekt aus dem Verkehr gezogen. „Verdacht auf Lungenentzündung“, sagt Radosavljevic: „Hat sich zum Glück nicht bestätigt, doch wenn man sechs Tage im Bett liegen und gar nichts machen kann, bringt das einen aus dem Tritt.“ Und mit dem einzelnen Spieler auch die Mannschaft.

„Verteidigung verlangt viel Engagement“

An Albas Defensive wird der schwierige Prozess erkennbar. „Viele Details haben viel ausgemacht“, sagt Radosavljevic. Am deutlichsten zeigte sich das gegen Ulm am Reboundverhalten.

Rebounds, meint der Center, sind eine Frage der Routine. „Es gibt Spieler, die wissen von sich aus, wo sie stehen müssen, damit der Ball bei ihnen landet. Andere müssen das lernen.“

So wie sie noch lernen müssen, Mitspielern zur Hilfe zu kommen, wenn die überlaufen werden. Eine Frage der richtigen Zuordnung ist das, aber auch der Aggressivität. „Verteidigung“, sagt Radosavljevic, „verlangt viel Engagement.“

Gaffney und Carter wiederum „geben uns Energie“

Mit der Energie, meint auch Elmedin Kikanovic, kommen die Sicherheit in der Abwehr und die Automatismen im Angriff. Da ist sich Center ganz sicher: „Wir haben viel Qualität auf den Positionen vier und fünf.“

Bei Power Forwards und Centern. Alba kann variieren in der Offensive, was, wenn es klappt, schon jetzt unterhaltsam anzuschauen ist. Radosavljevic, sagt Kikanovic „ist unser richtiger Big Man. Er gibt uns mit sehr viel Präsenz unter dem Korb.“

Tony Gaffney und Paul Carter wiederum „geben uns Energie“. Und mit ihm selbst, sagt Kikanovic und muss über das versteckte Eigenlob lachen: „kommt ein bisschen Speed dazu.“

Ein Spiel lesen

Kikanovic führt nach drei Spieltagen die Statistik der Center in der BBL an. Auch wenn er zuletzt gegen Ulm wie alle anderen im Team unter seinen Möglichkeiten blieb, wie er einräumt, so hat er doch in den ersten beiden Partien gegen Bonn und Jena die Offensive der Berliner getragen mit 24 und 23 Punkten.

Von der Erfahrung des 28 Jahre alten Bosniers profitiert auch Radosavljevic. „Ich schau mir Details ab, sagt der fünf Jahre jüngere Center: „Wie man sich bewegt, von welcher Seite man einen Block stellt. Wie man ein Spiel liest.“ Wie man Situationen vorhersieht und zur Stelle ist, wenn es darauf ankommt. Dinge also, an denen sie bei Alba intensiv arbeiten.

„Die Teamchemie stimmt“

Am Dienstag, sagt Radosavljevic, haben sie sich dem Problem mit den Rebounds gewidmet, haben geübt, wie sie als Team an Abpraller kommen, wie sie ihren Köper zum Gegenspieler in Position zu bringen, damit der Ball bei ihnen landet.

„Box out“, sagt Trainer Ahmet Caki: „Ich lege auf bestimmte Dinge im Moment derzeit mehr Wert als auf andere.“ Sie richteten sich zur Zeit nicht so sehr am Gegner aus.

Sie denken an sich selbst. Als Kollektiv, nicht individuell. „Eigentlich gibt es in jeder Mannschaft ein, zwei Spieler, die ihr eigenes Ding machen“, sagt Radosavljevic, „die gibt es bei uns nicht.“ Er sagt: „Die Teamchemie stimmt. Dass das sofort klappt, ist nicht normal.“ Aber beruhigend zu wissen, ist es schon. Nicht nur für Albas neuen Center.