Borussia Dortmund : Harte Landung nach verlorener Leichtigkeit

Dortmund - Es ist ein merkwürdig ambivalentes Gefühl, das die Fußballmannschaft von Borussia Dortmund während der Länderspielpause umgab. Einerseits schloss die Mannschaft die erste Saisonphase mit zwei Siegen in der Bundesliga ab und kletterte auf den sechsten Platz, dessen Erreichen das erklärte Saisonziel ist.

„13 Punkte sind kein Traum, aber okay, auch in der letzten Saison war nicht jedes Spiel überragend“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, aber die Sorgen der sportlichen Leitung sind durchaus spürbar.

Denn die heterogene Mischung der Probleme lässt sich nur schwer greifen. Regelmäßig leistet die Mannschaft sich individuelle Fehler in der Defensive, mal reicht die Konzentration nicht für 90 Minuten, mal werden die Chancen nicht verwertet, mal schwächelt der eine, dann ein anderer. Die einzige große Konstante dieses ersten Saisonviertels ist die verlorene Leichtigkeit.

Großkreutz in der Krise

Und darunter leiden einige Spieler ganz besonders. Kevin Großkreutz zum Beispiel, der sich in der Begeisterung seines sagenhaften Aufstiegs vom Fan auf der Südtribüne zum Star der Meisterelf, bis in die Nationalmannschaft hineinspielte. Derzeit ist er nicht wiederzuerkennen. Oder Marcel Schmelzer, der vor wenigen Wochen noch als aussichtsreicher Kandidat für den Platz links in der Viererkette der DFB-Elf galt, nun wurde Philipp Lahm dorthin beordert, Schmelzers Perspektive ist bescheiden, außerdem leidet er permanent unter Verletzungen.

Oder Shinji Kagawa, der nach „überragender Vorbereitung“ (Trainer Jürgen Klopp), keine Bindung mehr zum Spiel findet, Neven Subotic reiht einen folgenschweren Fehler an den nächsten, saß zuletzt gegen Augsburg nur auf der Bank, und Klopps Behauptung, das sei eine von den Leistungen unabhängige Folge seiner Rotation, darf getrost in Frage gestellt werden.

Es ist ein altes Phänomen, dass Fußballer als Teil einer reibungslos funktionierenden Mannschaft über sich hinauswachsen. Die Hoffenheimer Andreas Beck, Tobias Weis und Marvin Compper sind solche Fälle, sie wurden in jenem verrückten Halbjahr, das die Badener mit der Herbstmeisterschaft abschlossen, zu Nationalspielern, nach dem Rausch wurde sichtbar, dass die drei kaum mehr als solide Bundesligaprofis sind.

Die Stuttgarter Serdar Tasci und Andreas Hinkel blicken auf ähnliche Entwicklungen zurück, ebenso der Bochumer Paul Freier oder Marcel Schäfer und Christian Gentner, die nach Wolfsburgs Meistersaison zu Nationalspielern wurden. Sie alle waren nie wieder so gut, wie in jenem einen magischen Jahr, als ihre Klubmannschaften einfach rollten. Warum sollte es den Dortmundern anders gehen?

Nuri Sahin fehlt

Die große Ausnahme ist wahrscheinlich Mario Götze, dessen außergewöhnliche Fähigkeiten auch sichtbar sind, wenn das Team um ihn herum nicht rund läuft. Aber selbst die Rolle dieser 19-jährigen Augenweide wirft Schatten auf die Dortmunder Gegenwart. Götze absorbiert derzeit praktisch alle Positivschlagzeilen, alle paar Tage steht irgendwo, wie viele Millionen Euro irgendwer für das Talent bezahlen möchte.

Nicht zuletzt leidet das Team unter dem Verlust von Nuri Sahin. Nachfolger Ilkay Gündogan wurde zwar gerade zum Nationalspieler, versucht aber bislang vergeblich, das Spiel der Mannschaft ähnlich fundiert zu lenken, wie der zu Real Madrid gewechselte Strategiechef des Vorjahres.

„Die Entwicklung ist schwer, wenn es im Team noch nicht hundertprozentig flutscht“, sagt Klopp zu Gündogan, die Probleme sind also vielfältig miteinander verknüpft, was ihre Lösung so schwer macht.

Dem Kicker erklärte Klopp dennoch während der Länderspielpause, dass er „eine gute Basis für den Rest der Saison“ sehe, aus dieser Ausgangslage könne „richtig was wachsen“, und in der Tat gibt es auch gute Momente und Phasen in den Spielen des Meisters. Aber irgendwie wäre es erstaunlich, wenn dieser Mannschaft eine schnelle Rückkehr zu ihrem wunderbaren Spielrhythmus des Vorjahres gelänge. Denn eigentlich sind solche Überfliegerteams nach einem Jahr des Rausches fast immer hart gelandet. Die letzte Ausnahme war die legendäre Mönchengladbacher Fohlen-Elf der Siebzigerjahre.