Dortmund - Mario Götze streifte die Kapitänsbinde vom Arm und trabte durchnässt, aber zufrieden zur Seitenlinie. Im verregneten letzten Testspiel des Trainingslagers hatte der WM-Siegtorschütze Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund als Kapitän auf den Platz geführt und erstmals seit seinem Comeback mehr als eine Halbzeit gespielt.

Der 25-Jährige blüht nach dem Ende seiner Leidenszeit unter dem neuen BVB-Coach Peter Bosz auf und zählt beim DFB-Pokalsieger zu den Gewinnern einer Vorbereitung, die ansonsten bislang nicht reibungslos verläuft. 62 Minuten sprintete, dribbelte und dirigierte der von einer Stoffwechselstörung rund ein halbes Jahr außer Gefecht gesetzte Götze bis zu seiner Auswechslung bei der 0:1-Niederlage gegen den italienischen Europa-League-Starter Atalanta Bergamo in der Offensive.

Große Anlaufschwierigkeiten und Peter Bosz

Die dritte Pleite im sechsten Testspiel konnte Götze alleine aber nicht verhindern. Auch wenn Bosz gegen die Italiener einer B-Elf das Vertrauen schenkte - die Anlaufschwierigkeiten unter der Leitung des Niederländers waren auch am Dienstagabend zu erkennen.

Die Automatismen fehlen, die System-Umstellungen nach zwei Jahren unter Trainer Thomas Tuchel verlaufen (noch) schleppend. „Es war wichtig, dass einige Spieler mal 90 Minuten durchgespielt haben, und auch, dass Mario 60 Minuten und damit mehr als bisher gespielt hat“, sagte Bosz, der die Fehler im Spiel seiner Mannschaft dennoch nicht beschönigte: „Das war nicht immer gut, das muss man ehrlich sagen.“ BVB-Debütant Maximilian Philipp ergänzte: „Wir haben es nicht gut gemacht, sind in einige Konter gelaufen und haben nicht unser gesamtes Potenzial abgerufen.“

Peter Bosz bevorzugt offensives Pressing

Bosz bevorzugt das typisch niederländische 4-3-3-System, seine Vorstellung von offensivem Pressing, mit dem er mit Ajax Amsterdam in der Vorsaison das Finale der Europa League erreichte, ähnelt der Spielweise von Ex-Coach Jürgen Klopp. Für die Umsetzung seiner Philosophie setzt Bosz auf viele Gespräche, er lädt das Team zu regelmäßigen Videositzungen und baut auch auf den Faktor Zeit.

„Wir haben im Trainingslager gut gearbeitet, viel geredet und ich habe die Möglichkeit gehabt, die Spieler besser kennenzulernen“, sagte Bosz.

Inwieweit seine Mannschaft die taktischen Feinheiten schon verinnerlicht hat, kann der Coach bereits am Samstag beobachten. Im ersten Pflichtspiel der neuen Saison empfängt Dortmund Meister Bayern München zum Supercup im Signal Iduna Park (20.30 Uhr/ZDF). „Das ist ein wichtiges Spiel, denn wir können einen Titel gewinnen. Ich versuche die Mannschaft aufzustellen, die in diesem Moment die beste ist“, sagte Bosz. (sid)