Berlin - Vier Pflichtspiel-Siege in Serie, Erling Haaland in Topform und den Bayern auf den Fersen – eigentlich könnte Borussia Dortmunds neuer Coach Marco Rose nach dem gelungenen Saisonstart die kommenden Aufgaben ganz entspannt angehen. Wären da nicht die bisweilen sorglose Defensivarbeit des Bundesligadritten und Roses bevorstehender schwieriger Gang am kommenden Wochenende. „Was soll ich sagen? Schauen wir mal, wie es wird“, sagte der 45-Jährige nach dem 4:2 gegen Union Berlin im Hinblick auf den nächsten Gegner. Am Sonnabend (18.30 Uhr) müssen der BVB und sein Trainer bei dessen Ex-Klub Borussia Mönchengladbach ran. Die Formkurve spricht klar für die westfälische Borussia, doch Rose scheint verständlicherweise etwas mulmig zumute zu sein: „Natürlich steckt da eine gewisse Brisanz drin.“

Im Sommer war Rose nach nur zwei Jahren am Niederrhein per Ausstiegsklausel zum dort ungeliebten BVB weitergezogen. Die Fans nahmen ihm besonders übel, dass er stets erklärt hatte, in Gladbach langfristig etwas aufbauen zu wollen. Titelträume reiften, in der Champions League gab es begeisternde Auftritte. In der vergangenen Saison folgte dann der sportliche Absturz, vor allem nach seiner Ankündigung im zeitigen Frühjahr, nach Dortmund zu wechseln. Wegen der Coronavirus-Pandemie können die Fans dem zur Persona non grata erklärten Rose nun erstmals wieder im Stadion ihren Unmut zeigen.

Der versuchte schon zuvor, mit schmeichelnden Worten Druck vom Kessel zu nehmen. „Ich freue mich darauf, Leute wiederzusehen, die ich über zwei Jahre schätzen gelernt habe“, sagte Rose, der trotz der virtuellen Anfeindungen in den vergangenen Monaten „nichts Unangenehmes“ über seinen Ex-Klub sagen könne. „Das ist ein ganz toller Verein mit ganz tollen Menschen. Es wird da ganz hervorragende Arbeit gemacht. Rainer Bonhof, Hans Meyer, Max Eberl – das sind alles Menschen, auf die ich mich sehr freue.“

Auf Mönchengladbacher Seite hat Nationalspieler Jonas Hofmann vor dem Wiedersehen mit Marco Rose schon einmal vorsorglich für einen fairen Umgang der Fans mit dem Ex-Coach geworben. „Ich finde, Marco Rose hat keine Pfiffe verdient. Er ist ein super Mensch und hat mit Gladbach Vereinsgeschichte geschrieben und erstmals die K.-o.-Runde der Champions League erreicht“, sagte Hofmann in einem Bild-Interview. Hofmann bekannte indes auch, dass die Gladbacher Profis am Sonnabend besonders motiviert seien. „Absolut! Es ist immer etwas Besonderes, gegen den Ex-Trainer oder den Ex-Verein zu spielen“, sagte der 29-Jährige.

Dass die Dortmunder auch unter Marco Rose die bereits über zwei Jahre andauernden Abwehrprobleme noch nicht in den Griff bekommen haben und in dieser Saison in fünf Spielen nicht einmal zu null gespielt haben, dürften die zudem die sportlichen Chancen der Mönchengladbacher erhöhen.