Der anstehende 23-Millionen-Dollar-Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Alexander Powetkin beschäftigt die geschwätzige Profiboxszene seit Wochen. Parallel beschäftigt er auch die Anwälte von Klitschkos Managementfirma K2 und Powetkins Berliner Promoter Sauerland. Seitenlange Vertragsentwürfe hat der russische Veranstalter Wlad Hrunow, der den Kampf ersteigert hat, an beide Parteien verschickt. Die Passage über die Dopingkontrollen könnte das Spektakel, das im Oktober in Moskau stattfinden soll, platzen lassen.

Während Hrunow die russische Antidoping-Agentur (Rusada) mit den Wettkampfkontrollen beauftragen wollte, besteht Klitschkos Management darauf, dass die deutsche Antidoping-Agentur (Nada) die Proben nimmt und sie im zertifizierten Kölner Labor analysiert. „Wenn wir nicht mit dem besten Institut weltweit arbeiten, haben wir kein Vertrauen. Da ist dem Betrug Tür und Tor geöffnet“, sagt Klitschko-Manager Bernd Bönte. Er will zudem, dass der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) als Veranstalter involviert ist. „Wenn Hrunow darauf nicht eingeht, verzichten wir auf die Millionensumme. Denn für uns gibt es mehr zu verlieren als Geld“, stellt Bönte klar.

Sauerlands Geschäftsführer Christian Meyer fragt unterdessen: „Wieso ist die russische Nada nicht gut genug für Herrn Klitschko? Das ist doch die Agentur, die nächstes Jahr die Dopingkontrollen bei den Winterspielen verantwortet.“

Anders als bei den olympischen Sportverbänden, die sich alle den Regeln der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) unterwerfen müssen, gibt es bei den zahlreichen Profiboxverbänden zahlreiche Interpretationen der Antidoping-Bestimmungen. Erst kürzlich berichtete Linda Torres, die Juristin der Internationalen Boxing Federation (IBF), bei der Jahrestagung der Box-Weltverbandes in einem Berliner Hotelsaal am Kurfürstendamm stolz: „Die IBF wird sich bei den Doping-Tests dem Wada-Standard unterwerfen.“ Sie schaute kurz über ihren Brillenrand ins Auditorium und sagte: „Wir hatten da ja in der Vergangenheit einigen Ärger.“

Harmonisierung der Regeln

Sie meinte Sam Soliman, den letzten Gegner von Felix Sturm. Der Australier war nach seinem erfolgreichen WM-Kampf am 1. Februar in Düsseldorf positiv auf das Stimulansmittel Methylsynephrin getestet worden. Der BDB, der als lokaler Veranstalter auftrat, sperrte Soliman für acht Monate. Seither seien Millionen von Anwaltsmails in ihrem Büro eingegangen, sagt Linda Torres genervt. Methylsynephrin sei nicht explizit auf der Verbotsliste der IBF aufgeführt, argumentierten Solimans Juristen. „Wir haben sehr veraltete Dopingregeln“, gibt Torres zu.

Keiner der vier großen Profibox-Weltverbände hat sich bisher dem Wada-Code unterworfen. „Bisher hatten wir den Schritt nicht gewagt, weil wir Angst hatten, es würde die Zahl unserer Kämpfe verringern“, sagt Torres. Aber jetzt soll Transparenz in der IBF einkehren, die ihren Sitz in Springfield, New Jersey, hat. „Wenn wir uns den Wada-Bestimmungen anschließen, machen das andere Weltverbände wie die WBA vielleicht auch“, hofft Torres.

Dabei geht es nicht einmal um die besonders effizienten Trainingskontrollen, sondern um Wettkampftests. „Ja, ja. Kontrollen nach dem Kampf und nur bei Titelkämpfen“, bestätigt Daryl Peoples, der Präsident der IBF. „Die Promoter werden werden nicht begeistert sein. Sie müssen die Tests bezahlen“, sagt Torres. „Vermutlich reichen sie die Kosten aber einfach an ihre Boxer weiter.“ Zwischen 800 und 1 000 Dollar müsse man für eine Wettkampfkontrolle rechnen. Selbst der deutsche BDB arbeitet mit der Nada bisher nur bei Wettkampftest zusammen. Trainingskontrollen sieht das BDB-Reglement nicht vor. Nach Auskunft der Nada, führe man darüber jedoch derzeit Gespräche.

Bisher sind Testverfahren in der Hand der lokalen Veranstalter, in den USA organisiert meist die Boxkommission des Bundesstaates die Dopingtests. Sauerland-Geschäftsführer Meyer erzählt von einem Commissioner in Texas, der Tests ungekühlt im Kofferraum ins Labor fuhr. Bei Arthur Abrahams Kampf gegen Andre Dirrell in Detroit wurde die Probe im forensischen Labor abgegeben. Meyer fordert deshalb eine Harmonisierung der Regeln.

Die Wada-Liste müsse Grundlage für verbotene Substanzen sein, Dopingproben fachgerecht transportiert und in einem Wada-Labor analysiert werden. Als nächster Schritt sollten weltweit Trainingskontrollen folgen. Seine Profis sind längst im Testpool der Nada gemeldet. Abraham oder Powetkin geben im Adams-System an, wo sie sich aufhalten. Kontrolleure könnten – anders als bei den Klitschkos – jederzeit vor ihren Türen stehen.