In der deutschen Profibox-Szene bleibt normalerweise wenig geheim. Es ist ein kleiner Kreis von Sportlern, Promotern, Manager, Medienleuten und bunten Hunden, der sich immer wieder am Boxring trifft. Viele von ihnen waren tief betroffen und völlig überrascht, als gestern bekannt wurde, dass der frühere Box-Weltmeister Markus Beyer am 3. Dezember im Alter von nur 47 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in einem Berliner Krankenhaus gestorben ist.

Todesursache: Nierentumor

Dass es ihm zuletzt gesundheitlich schlecht ging, war nur Wenigen bekannt. Diejenigen, die überhaupt davon wussten, sprachen von einem Nierentumor. Es war der Wunsch von Markus Beyers Eltern, dass über die Krankheit des Sohnes nichts in die Öffentlichkeit getragen würde.

„Ich kann meine Gefühle mit Worten nicht beschreiben. Jeder weiß, dass er mein Lieblingssportler war – und das hatte vor allem eine menschliche Komponente. Markus Beyer war ein durch und durch feiner Mensch“, sagte sein ehemaliger Berliner Trainer Ulli Wegner, der ihn bei den Amateuren und bei den Profis betreut hatte. „Im Moment fühle ich mich, als hätte mir jemand in die Magengrube geschlagen. Ich muss das alles erst verarbeiten.“ Boxlegende Henry Maske sagte, er trauere um einen erfolgreichen Sportler und einen ruhigen, angenehmem, rücksichtsvollen Menschen.

Der Vater als Trainer

Markus Beyer hat zuletzt im Erzgebirge bei den Eltern gelebt. Dort, wo seine Karriere begann. Sein Vater Siegfried, Steiger bei der Wismut und Bergbauingenieur, hatte bei der BSG Waschgerätewerk Schwarzenberg als Boxtrainer fungiert, ehe er 2011 den Boxclub Erzgebirge gründete. Der Vater hatte nicht nur Markus Beyer ausgebildet, sondern viele Talente auf die Sportschule gebracht.

Unter Tage gibt es keinen Glamour, und auch beim Profiboxen hatte Vater Siegfried für all den Rummel ebenso wenig übrig wie sein Sohn Markus. Auch wenn der eine Zeit lang mit Danii Haak, der durchaus populären Sängerin von Mr. Präsident liiert war und sich beide 2008 pompös mit Stretch-Limousine am Strand von Key Biscane das Ja-Wort gaben. Die Ehe hielt nicht lange.
Markus Beyer war kein Sprücheklopfer, eher ein Zweifler, kein Provokateur, eher ein Arbeiter. Sein Markenzeichen war nicht die große Klappe, es war der linke Haken. Beyer war kein Offensiv-, sondern ein Konterboxer.

Weltmeister im Ausland

Abseits der spektakulären Boxhallen wurde der Sachse 1999 durch einen Punktsieg über den Briten Richie Woodhall in der Eishalle des Arbeiterviertels von Telford, Großbritannien, Weltmeister im Supermittelgewicht. 2003 und 2004 holte er sich den WM-Titel, den er zwischenzeitlich verloren hatte, wieder. 2005 wurde er zu Deutschlands Boxer des Jahres gewählt.

Doch dann kamen beim Sauerland-Boxstall, für den Beyer damals antrat, die lauten, besser vermarktbare Boxer auf. Im Bohei um Arthur Abraham und den russischen Riesen Nikolai Walujew war vom stillen Beyer immer weniger zu hören. So schnell wie Profiboxer aufgebaut werden, werden sie aussortiert. Vor dem letzten großen Kampf gegen den dänischen Strahlemann Mikkel Kessler im Oktober 2006, dessen Austragung Promoter Wilfried Sauerland den Dänen in Kopenhagen überlassen hatte, klagte Beyer, man lasse ihn intern spüren, dass er nicht mehr so wichtig sei.

Chancenlos gegen Kessler

In Kopenhagen war Beyer chancenlos. Zwei Sekunden vor dem Schlussgong der dritten Runde kam er ins Taumeln, krachte rücklings auf den Boden. Kessler hatte ihn mit einer Linken getroffen, kurz war Beyer ohne Deckung, als ihn die Rechte des Dänen gewaltig am Kinn erwischte. Er versuchte, sich aufzurichten, es gelang ihm nicht. „Er saß da unten und guckte mich an“, sagte Ulli Wegner damals mit leiser Stimme, in der die Verbundenheit des Trainers zu seinem Boxer spürbar war.

Weger holt ihn in Klinik

Wegner hatte Beyer als 16-Jährigen unter seine Fittiche genommen, hatte mit ihm Siege gefeiert, ihm bei Niederlagen und Verletzungen zur Seite gestanden. Er war es auch, der seinen Lieblingsschüler jetzt zur Behandlung nach Berlin geholt hatte.

2008 beendete Beyer seine Karriere – auch wegen eines Ermüdungsbruchs im fünften Lendenwirbelfortsatz. Er widmet sich einige Zeit dem Anti-Gewalt-Training an Schulen. Zuletzt kommentierte er als Fernsehexperte Boxabende des MDR. Seinen letzten Einsatz hatte er dort im Juni dieses Jahres im Leipziger Kohlrabizirkus.