Berlin - Es ist ein anderer Auftritt gewesen als zuletzt. Die Spieler der BR Volleys wirkten gegen den Frankfurter Bundesliga-Konkurrenten United Volleys entschlossener. Besonders deutlich wurde das am Ende des ersten Satzes: Da flog ein Abwehrball von Eder bis zur Ersatzbank der Frankfurter. Cody Kessel sprintete hinters Netz, passte den Ball zurück ins Berliner Feld und als die Volleys mit dem Punkt zum 20:15 abschlossen, hatte die Ecke der Ersatzspieler den Part des Publikums übernommen, das in der Max-Schmeling-Halle wegen Corona fehlte. Die verletzten Sergej Grankin und Tim Carlé waren aufgesprungen, sie gestikulierten mit den anderen in ihren Trainingsanzügen, klatschten, johlten. Was die Spieler bei den drei Niederlagen zuletzt nicht glaubhaft vermitteln konnten, wurde am Sonnabend beim 3:0 (25:18, 25:18, 25:17)-Sieg deutlich: Wir sind ein Team.

„Unsere Mannschaft hat eine gute Antwort auf die Mittwoch-Niederlage gegeben“, sagte Manager Kaweh Niroomand. „Am Donnerstag sind das gesamte Trainierteam und die Mannschaft über eineinhalb Stunden zusammengesessen. Die Mannschaft hat aktiv Vorschläge gemacht. Das hat man heute gesehen: Die Bank hat ganz anders mitgefiebert. Auf dem Feld war ein ganz anderer Zusammenhalt.“

Am Mittwoch bei der unerwarteten Pokal-Niederlage gegen die Netzhoppers hatte die Körpersprache der Berliner Spieler verzagt ausgesehen, unentschlossen. „Meine Spieler haben versucht, nicht zu verlieren. Sie sind nicht angetreten, um zu gewinnen. Das war heute anders“, konstatierte Trainer Cedric Enard. Bei der Aussprache am Donnerstag hatten die Spieler davon gesprochen, dass ihnen noch die Sicherheit fehle, dass sie nicht so genau wüssten, wie welcher Kollege auf dem Feld reagiert, wenn die Situation schwierig wird.

„Wir haben bei der Teamsitzung über uns geredet. Dass wir nicht an das Zerstörerische denken wollen: nicht an die fehlenden Zuschauer, nicht an die Verletzen, von denen wir jede Woche einen neuen hatten, nicht daran, dass alle von uns immer nur Siege erwarten“, sagt Angreifer Benjamin Patch. „Wir haben beschlossen, einfach füreinander zu spielen. Wir brauchen einander. So einfach ist das.“

Als sich Zuspieler Pierre Pujol, der mit Wasser im Knie spielte, kurz vor Ende beim Blocken den Daumen ausrenkte, sich mit schmerzverzerrtem Gesicht krümmte, liefen alle Kollegen auf ihn zu, tätschelten ihn, ehe er mit Eisbeutel auf die Bank musste. Der reaktivierte Sebastian Kühner stellte für die letzten drei Berliner Punkte die Bälle - und sorgte gleich auch für einen eigenen Zähler. Trainer Enard sagte nach Pujols Ausfall: „Ich suche nach der schwarzen Katze. Wenn ich sie finde, bringe ich sie um. Ansonsten haben wir heute okay gespielt. Gewinnen ist der einzige Weg, um Sicherheit zu finden.“