Berlin - Bumm, ein dumpfer Schlag war zu hören. Die Hand von Cody Kessel traf den Ball, schmetterte ihn durch die Lücke, die Dürens Zweierblock angeboten hatte. Bumm, prallte der Ball zu Boden. Berliner Jubel. Gebrüll. Die Ersatzspieler rannten los, um die Teamkameraden zu umarmen. Kessel, der den Matchball zum 3:1 (27:25, 25:21, 22:25, 27:25) der BR Volleys gegen die Powervolleys Düren verwandelt hatte, sprang wie ein Flummi auf und ab. Trainer Cedric Enard brüllte mit, umarmte mit, tanzte mit. Die Halbfinalserie hatte sich im dritten Spiel gegen Düren zugunsten der Berliner gedreht. Die BR Volleys hatten in diesem Moment zum zehnten Mal hintereinander das Playoff-Finale der Volleyball-Bundesliga erreicht. Dort treffen sie, wie zuletzt meistens, auf den VfB Friedrichshafen. Gleichzeitig haben sie sich für den kommenden Champions-League-Wettbewerb qualifiziert. „Es ging um viel. Wir sind alle sehr erleichtert“, sagte Manager Kaweh Niroomand.

Finale der BR Volleys gegen Friedrichshafen im Modus Best-of-Five

Wenn etwas zum zehnten Mal in Folge geschieht, ist das keine Überraschung mehr. Dass das Erreichen des Meisterschaftsfinales in dieser Corona-Spielzeit allerdings derart infrage stand wie in all den Jahren zuvor noch nicht war schon eine kleine Überraschung. „Das war ein großartiger Kampf gegen eine Mannschaft, die das Finale genauso wie wir verdient gehabt hätte“, fasste Berlins Mittelblocker Eder Carbonera die drei äußerst intensiven, äußerst knappen, äußerst emotionalen Partien gegen Düren zusammen. „Uns ist es glücklicherweise gelungen, irgendwie damit umzugehen, dass Düren einfach nie aufgibt. Nun hat diese Serie ihr würdiges, hochemotionales Ende gefunden“, sagte der brasilianische Olympiasieger von 2016.

Das Finale wird nun in maximal fünf Spielen im Modus Best-of-Five ausgespielt. Als Tabellenerster der Hauptrunde hat der Rekordmeister VfB Friedrichshafen zuerst am 8. April (17.30 Uhr) Heimrecht, Spiel zwei findet am Sonntag, 11. April, in Berlin statt, Spiel drei am Donnerstag darauf. 

Die Leistungskurve der Berliner stieg in den drei Halbfinals kontinuierlich an. „Der Sieg am Mittwoch hat uns unheimlich Selbstvertrauen gegeben. Wir haben wieder an uns geglaubt und sind in dieser Serie als Mannschaft gewachsen“, erläuterte Eder.

Am Mittwoch war den BR Volleys im Rahmen des Berliner Pilotprojekts vor 800 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle der Ausgleich in der Halbfinal-Serie gelungen, wodurch sich das Team die Chance auf die Titelverteidigung offenhielt. Zuletzt gewannen die Berliner 2019 die Meisterschaft. Vor einem Jahr wurde die Spielzeit, in der die BR Volleys dominierten wie lange nicht, wegen der Corona-Pandemie ohne Meister abgebrochen.

In dieser Saison tat sich die Mannschaft enorm schwer, als Team zu agieren, auf dem Feld zusammenzuwachsen. Wie es aussieht, haben vor allem die Spiele gegen Düren und das hohe Niveau, auf dem sie stattfanden, dabei nun geholfen. „Jeder hat in den anderen vertraut, und das war heute der Schlüssel zum Sieg“, sagte Eder.

Wobei sich diese dritte Partie wohl im Grunde am Ende des ersten Durchgangs entschied. Düren hatte bereits 16:11 in Führung gelegen und bei zwei Satzbällen die Chance, in Führung zu gehen. Doch zunächst servierte Benjamin Patch ein Ass zum 24:24, dann demoralisierte Sergej Grankin mit einem krachenden Einerblock den Gegner und führte seine Mannschaft auf die Siegerstraße. „Wir hätten den ersten Satz zu Ende spielen müssen. Leider haben wir das nicht geschafft. Dann wäre das noch eine andere Sache geworden“, konstatierte Dürens Angreifer und emotionaler Anführer Sebastian Gevert nach der Partie enttäuscht.

Berlins Außenangreifer Kessel hingegen, der dieses Mal für Tim Carlé ins Team gekommen war, sowohl in Annahme als auch im Angriff für Stabilität sorgte und mit seiner Art, die Kollegen zu motivieren, großen Anteil am neuen Miteinander, am zehnten Finaleinzug des Klubs hintereinander hatte, sagte: „Wir haben als Team viele schwierige Momente in dieser Saison überstanden. Unsere Freude ist riesig, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat und wir jetzt das Finale gegen Friedrichshafen spielen dürfen.“