BerlinHinterher ist die Situation oft schnell auszumachen, in der ein Spiel gedreht worden ist. In der Partie der BR Volleys beim VfB Friedrichshafen ist es das Ende des ersten Satzes gewesen, das die Berliner zum 0:3 (24:26, 20:25, 22:25) und damit der zweiten Saison-Niederlage im sechsten Spiel der Volleyball-Bundesliga führte.

Die Mannschaft von Trainer Cedric Enard lag 21:17 vorn in der neuen, riesigen Messehalle am Bodensee, die eine enorme Deckenhöhe hat und in der Friedrichshafen nach der plötzlichen Sperrung der alten Halle erstmals zum Punktspiel antrat. Zuerst setzte Marcus Böhme ein Ausrufezeichen. Der VfB hatte den gebürtigen Berliner Ende Oktober ziemlich plötzlich und erst mal auch nur „bis auf Weiteres“ in ihren Spielerkader aufgenommen. Der 35 Jahre alte Nationalspieler hatte auf dem von Corona durcheinander gewirbelten Markt sonst kein attraktives Angebot bekommen. Jedenfalls drosch Böhme den Ball in den Dreimeterraum der Volleys und sorgte für den Moment, den Friedrichshafens Trainer Michael Warm später „Game Changer“ nannte.

Auch sein Gegenüber Enard verwies auf die Zuspitzung im ersten Durchgang: „Ich hadere mit dem ersten Satz, den wir hätten gewinnen können und der uns Sicherheit gegeben hätte. Bei 23:23 hatten wir auch kein Glück mit der Schiedsrichterentscheidung, als Samuel Tuia den Ball noch klar vom Boden gekratzt hat. Wir hatten aber auch so genug Möglichkeiten. Nach dem ersten Satz wurde es schwer.“

Die Berliner, die in dieser Partie wegen Verletzungen auf Zuspieler Sergej Grankin und Außenangreifer Tim Carlé verzichten mussten, agierten danach verunsichert. „Wenn immer wieder wichtige Leute ausfallen, kann unsere Stammsechs keinen Rhythmus finden“, hatte Manager Kaweh Niroomand schon nach der Niederlage gegen die Bisons Bühl analysiert. Vorige Saison waren die Berliner in allen 20 Ligaspielen bis zum coronabedingten Abbruch ungeschlagen geblieben. In dieser Saison waren seit Oktober schon Diagonalangreifer Benjamin Patch und Mittelblocker Anton Brehme ausgefallen.

Volleys-Trainer Enard: „Es hat heute im Angriff gefehlt“

Für Grankin hatte der Verein für die Partie am Bodensee seinen früheren Kapitän Sebastian Kühner reaktiviert. Der sah von der Ersatzbank aus, wie die Volleys vor allem im Angriff kein Mittel gegen die gut organisierten Friedrichshafener fanden, die auch im Aufschlag deutlich stabiler wirkten. „In Drucksituationen sind wir noch nicht stark genug“, erkannte Trainer Enard. „Ich möchte eigentlich nicht zu negativ sein, aber es hat heute schlichtweg im Angriff gefehlt. In allen anderen Statistiken waren wir mindestens gleichwertig.“

Allein die Körpersprache des Berliner Teams zeigte, dass die Spieler selbst nicht mehr daran glaubten, die Partie erneut zu drehen. Es schien so, als habe das Team aus Friedrichshafen mehr Lust zu gewinnen. „Es hat heute eher das Emotionale entschieden. Wir haben uns eindeutig wohler gefühlt“, sagte VfB-Angreifer Linus Weber, der im Mai vor eineinhalb Jahren noch mit den Berlinern den Meistertitel feierte und nach einem Jahr in Italien nun am Bodensee die Aufgabe im Diagonalangriff übernommen hat.

Enard versuchte, dem BR Volleys-Team mit Spielerwechseln zu neuer Energie zu verhelfen. Erst kam Davy Moraes für Benjamin Patch, später Brehme für Éder. Aber die erhoffte Wirkung blieb aus, auch wenn zwei Asse von Brehme noch mal kurz für Hoffnung bei den Berlinern sorgten.

„Wir haben heute gezeigt, dass wir Berlin ebenbürtig sind und vermutlich hätten beide Mannschaften dieses Spiel gewinnen können“, sagte VfB-Coach Warm. „Es war wichtig, dass wir den ersten Satz noch für uns entscheiden konnten und damit für eine tolle Premiere in der neuen Halle gesorgt haben.“

Volleys empfangen am Mittwoch Netzhoppers im Pokal

Volleys-Trainer Enard richtete seinen Blick dagegen schnell wieder nach vorn: „Jetzt müssen wir uns schütteln und das Spiel aus den Köpfen bekommen, denn schon am Mittwoch wollen wir im Pokal eine Runde weiterkommen.“ Da treten die BR Volleys daheim (19.30 Uhr, sporttotal.tv) gegen die Netzhoppers KW-Bestensee im Viertelfinale an.