BR Volleys: Felix Fischer gespannt auf das Finale Berlin gegen VfB Friedrichshafen

Felix Fischer kann sich vorstellen, wie es den BR Volleys am Donnerstagnachmittag am Bodensee geht. Wie seine früheren Mannschaftskameraden zwei, drei, Tassen Kaffee oder Espresso trinken. Wie die Anspannung der Volleyballer vor dem ersten Final-Play-off der Best-of-Five-Serie auf der Busfahrt vom Hotel spürbar wird. Wie es kribbelt, wenn die Halle am Riedlewald in Sichtweite kommt, die ersten Fans auftauchen. Fischer, 35, weiß, wie es ist, wenn das Finale um die deutsche Volleyball-Meisterschaft beginnt.

Wie in den vergangenen fünf Jahren duellieren sich die BR Volleys mit dem VfB Friedrichshafen (Donnerstag, 20 Uhr, Sportdeutschland.tv). Viermal gewannen dabei die Berliner. Sie sind Titelverteidiger, nicht Favorit. Vorigen Mai stemmte Berlins Mittelblocker Fischer im letzten Spiel vor seinem Karriere-Ende in Friedrichshafen die Meisterschale in die Höhe. Tränen kullerten über seine Wangen, so überwältigt war er. Der Saisonverlauf hatte auch damals für den VfB gesprochen.

Play-offs sind eine neue Situation

Diese Saison ist die Dominanz des VfB sogar noch krasser. National blieb die Mannschaft von Vital Heynen unbesiegt. „Es ist echt beeindruckend, was Friedrichshafen bisher gezeigt hat. Chapeau!“, findet Fischer.“ Nach 37 Siegen hintereinander, dem Gewinn des Supercups und des deutschen Pokals verlor der VfB erst im Final Six der Champions League zweimal gegen den polnischen Meister Kedzierzyn-Kozle. Die Berliner wurden von Friedrichshafen in dieser Saison schon fünfmal besiegt: im Supercup-Finale, zweimal in der Liga, zweimal in der Champions-League.

Auch sonst verlief die Spielzeit der BR Volleys alles andere als stabil. Trotzdem sagt Fischer vor dem Start ins Finale: „Alles, was davor war, ist egal.“ Play-offs sind anders. Play-offs sind eine neue Situation. Und seit Stelian Moculescu in Berlin Trainer ist, „sind die Karten sowieso besser gemischt. Er hat ja viel umgewirbelt.“ Der stabile Saisonverlauf habe in Friedrichshafen den Erwartungsdruck erhöht. „Damit muss man erst mal umgehen können.“

Klar, Friedrichshafen hat eine exzellente Abwehr, die Libero Markus Steuerwald routiniert organisiert. Sie haben Simon Tischer, von dem Moculescu sagt: „Er ist der beste Zuspieler in Deutschland.“ Vor allem hat Friedrichshafen in diesem Jahr eine Mannschaft, die zusammenhält und funktioniert. Eine, die kaum Fehler macht und bislang nicht zu locker und nicht zu fokussiert auftrat, sondern ihre Linie hielt: ausdauernd, geduldig, clever.

Mehr innere Stabilität

Die besseren Einzelspieler haben die Berliner. Dafür, dass die Volleys am Ende als Meistermannschaft und nicht als Mannschaft aus Meistern dastehen, hat der Verein zuletzt gewerkelt: Moculescu zeigte Motivationsvideos, am Montag spielten Robert Kromm und Co nach dem Team-Abendessen beim Italiener im Bunker an der Stresemannstraße Laserspiele. „Sowas ist witzig und gut für den Teamspirit“, sagt Fischer, der während der Ausbildung zum Fachinformatiker oft Volleyball schaut.

Er hält vor allem die Entwicklung von Außenangreifer Adam White für ein gutes Signal. „Dass er unter Moculescu so aufgeblüht ist, zeigt der Mannschaft, was möglich ist. Es gibt allen Selbstvertrauen, wenn sie wissen: Wenn White aufschlägt, wird es zu 60 Prozent ein Ass. Seit er so gut spielt, fühlt sich Luke Perry besser, weil er in der Annahme nicht so viel Verantwortung übernehmen muss. Das gibt der Mannschaft mehr innere Stabilität.“ Zudem habe es Moculescu geschafft, Paul Carroll und Kapitän Kromm wachzurütteln, „ihnen diesen Mut zu geben, der einen noch stärker macht“.

„Wir waren stinksauer“

Und wie haben sie es nun voriges Jahr angestellt, nach einer Auftaktniederlage das damalige Best-of-three-Finale zu drehen? „Wir hatten damals ein paar emotionalere Charaktere im Team“, antwortet Fischer. „Wir waren stinksauer, dass wir das erste Spiel verloren hatten und dachten: Bei uns zu Hause holen sie die Meisterschaft nicht. Mit unserer Entschlossenheit haben wir Friedrichshafen geknackt.

Wir haben es geschafft, in ihren Köpfen zu sein, sie zum Überlegen zu bringen.“ Fischer glaubt, dass es Moculescu gelingen wird, Friedrichshafen zu verwundern. So wie neulich, als Zuspieler Pierre Pujol plötzlich die Blockposition tauschte. Ob es die Berliner tatsächlich in die Köpfe der VfB-Spieler schaffen? Ob sie ihre Linie finden? Ob Friedrichshafen sie verliert? „Das muss man jetzt einfach abwarten.“