Berlin - Dieser Auftritt löste auch bei Cedric Enard Begeisterung aus. „Wenn wir so harmonieren, kann die Mannschaft eine mitreißende Spielfreude entwickeln“, sagte der Trainer der Berlin Volleys nach dem souveränen 3:0 (25:18, 25:18, 25:18)-Erfolg in der Volleyball-Bundesliga beim VfB Friedrichshafen. Mit neun Punkten und ohne Satzverlust hat der elfmalige deutsche Meister an den ersten drei Spieltagen der neuen Saison die optimale Ausbeute erreicht.

Maßgeblichen Anteil am Sieg gegen den Erzrivalen vom Bodensee hatte ein Spieler, der eigentlich als Ersatzmann eingeplant war. Da aber Benjamin Patch infolge einer Erkältung auf der Bank Platz nehmen musste, vertraute Enard im Diagonalangriff in Ulm dem Zugang Marek Sotola. Die Bedenken, das sei eine Schwächung der Mannschaft, zerstreute der 2,08 Meter große Tscheche schnell. Der neue Mann fügte sich von Beginn an mit starken Angriffsaktionen gut ein. Sotola überzeugte in den 79 Spielminuten mit 19 Punkten, die Statistik wies für ihn eine Angriffsquote von beachtlichen 58 Prozent aus.

„Marek hat in allen Bereichen sein Potenzial gezeigt. Er war im Angriff, Aufschlag und Block eine Bereicherung“, lobte Enard. Wenig überrascht von der Leistung des tschechischen Nationalspielers waren die Mannschaftskameraden. Außenangreifer Ruben Schott sagte: „Wir hatten keine Zweifel, dass er Patch würdig vertritt und abliefert. Dass er das kann, hat er im Training bewiesen.“

Über diesen Punkt ist Sergey Grankin schon lange hinweg. Der russische Zuspieler zeigte sich in Friedrichshafen mal wieder in gewohnt herausragender Verfassung. Neben starken Abwehraktionen setzte Grankin immer wieder seine Schnellangreifer in der Mitte gekonnt in Szene, schlug mal eben ein Ass und erzielte selbst fünf Punkte. Dass nicht er, sondern Marek Sotola, der mit einem Block den Schlusspunkt im dritten Durchgang setzte, zum MVP ernannt wurde, konnte Grankin verschmerzen. Schließlich gab es ja lobende Worte vom Trainer: „Sergey hat auch stark gespielt, aber natürlich von unserer hervorragenden Annahme profitiert. Wenn wir so harmonieren, kann die Mannschaft eine mitreißende Spielfreude entwickeln.“

Saisonübergreifend haben die BR Volleys den Erzrivalen aus Friedrichshafen nun viermal in Serie besiegt, zuvor dreimal im Playoff-Finale um die deutsche Meisterschaft im April. Mit der Leistung von Sonnabend vor 1403 Zuschauern in Ulm hat der Hauptstadtclub seine Rolle als Topfavorit auf den Meistertitel 2022 eindrucksvoll untermauert. Wenngleich auch Ruben Schott in der Bewertung der Friedrichshafener Leistung berechtigte Abstriche machte: „Friedrichshafen hatte mit Blair Bann natürlich einen schwerwiegenden Ausfall. Diese Mannschaft braucht noch Zeit.“

Nun folgen zwei Heimspiele, zunächst am Mittwoch gegen den TSV Haching München, am Sonnabend gegen die Volleys Herrsching. Schott kündigte nach dem Sieg gegen Friedrichshafen an: „Wir wollen jetzt keinesfalls nachlassen.“