Berlin - Auf ihr Quizduell vor dem Bundesliga-Topspiel an diesem Mittwoch (20 Uhr, Sport 1) hatten sich Anton Brehme und Linus Weber gut vorbereitet. Im Live-Video traten der Mittelblocker der BR Volleys und der Diagonalangreifer des VfB Friedrichshafen gegeneinander an. Neben der Beantwortung von Statistikfragen, einem Montagsmaler-Rätsel, Face-App- und Kollegen-Raten kam auch ein bisschen Klatsch und Tratsch zutage: dass etwa Volleys-Angreifer Benjamin Patch die neue Kurzhaar-Frisur von Brehme rasiert und ihm eine Beauty-Maske verpasst hatte. Dass Webers Spitzname im Juniorenteam des VC Olympia „Knoblauchzehe“ lautete, weil er selbige gern massenhaft in seine Gerichte schnippelt. Oder dass Weber zwar im Kraftraum an allen Geräten der Beste war, Brehme ihn aber im Bankdrücken übertraf.

Als sie sich gegenseitig einschätzen sollten, waren sie sich erstaunlich einig: Brehme ist der kritikfähigere mit dem höheren Spezialwissen, Weber der ehrgeizigere mit dem höheren Allgemeinwissen. Die zwei Volleyballer aus Leipzig und Gera kennen sich ausgezeichnet, seit sie in Berlin viel Zeit miteinander verbrachten. Beide besuchten die Sportschule in Hohenschönhausen. Beide spielten beim VC Olympia und waren mit einem Doppelspielrecht für die BR Volleys ausgestattet. Beide sind erst 21 Jahre alt, längst Nationalspieler und gelten auf ihren Positionen als Versprechen für die deutsche Volleyball-Zukunft. Dafür müssen beide nun in den Vereinen, die seit Jahren um die Vormacht in der Bundesliga streiten, den nächsten Entwicklungsschritt machen. 

Sogar ihr Tipp für die Partie des Tabellenzweiten BR Volleys gegen Spitzenreiter VfB Friedrichshafen fällt mit 3:1 einvernehmlich aus – nur dass Brehme auf einen 3:1-Sieg der Berliner tippt, Weber dagegen auf ein 3:1 des VfB. Das Hinspiel gewann Friedrichshafen 3:0. Brehme fehlte verletzt, während Weber glänzte.

Die DNA des VfB Friedrichshafen

„Die DNA des VfB Friedrichshafen besteht aus zwei wesentlichen Elementen“, sagt Trainer Michael Warm. Erfolg ist traditionell das eine Element beim deutschen Rekordmeister. Das andere: „Dass viele wichtige Nationalspieler beim VfB von Talenten zu internationalen Spitzenspielern gereift sind, ist etwas, was man hier gerne sieht.“ Er habe Linus Weber schon seit Jahren als „einen spannenden Menschen“ beobachtet, sagt Warm. 

Während Brehme nach der VCO-Zeit zur SVG Lüneburg wechselte, um sich nach der Zeit im Juniorenteam in einem Bundesligateam zu etablieren, verabschiedete sich Weber 2019 zu den Powervolleys Mailand in die italienische Liga. Die BR Volleys hätten ihn eigentlich gern behalten als zweiten Diagonalmann neben Patch. Stattdessen war Weber in Mailand zweiter Diagonaler hinter dem Holländer Nimir Abdel-Aziz. Er spielte kaum, saß dann ihm Jahr darauf, als Corona die Saison unterbrach, wochenlang allein in seinem kleinen Appartement, hatte 39 Grad Fieber und wusste nicht, ob es eine Angina oder Corona war. 

Dann lieh ihn der VfB Friedrichshafen aus. In Weber und dem 22 Jahre alten Lukas Maase, den Warm vom Mittelblocker in einen Diagonalangreifer verwandelte, habe er „zwei der talentiertesten jungen Nationalspieler“ sagt Friedrichshafens Trainer – auf der Position des wichtigsten Punktesammlers im Team. „Also brauchten wir einen erfahrenen Zuspieler, damit es kein Kindergarten wird“, erläutert Warm sein Konzept. So holte er den routinierten Slowenen Dejan Vincic, 34, der am Mittwoch in Berlin aber wohl verletzt fehlt. Gleichzeitig übertrug er Weber und Maase die volle Verantwortung auf ihrer Position. Bislang hat sich das Risiko ausgezahlt. Die Bundesliga führt der VfB mit fünf Punkten Vorsprung an. In der Champions League liegt der Klub nach zwei Siegen in Gruppe E ebenso auf Rang zwei wie die Berliner in Gruppe C.  

„Mit der Mischung aus erfahrenen Spielern wie Vincic, Markus Steuerwald und Nicolas Marechal haben wir einen Rahmen, wo ein Toptalent zum internationalen Spitzenspieler reifen kann“, sagt Warm. „Denn entscheidend ist nicht, ob ich mit 16 Jahren ein gutes Turnier spiele. Mit 20, 21 trennt sich die Spreu vom Weizen. Da setzen sich Leute wie früher Tischer oder Schöps durch. Der Rest geht verloren. Linus ist auf einem guten Weg.“

So wächst die Attraktivität der Bundesliga

Auf einem guten Weg ist auch Brehme, der zu Saisonbeginn nach einem Jahr mit viel Einsatzzeit in Lüneburg zu den BR Volleys zurückkam, zuletzt aber länger an einer Knieverletzung laborierte. Hier hat er im russischen Olympiasieger Sergej Grankin sowie im Franzosen Pierre Pujol gleich zwei erfahrene Zuspieler, die ihn in Szene setzen können. Darüber hinaus hat er im brasilianischen Olympiasieger Eder auf der Mittelposition einen routinierten Kollegen, von dem er sich vieles abschauen kann.

„Anton ist ein unglaublich guter Junge, hoch talentiert, ehrgeizig, kein Spinner. Er hat in Berlin gute Mitspieler und einen guten Trainer. Ihm gehört, wenn er gesund bleibt und weiter so trainiert, eine große Zukunft“, sagt Volleys-Manager Kaweh Niroomand. „Für die Nationalmannschaft ist es gut, dass hier Talente wie Brehme oder Weber heranwachsen“, fügt er an, „mit ihnen wächst gleichzeitig die Attraktivität der Bundesliga.“