Wie hättet ihr mich gerne? Lachend, nicht lachend?“, fragt Luke Reynolds die Fotografen im Raum. Hier klickt es, dort blitzt es, Reynolds jongliert mit einem Volleyball. Als ihm ein Fotograf das eben geknipste Bild auf dem Display zeigt, schüttelt Reynolds den Kopf und sagt: „Ich habe dir doch gleich gesagt, dass meine Glatze das Blitzlicht reflektiert.“

Eines ist klar: Der 31 Jahre alte Australier, den die BR Volleys am Dienstagvormittag als Nachfolger des Italieners Roberto Serniotti vorgestellt haben, wirkt erfrischend, selbstbewusst, offen und kommunikativ. Lukullisch könnte man als Vergleich zwischen ihm und seinem Vorgänger vielleicht tasmanischem Pfeffer zu piemontesischer Nougatcreme bemühen.

Bei Volleys-Manager Kaweh Niroomand waren offenbar Bewerbungen von vielen renommierten europäischen Trainern gelandet. Aber jemanden, der traditionell nach Schema F arbeitet, wollte der Volleys-Chef nicht mehr.  Sein Wunsch nach zwei Jahren italienischer Schule: Innovation, vom Mainstream abweichen, mehr Kommunikation. 

„Mit der Verpflichtung von Luke wollen wir neue Reize setzen und versprechen uns eine Aufbruchstimmung in der Mannschaft. Er steht für eine andere Art der Kommunikation, die vom Standard der vielen renommierten Trainer in Europa abweicht. Wir wollten neue Impulse für das Team setzen und die Spieler mit einem jungen Trainer mit in die Verantwortung holen.“

Assistent bei Mark Lebedew

Reynolds erhält einen Zweijahresvertrag. Er arbeitete vorige Saison als Assistenz- und Athletiktrainer des ehemaligen Volleys-Coaches Mark Lebedew in der polnischen Liga bei Jastrzebski Wegiel. Dort gelang dem Trainergespann, das seit diesem Sommer auch das australische Nationalteam betreut, Platz drei und die direkte Champions-League-Qualifikation. 

Damit schlossen sie die Saison vor Resovia Rzeszow ab, dem Klub, bei dem künftig Serniotti die Verantwortung trägt. Zuvor war Reynolds als Cheftrainer in Zypern und der ersten schwedische Liga tätig.

Neue Wege zu gehen, birgt immer auch ein Risiko, das wissen sie bei den BR Volleys. Reynolds ist als Trainer eher unerfahren, soll aber neben der Cheftrainer-Rolle auch die des Athletiktrainers ausfüllen. Zudem ist er ein wenig jünger als die Teamkapitäne Robert Kromm und Paul Carroll. Bei dieser Entscheidung „haben einige Leute bestimmt gedacht, der Niroomand hat einen Vogel“, vermutet Niroomand.

Robert Kromm lobt Verpflichtung

Sebastian Kühner gehörte offenbar nicht dazu: „Kaweh hat verstanden, was wir brauchen, wie wir ticken, was zu uns passen könnte“, sagte der Zuspieler. Kromm bestätigte: „Für uns als Team ist es wichtig, Eigenverantwortung zu haben. Ich freue mich darauf, mit jemandem jungen zusammenzuarbeiten.“

Mit seinen Kenntnissen aus College-Zeiten in Kanada soll Reynolds auch die Jugendarbeit der Volleys beleben. Niroomand hat vor, das Horst-Korber-Zentrum in eine Art Jugendzentrum umzuwandeln.

Fünf Stunden im Auto

Auf Reynolds, der am Montagabend um 18.30 Uhr aus dem Trainingslager des australischen Nationalteams in Katowice fünf Stunden lang mit dem Auto nach Berlin gefahren war, wartet in der Hauptstadt ein straffes Programm. Vor dem Pressetermin hatte er mit Kromm und Kühner zusammengesessen. „Es ist eine große Ehre, hier zu sein“, sagte Reynolds. „Ich hoffe, dass wir aufregenden Volleyball spielen werden – mit kalkuliertem Risiko. Ich möchte mit Intensität und Leidenschaft spielen.“

Am Dienstagabend fuhr er fünf Stunden zurück nach Polen. Als Kühner und Kromm den Pressesaal verließen, winkte ihnen Reynolds vom anderen Ende zu: „Tschüss Jungs, ich melde mich bald. Danke, für den Kaffee heute Morgen.“ Es war eine erfrischend unkomplizierte und zuletzt eher ungewohnte Art der Kommunikation.