Berlin/Trento - „Vielleicht erwischen wir ja einen guten Start“, hatte Julian Zenger gehofft. „Mal schauen, was dann so geht.“ Der Start vor dem Start des Champions-League-Rückspiels bei Itas Trentino war für den Libero der BR Volleys am Donnerstagnachmittag ziemlich gut. „Dolce Vita à la Julian & Anton“, postete der Berliner Klub zu einem Foto, das Zenger und Anton Brehme bei einer Tasse Kaffee in der Südtiroler Sonne zeigte. Die beiden deutschen Nationalspieler hatten Schokokuchen gekauft. Sie spielten Uno. 

Nachdem die Berliner das Hinspiel in der Max-Schmeling-Halle mit 1:3 verloren hatten, war ihnen klar: Sobald der Gegner zwei Sätze gewinnt, steht er im Halbfinale. Dort also, wo das Starensemble aus Perugia wartet. Dann war nach 56 Minuten und zwei gespielten Sätzen das Aus der Berliner besiegelt. Weitere 20 Minuten später hatten sie mit 0:3 (22:25, 21:25, 14:25) verloren. 

BR Volleys geben Sätze jeweils erst in der Schlussphase ab

Dabei war für Zenger und sein Team nicht nur der Nachmittag, sondern tatsächlich auch der Start in die Partie ganz gut gewesen. In der leeren Arena von Itas Trentino funktionierte bei Berlin das schnelle Spiel über die Mitte. Die Annahme war deutlich stabiler als im Hinspiel. Sie gingen 19:17 in Führung, nachdem ein Aufschlag von Sergej Grankin unerreichbar über die Netzkante gerollt war. Aber am Ende des Satzes legten die Italiener zu. Sie spielten sicherer, cleverer - und setzten sich durch. 

Ähnlich verlief der zweite Durchgang. Ständig lagen die Berliner ein, zwei Punkte vorne. Tim Carlé besorgte mit einem krachenden Einerblock gegen Nimir Abdel-Aziz, der im Hinspiel mit 28 Punkten dominiert hatte, die 20:19-Führung. Dann verschätzte sich Libero Zenger: Er ließ einen Angriffsball zu Boden gleiten, weil er glaubte, er ginge ins Aus. Doch der Ball berührte knapp die Seitenlinie. Wieder entschied Trentino die Schlussphase für sich. „Wir haben im Vergleich zum Hinspiel etwas zu viele Fehler im Aufschlag gemacht“, sagte Berlins Mittelblocker Eder Carbonera.

Im dritten Durchgang wechselten beide Trainer komplett durch, die Entscheidung war ja gefallen. „Wir wussten, dass es heute wieder auf die Details ankommen wird. Aber diese haben wir eben nicht so umgesetzt, wie wir es gebraucht hätten“, sagte Außenangreifer Samuel Tuia. „Genau diese Details machen den Unterschied, wenn es um ein Halbfinale in der Champions League geht. Wir hatten mehrfach gute Chancen, um davonzuziehen. Stattdessen haben wir mit kleinen Fehlern den psychologischen Vorteil abgegeben und Trentino aufgebaut.“

Das Wunder von Trentino haben die Volleys verpasst. Jetzt können sie sich auf die Bundesliga konzentrieren. Dort steht am Sonnabend (19 Uhr) daheim das letzte Hauptrundenspiel gegen Herrsching an, ehe am 10. März die Play-offs beginnen.