Sie haben es in die Länge gezogen. Maximal. Fünf Spiele im Finale. Und dann auch noch die Entscheidung in einem fünften Satz. Am Ende des Tiebreaks, kurz vor 17 Uhr, ist es am Sonntag in der Halle des VfB Friedrichshafen so gewesen wie im vorigen Jahr und auch wie im vorvorigen Jahr. Déjà-vu: Die Volleyballer in Blau und Weiß saßen traurig am Boden. Unbeweglich. In Gedanken. Erstarrt. Enttäuscht.

Auf der anderen Seite tanzten die Spieler der BR Volleys. Freudentaumel in Orange und Schwarz. Zuspieler Sergej Grankin presste Diagonalangreifer Benjamin Patch an sich. Er ließ ihn beinahe nicht mehr los. Patch hatte Tränen in den Augen. Was hatten sie am Sonntag für eine großartige Show geliefert. Diese beiden, dazu Moritz Reichert und natürlich auch alle anderen im Berliner Team.

Berliner erfüllen Mission 10

Mit dem 3:2 (25:17, 25:21, 19:25, 23:25, 16:14)-Sieg haben die BR Volleys den Hattrick geschafft. Und sie haben das erfüllt, was sie als übergeordnetes Ziel vor sich hergetragen haben: ihre Mission 10, Titel Nummer zehn für ihren Verein.

Damit sind sie Rekordmeister Friedrichshafen, der 13 Titel gewonnen hat, wieder ein bisschen näher gerückt. Angeführt von Kapitän Sebastian Kühner, der bestätigte, dass er seine letzte Saison als Volleyballprofi gespielt hat, stemmten die Berliner die Meisterschale nach oben. „Es war eine Millimeter-Entscheidung“, sagte Kühner. „Wir sind megahappy, dass wir es wieder gepackt haben. Es war ein Riesenspiel von beiden Mannschaften und ein würdiges Ende für die Saison.“

Patch mit 29 Punkten

So ein überragender Abschluss einer so holprigen Saison. Wer hätte das gedacht? Zwischenzeitlich nicht einmal mehr Berlins Manager Kaweh Niroomand, der noch im Februar daran gezweifelt hatte, ob es in diesem Jahr für sein Team überhaupt bis ins Halbfinale der Meisterschaft reichen würde.

Am Sonntag bescherte ihm seine Mannschaft ein Wechselbad der Gefühle. Zwei Sätze lang dominierten die Berliner, sie brillierten, sie machten kaum Fehler, die Annahme stand stabil. Sie machte es Grankin leicht, die Bälle präzise auf seine Angreifer zu verteilen. „Wir haben sensationell gespielt“, fand Niroomand. Und Patch, der Angreifer, der so sehr an sich gezweifelt hatte, den der Stress der Play-offs so sehr geplagt hatte, dieser Patch knallte einen Schmetterschlag nach dem anderen ins Feld des VfB Friedrichshafen. Überragende 29 Punkte standen am Ende für ihn auf dem Statistikzettel bei einer immensen Angriffsquote von 57 Prozent.

Friedrichshafen kommt zurück

Aber die Mannschaft vom Bodensee kam nach dem Rückstand zurück. Sie glich aus zum 2:2. Und dann gestaltete sich auch der Tiebreak extrem spannend. Berlin ging 5:2 in Führung. Friedrichshafen holte auf, irgendwann stand es 11:10 für die Berliner, bei denen manche im Team zum ersten Mal in ihrem Leben überhaupt eine Play-off-Serie miterlebten.

„Vier Punkte. Nur noch vier Punkte“, beschwor Trainer Cedric Enard in der Auszeit. Als es 13:13 stand, holte Patch den ersten Matchball. Friedrichshafen wehrte ihn ab, 14:14. Den zweiten Matchball erzwang wieder Patch, ehe Reichert das Spiel, die Serie und die Saison mit einem Ass abschloss.

Friedrichshafens Trainer Vital Heynen, der in seinem letzten Spiel für den VfB zum dritten Mal den Meistertitel verpasst hatte, sagte: „Die Mannschaft, die so ein Spiel gewinnt, verdient es, Meister zu sein. Wir haben drei super Jahre gehabt. Und am Ende war es ganz knapp.“ Zwei Punkte sind es gewesen. Zwei Punkte, die die Berliner mit Bierduschen feierten. Die Spieler machten Selfies auf dem Feld.

Party bis Mittwoch

Kyle Russell zeigte seine Muskeln in allen erdenklichen Jubelposen. Ob er auch nächste Saison noch im Kader der Berliner stehen wird, ist nicht sicher. Aber Manager Niroomand bestätigte noch einmal, dass die Stammformation bis auf den Libero auch kommendes Jahr zusammenbleibt.

Im Saisonverlauf hatte er in Sachen Personal zweimal korrigieren müssen. Er hatte Libero Nicolas Rossard und Zuspieler Grankin nachverpflichtet. Die Mannschaft brauchte lange, bis sie zusammen und damit zur optimalen Leistung fand. In Spiel fünf der Finalserie war sie dem Optimum dann ziemlich nah. Manager Niroomand jedenfalls befahl: „Von heute bis Mittwoch wird durchgefeiert.“