Er kann im Finale den Unterschied ausmachen: Georg Grozer.
DPA /Andreas Gora

BerlinNoch in der Halle, direkt nach dem 3:1-Sieg der deutschen Volleyballer gegen Bulgarien rief Berlins Außenangreifer Christian Fromm die wichtigsten Botschaften ins Mikrofon: „Georg ist fit, wir werden morgen noch ein Feuerwerk abbrennen. Und dann holen wir uns das Ticket.“ An diesem Freitagabend (20.10 Uhr, Sport 1) entscheidet sich im Finale des Olympiaqualifikationsturniers zwischen Deutschland und Frankreich, welches Team im August an den Sommerspielen in Tokio teilnimmt.

Wie wichtig dabei für die deutsche Mannschaft die Mitwirkung von Georg Grozer ist, war im Halbfinale zu sehen. Trotz seiner Wadenverletzung war er nicht nur mit 17 Punkten vor Denis Kaliberda (15) und Christian Fromm (14) Topscorer, sondern auch Antreiber und Motivator. „Er ist der große X-Faktor in der deutschen Mannschaft“, sagt Cedric Enard, der französische Trainer des deutschen Meisters Berlin Volleys.

"Frankreichs erster Fan"

Enard war bislang Assistenztrainer des französischen Headcoaches Laurent Tillie. Er wäre sehr gern in Berlin, „in meiner Stadt“ mit auf der Bank gesessen, um mitzuhelfen, „die Mannschaft zu Olympia zu bringen“. Aber nachdem er im Dezember neben seinem Job bei den BR Volleys einen Vertrag als Nationaltrainer Estlands unterschrieb, wollten ihn weder Tillie noch der französische Verband bei diesem Turnier im Einsatz haben. Also saß Enard unter den knapp 4.300 Zuschauern auf der Tribüne der Max-Schmeling-Halle. „Damit muss ich klarkommen“, sagt Enard, der natürlich beim Finale erneut in der Halle sein wird, „als Frankreichs erster Fan“.

Er sieht gleiche Siegchancen bei den Finalisten. „50:50“, sagt Enard, „die Geduld wird entscheidend sein. Es wird ein sehr interessantes Spiel.“ Denn die Franzosen gelten als spielstarkes Team. Eines, das Schwächeperioden, in denen gar nichts läuft, wie am Donnerstag im ersten Satz des Halbfinales gegen Slowenien, jederzeit in starke Phasen wandeln kann. Diagonalangreifer Jean Patry glänzte mit 22 Punkten, Zuspieler Antoine Brizard „hat das Spiel mit seinem Aufschlag und seinen Blocks gedreht“, sagt Enard, während Earvin Ngapeth, der als Frankreichs Starspieler gilt, beim 3:2-Sieg nicht so hervorstach wie sonst oftmals.

Aufschlag und Annahme sind der Schlüssel zum Sieg. „Beide Mannschaften sind in der Lage, sehr gut aufzuschlagen“, sagt Enard über Deutsche und Franzosen. Wobei Grozer am Donnerstag wegen seiner Wadenverletzung im Aufschlag nicht die Wucht entfalten konnte wie sonst. „Man hat gesehen, dass ich ein bisschen aus dem Rhythmus bin“, sagte Deutschlands Hauptangreifer. „Ich hoffe, dass ich im Finale mehr helfen kann im Aufschlag.“

Fromms Botschaft: Kommt her!

Die Franzosen sind traditionell für eine starke Abwehr bekannt. Auf dieses Level sollte auch das deutsche Team kommen. „Geduld zu haben, wenn nicht gleich der erste Angriffsball zum Punkt führt, wird das entscheidende sein“, meint Enard, der auf den Heimspielfaktor bei zwei Teams auf Augenhöhe verweist, der am Ende vielleicht ausschlaggebend sein könnte.  Passend dazu war der Rest der Botschaft, die Deutschlands Außenangreifer Fromm am Donnerstag an alle Sportbegeisterten ins Rund der Max-Schmeling-Halle schickte. „Kommt her! Setzt euch ins Auto, in die Bahn oder ins Flugzeug – CO2 ist egal!“