Berlin - Wer wollte, konnte am Mittwochabend in der Max-Schmeling-Halle dabei sein. Für 29,90 Euro. Allerdings nur als dünne, schweigsame Reproduktion, dafür aber mit den eigenen Augen. 400 Fans der BR Volleys saßen als Pappfiguren beim Topspiel der Volleyball-Bundesliga zwischen den Berlinern und Tabellenführer VfB Friedrichshafen auf der Gegentribüne. Sie hatten ihr Porträtfoto an den Klub geschickt, auch Maskottchen Charly hatte als stummer Pappgast in Reihe eins Platz genommen.

Bei der 1:3 (22:25, 27:29, 25:23, 25:22)-Niederlage hätten die Berliner, bei denen zwar Zuspieler Sergej Grankin nach seiner Verletzungspause wie schon in Giesen von Anfang an auf dem Feld stand, Diagonalangreifer Benjamin Patch aber zunächst noch ebenso fehlte wie Samuel Tuia, lautstarke Unterstützung von den Rängen gut gebrauchen können.

Von Beginn an waren die Gäste vom Bodensee, die seit dem zweiten Bundesliga-Spieltag keine Partie mehr verloren haben, das stabilere, selbstbewusstere Team. Den Berlinern merkte man an, dass sie im neuen Jahr mit der gleichen Problematik wie im alten Jahr zu kämpfen haben: die vielen Verletzten, die sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf unterschiedlichen Leistungsniveaus wieder zurück ins Team arbeiten. Eine eingespielte Stammformation ist noch immer nicht vorhanden, weshalb es im Spiel der BR Volleys zwar Lichtblicke gab, aber keinen durchgängigen Glanz. „Wir müssen immer noch unseren Rhythmus finden“, sagte Patch.

Gegen den jungen Friedrichshafener Diagonalangreifer Linus Weber fanden die BR Volleys über weite Strecken überhaupt kein Mittel. „Wir haben die Disziplin im Block vermissen lassen“, kritisierte Berlins Trainer Cedric Enard. Weber schmettere mit Urgewalt und konzentrierter Überzeugung – im Angriff waren die Gäste deutlich effektiver.

„Linus Weber hat es heute sehr gut gemacht“

Zu Beginn der dritten Durchgangs wechselte Enard dann Patch ein. Kurz darauf kam auch Tuia aufs Feld – mit ihnen neue Energie. Friedrichshafener Bankspieler feuerten ihr Team an. Das taten sie deutlich lauter und engagierter als das Auswechselpersonal der Berliner. Das war auch Tuia aufgefallen, denn als der Franzose einen der Brachialangriffe von Weber herunterblockte, wedelte er mit aufgerissenen Augen Richtung Ersatzspieler-Ecke: „Come on“, schrie er. Mit ihm auf dem Feld begannen sich die Berliner mit mehr Mut hineinzukämpfen in die Partie, Satz drei entschieden sie für sich.

Auch wenn Berlins Manager Kaweh Niroomand schon vor dem Topspiel den Kampf um Tabellenplatz eins aufgegeben hatte, indem er sagte: „Der derzeitige Fünf-Punkte-Rückstand ist nicht mehr aufzuholen. Dazu macht der VfB Friedrichshafen einen zu stabilen Eindruck“, geht es gegen den VfB immer ums Prestige. So kämpfte Berlin im vierten Satz lange ebenbürtig. Den Matchball verwandelte schließlich Weber, der junge Kerl, der 2019 mit den Berlinern Meister geworden war. Es war sein 32. Zähler an diesem Abend. Wie schon im Hinspiel wählte ihn Enard zum wertvollsten Spieler. „Wir sind stolz, 3:1 in Berlin zu gewinnen. Wir sind sehr konzentriert geblieben. Linus Weber hat es heute sehr gut gemacht“, sagte VfB-Trainer Michael Warm.