BerlinEs war nur ein kleines Grüppchen auf der Tribüne der Max-Schmeling-Halle, das am Mittwochabend noch eine Weile mit BR-Volleys-Manager Kaweh Niroomand über die Partie gegen Zenit Kasan diskutierte. Als sich Niroomand beim europäischen Volleyball-Verband (CEV) im Oktober um die Austragung der Champions-League-Hinrunde in Berlin beworben hatte, hatte er noch gehofft, Anfang Dezember vor einer begrenzten Anzahl von Zuschauern zu spielen. Ein Hygienekonzept dafür lag parat. Das Turnier könne „zu einem starken und wichtigen Signal für den Volleyballsport in Deutschland werden“, hatte Niroomand gesagt. Aber der Anstieg der Corona-Infizierten setzte ein anderes Signal: Lockdown light, keine Zuschauer in der Halle.

Samuel Tuia fällt sechs bis acht Wochen aus

Das Publikum fehlte, wie es im Profisport derzeit überall in den Arenen und Hallen fehlt. Wie sehr, wurde besonders bei der Partie der Berliner gegen Zenit Kasan deutlich – gegen diese extralangen Kerls aus der russischen Republik Tatarstan, die zuletzt sechsmal die Champions League für sich entschieden. Auch im neunten Anlauf gelang den Volleys kein Sieg, was nach dem Verletzungspech der vergangenen Wochen auch nicht zu erwarten war. Aber mit Zuschauern wäre es ein anderes Spiel mit anderen Impulsen geworden. Ein bisschen mehr wie damals, im Januar 2013 vielleicht, als Berlin den Russen erst im Tiebreak (16:18) unterlag.

Das Publikum hätte die Berliner zum Erfolg im ersten Durchgang tragen können. „Hätten wir da in einigen Aktionen cleverer agiert, hätten wir den gewinnen können“, stellte Niroomand fest. Vielleicht hätte sein Team im dritten Satz mit Unterstützung von den Rängen den Mut nicht so verloren. Vielleicht wären die Aufschläge, die immer ein Spiegel des Selbstbewusstseins sind, mit mehr Wucht und Präzision übers Netz geflogen. Spekulationen sind müßig. „Kasan ist eine Weltklasse-Mannschaft. Wenn nötig, konnten sie den Druck erhöhen. Letztlich wurde das Spiel über Aufschlag-Annahme entschieden“, sagte Niroomand.

Nach den drei Turniertagen in Berlin, einem 3:0-Sieg der BR Volleys gegen ACH Volleys Ljubljana und einer 0:3-Niederlage gegen Zenit Kasan, lässt sich sagen, dass es ein guter Plan der CEV ist, die Gruppenphasen in einem Hin- und Rückrundenturnier zusammenzufassen. So werden An-, Ab-, Hin- und Herreisen der Mannschaften und damit die Ansteckungsgefahr mit Corona reduziert. Aber: „Diese Saison ist keine Saison der Planungen, sondern eine Saison der Zufälle“, stellte Niroomand erneut fest. Da ist Flexibilität gefragt: Nachdem sich Samuel Tuia am Dienstag eine Sehne im Fuß anriss und bis zu acht Wochen ausfällt, steht die Verpflichtung eines neuen Außenangreifers bevor. 

Flexibel gestaltete sich auch das Turnierprogramm, nachdem das polnische Spitzenteam Jastrzębski Węgiel absagte, da am Sonntag drei ihrer Spieler positiv auf Corona getestet worden waren. Das Team muss nun zum dritten Mal seit Oktober in Quarantäne. Die CEV wertete alle Partien der Polen mit 0:3 als verloren. „Als Präsident des Klubs und als Jastrzębski Węgiel respektieren wir die CEV-Vorschriften und verstehen solche Konsequenzen. Wir haben sie erwartet“, teilte Vereinspräsident Adam Gorol mit. 

Niroomand bedauerte die Absage, auch wenn es den Berlinern drei Punkte brachte und seine Mannschaft nun mit sechs Punkten Tabellenzweiter ist: „Solche Punkte habe ich nicht so gern.“ Tatsächlich wäre ein Vergleich mit den Polen, die vom früheren Berliner Trainer Luke Reynolds gecoacht werden, nicht nur gut für die Teamentwicklung, sondern auch interessant geworden, weil sich zwei Mannschaften auf ähnlichem Niveau getroffen hätten.

Von Kasan lernen

So zeigte Zenit Kasan den Berlinern deutlich, dass sie noch in allen Elementen Arbeit vor sich haben. „In einem Spiel gegen das beste Team Europas kann man unglaublich viel lernen“, sagte Mittelblocker Anton Brehme. Teil zwei der Gruppenphase soll, wenn es die Corona-Bestimmungen zulassen, vom 9. bis 11. Februar in Kasan folgen, wonach die fünf Gruppensieger und drei besten Zweiten ins Viertelfinale einziehen.