Liebt den Geist des Pokals auch im Geisterspiel: Karsten Heine, Trainer der VSG Altglienicke.
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BerlinIn Luckenwalde werden an diesem Sonnabendnachmittag 700 Zuschauer erwartet. Im dortigen Stadion findet ja das Brandenburger Cupfinale zwischen den Regionalligisten Union Fürstenwalde und SV Babelsberg 03 statt (14.45 Uhr). Im Berliner Landespokal wird der Jahnsportpark zum Schauplatz des Endspiels (16.45 Uhr), ebenfalls zwischen zwei Viertligisten, der VSG Altglienicke und Viktoria 1889, allerdings mit null zahlenden Zuschauern auf der Tribüne. So wie in Sachsen-Anhalt, wo nach Abbruch der Cupsaison erst gar kein Endspiel ausgetragen wird und der 1. FC Magdeburg in die erste Runde des DFB-Pokals entsandt wird.

Der Finaltag der Amateure geht an diesem Wochenende in die nächste Auflage mit 19 Endspielen; die Bayern ziehen am 5. September nach. Die ARD überträgt in drei Konferenzschaltungen. Auf dem Sofa vor dem Fernseher also sind alle gleich. Im Stadion dagegen nicht.

Während im Ostseestadion 780 Plätze zur Verfügung stehen, wenn der Torgelower FC Greif und der FC Hansa Rostock aufeinandertreffen, dürfen die Endspielteams der Niedersachsen, MTV Gifhorn und Eintracht Celle, jeweils 147 Tickets für das Eilenriedestadion in Hannover beanspruchen. Am Mittelrhein beim Duell 1. FC Düren gegen Alemannia Aachen ist kein Publikum zugelassen. Am Niederrhein stehen sich Rot-Weiß Essen und der 1. FC Kleve gegenüber, und 300 Fans stehen beziehungsweise sitzen mit. Dasselbe Bundesland, eine andere Praxis. Stromaufwärts im Rheinland-Finale – Rheinland-Pfalz – wohnen den Anstrengungen von Blau-Weiß Karbach und FV Engers 07 rund 350 Menschen bei.

Die Hygieneregeln in den einzelnen Fußball-Regionen Deutschlands sorgen für eine gewisse Unübersichtlichkeit bei der Verteilung des Publikums, wobei nur böse Zungen behaupten, der Name Finaltag der Amateure beziehe sich auf die amtlichen Corona-Bekämpfer in den einzelnen Bundesländern mit ihren unterschiedlichen Vorschriften. Richtig ist: Während die Finalisten Altglienicke und Viktoria ohne Fans auskommen müssen, dürfen die Kollegen in der Regionalliga Nordost am Sonntag Publikum schon empfangen. Von diesem Wochenende an sind in Berlin nämlich wieder Zuschauer in eingeschränktem Rahmen zugelassen.

Den Geist des Wettbewerbs kann die Geisterkulisse nicht zerstören, zumindest bei Karsten Heine nicht. „Ich liebe Pokalspiele“, hat der Trainer der VSG Altglienicke vor der Partie erläutert, „weil es spannende Spiele sind.“ Null Zuschauer, aber auf keinen Fall null Tore, das bleibt selbst in der größten Pandemie ein dem Pokal eigenes Gesetz.

Und bei allem Durcheinander, was die Zulassung von Zuschauern angeht, herrscht geradezu preußische Ordnung bei der Festlegung des weiteren Weges, den der Berliner Sieger beschreiten darf. In der ersten Runde des DFB-Pokals muss der 1. FC Köln in die Hauptstadt reisen. Der Bundesligist hat am Dienstag sein bisher letztes Spiel bestritten, ein Testspiel gegen den VfL Bochum. 2:0 gewannen die Kölner. Vor 200 Zuschauern.