Kommt mit seiner Art gut bei Herthas Spielern an: Trainer Bruno Labbadia
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BerlinFür einen Mann wie Bruno Labbadia, der schon die Profis des Hamburger SV, in Stuttgart, Leverkusen und zuletzt Wolfsburg befehligte, ist ein Derby kein Grund, nervös zu werden. 246 Mal war der 54-Jährige bislang als Cheftrainer in der Ersten Liga aktiv und dennoch steht er nun vor einem der kuriosesten Spiele in seiner Karriere. Am Freitag (20.30 Uhr, Olympiastadion) steigt das Berliner Derby zwischen seiner Mannschaft von Hertha BSC und dem 1. FC Union. Als Geisterspiel. „Das ist natürlich kein Derby, wie wir es uns alle gewünscht hätten“, sagte Labbadia, „aber es bleibt ein Derby.“

Labbadia trat nach dem 3:0 der Hertha beim Re-Start in Hoffenheim sehr optimistisch und fokussiert auf: „Wir müssen die Situation annehmen, wie sie ist und das beeinflussen, was wir beeinflussen können. Natürlich hätte ich unglaublichen Bock gehabt auf ein Derby mit über 70 000 Zuschauern.“

Obwohl er erst in seiner sechsten Woche als Hertha-Coach agiert und wegen des Coronavirus bislang gerade ein halbes Dutzend Mal reguläres Mannschaftstraining abhalten konnte, hat sich Labbadia viel Respekt erarbeitet. Er trainiert intensiv, pflegt eine klare Ansprache an die Profis, was er öffentlich äußert, hat Hand und Fuß. Er ist nahbar und geradlinig, wirkt auch deshalb wie ein Gegenentwurf zu Jürgen Klinsmann, der bei der Hertha mehr als Unruhestifter denn als fähiger Vorarbeiter in Erinnerung geblieben ist. Dem Kicker sagte Labbadia: „Mit all meinen Erfahrungen, die ich gesammelt habe, mit dem Wissen, was ich heute habe, würde ich sagen: Jetzt aktuell bin ich der beste Trainer, der ich sein kann.“

Lob für Union 

Inzwischen hat sich Labbadia auch innerhalb des Teams viel Anerkennung erworben. Alle wissen, er stellt nicht nach Namen, nicht nach Alter auf und auch auslaufende Verträge von Profis spielen keine Rolle. „Alle haben eine Chance“, sagt er. Die Leistung entscheidet und die letzten Trainingseindrücke. So überraschte er mit seiner Startformation in Hoffenheim und bewies ein gutes Gespür. Sein Match-Plan ging auf.

Nun also das Derby. Gegen Union erwartet Labbadia ein „sehr intensives Spiel“. Für den Gegner und dessen Trainer Urs Fischer, den Anti-Labbadia, hatte Herthas Trainer viel Lob parat. „Union ist sehr geschlossen, gut organisiert. Urs Fischer leistet dort eine tolle Arbeit.“

Gleich zweimal hat sich der Hertha-Coach das jüngste Duell der Unioner gegen den FC Bayern München, das die Bayern glanzlos mit 2:0 gewannen, angeschaut. Einen Derby-Sieg wollte er nicht versprechen, „aber natürlich wollen wir unbedingt gewinnen“.