Emanuel Buchmann (r.) scheint nicht in der Form für den ganz großen Coup zu sein.
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Berlin/LoudenvielleDer Tritt wurde schwerer, das Loch immer größer. Für Emanuel Buchmann ist beim ersten Schlagabtausch in den Pyrenäen der Traum vom Podium bei der Tour de France in weite Ferne gerückt. Der deutsche Hoffnungsträger erreichte am Samstag mit über einer Minute Rückstand auf die Stars der Branche das Ziel in Loudenvielle. Noch viel schlimmer erging es dem französischen Mitfavoriten Thibaut Pinot, der einen großen Einbruch erlebte und alle Chancen einbüßte. Und auch sein Landsmann Julian Alaphilippe hat das Gelbe Trikot aus den Augen verloren.

Da war es für die Gastgeber nur ein schwacher Trost, dass Ausreißer Nans Peters nach 141 Kilometern und drei schweren Bergen im Alleingang die Etappe vor dem Letten Toms Skujins und dem Spanier Carlos Verona gewann. Das Gelbe Trikot des Gesamtersten verteidigte der Brite Adam Yates mit letzter Kraft, nachdem er mehrmals abgehängt worden war, sich aber immer wieder rankämpfte.

Zur Sache ging es erstmals unter den Favoriten, die 6:40 Minuten nach den Ausreißern ankamen. Beim Anstieg zum Col de Peyresourde legten die Stars ihre Zurückhaltung ab, immer wieder kam es zu Attacken. Das war zu viel für Buchmann, der schon früh das Tempo nicht mehr mitgehen konnte. Am Ende verlor er 1:03 Minuten auf Roglic und Co. und ist in der Gesamtwertung mit 1:25 Minuten Rückstand nun Elfter. Das hatte sich der Ravensburger anders ausgerechnet. Bis zum Ruhetag wollte er eigentlich keine Zeit mehr verlieren, um in der Schlusswoche angreifen zu können.

Am Ende blieben die ganz großen Favoriten beisammen. Der slowenische Jungstar Tadej Pogacar, am Vortag noch auf einer Windkantenattacke abgehängt, konnte sogar mehr als eine halbe Minute wieder gut machen. Aber Roglic, Vorjahressieger Egan Bernal, dessen kolumbianischer Landsmann Nairo Quintana und auch Yates kamen zusammen ins Ziel.

Der ganz große Verlierer des Tages war aber Pinot. Beim vorletzten Anstieg zum 1755 Meter hohen Port de Balès, einem Berg der höchsten Kategorie, musste der 30-Jährige abreißen lassen. Eskortiert von seinen Helfern quälte sich Pinot über die Berge und verlor 25 Minuten auf Tagessieger Peters. Offensichtlich hatte er gesundheitliche Probleme, womöglich durch seinen Sturz am ersten Tag. Damit ist Pinot wieder einmal der Pechvogel. 2019 hatte er den Gesamtsieg vor Augen, ehe ihn eine Muskelverletzung am drittletzten Tag zur Aufgabe zwang.

Da hielt sich der Schaden von Buchmann noch in Grenzen, aber es war kein guter Tag. Der 27-Jährige war wieder einmal als Einzelkämpfer unterwegs. Schon am vorletzten Anstieg hatte sich der letzte Helfer verabschiedet. Womöglich lag es auch an den großen Anstrengungen vom Vortag, als das Bora-hansgrohe-Team schon kurz nach dem Start attackiert und fast den ganzen Tag das Tempo vorgegeben hatte.

Maximilian Schachmann war noch mit am längsten an Buchmanns Seite, irgendwann ging es beim deutschen Ex-Meister auch nicht mehr. Der Berliner, der mit einem Schlüsselbeinbruch in die Tour gegangen war, ist aber auf dem Weg der Besserung. „In den letzten drei Tagen ist meine Leistung schon nach oben gegangen“, sagte Schachmann. Gleichwohl ist weder der Paris-Nizza-Sieger noch der Österreicher Gregor Mühlberger - Buchmanns starker Helfer im Vorjahr - im Vollbesitz seiner Kräfte.

Entsprechend verzichtete am Sonnabend das deutsche Team auch darauf, einen Fahrer in die Ausreißergruppe zu entsenden. 13 Fahrer hatten sich kurz nach dem Ziel abgesetzt. Da die Ausreißer auch die Punkte beim Zwischensprint einsammelten, blieben Sam Bennett (Irland) nur noch zwei Zähler übrig, was nicht reichte, um Ex-Weltmeister Peter Sagan (Slowakei) an der Spitze im Kampf um Grün abzulösen. Keine Punkte mehr sammeln wird der italienische Europameister Giacomo Nizzolo, der am Samstag das Rennen verließ.

Am Sonntag folgt die zweite Kletterpartie in den Pyrenäen. Zwar sind die Berge auf dem neunten Teilstück über 153 Kilometer von Pau nach Laruns nicht gar so hoch, dafür aber umso steiler. Vor allem der Col de Marie Blanque, ein Anstieg der ersten Kategorie, weist auf den letzten vier Kilometern eine durchschnittliche Steigung von zwölf Prozent auf. Danach sind es aber noch 18 Kilometer bis zum Ziel.