Emanuel Buchmann verlor am Sonntag nicht nur den Anschluss nach vorne, sondern im Kampf um das Podium auch Zeit.
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BerlinRadprofi Emanuel Buchmann muss seinen Traum vom Podium der Tour de France begraben. Der angeschlagene deutsche Hoffnungsträger hielt beim zweitägigen Kletter-Spektakel in Südfrankreich nicht wie erhofft mit den Besten mit und verlor viel Zeit auf die kompromisslosen Rivalen. Buchmann ist mit nun 5:45 Minuten Rückstand auf den neuen Spitzenreiter Primoz Roglic (Slowenien/Jumbo-Visma) 18. der Gesamtwertung. Am ersten Ruhetag am Montag, wenn die dritte Corona-Testreihe der Tour 2020 ansteht, wird bei Buchmanns Team Bora-hansgrohe über die weitere Strategie entschieden. Die Ziele dürften nach unten korrigiert werden.

Nach dem ersten Rückschlag am Sonnabend lief es für den 27 Jahre alten Bora-Kapitän am Sonntag erneut nicht wie gewünscht. Der Vorjahresvierte Buchmann erreichte das Ziel der zweiten Pyrenäenetappe nach 153 km in Laruns als 23., 4:12 Minuten hinter Tagessieger Tadej Pogacar (Slowenien/UAE-Team Emirates). „Keine Zeit verlieren“ – das war am Sonntag das große Ziel des Bora-Teams, was sich angesichts des fordernden Profils als schwieriges Unterfangen erwies. Der Plan, einen Fahrer als späten Buchmann-Helfer in eine Ausreißergruppe zu schicken, ging auf – eine Flucht war vom Feld mit hohem Anfangstempo allerdings lange unterbunden worden. Letztlich schaffte Lennard Kämna den Sprung nach vorne. Die schonungslose Fahrweise forderte bald Tribut. Schon am ersten schweren Anstieg, dem verregneten Col de la Hourcere, war das Hauptfeld auf die Favoritengruppe geschrumpft, Buchmann geriet erstmals in leichte Schwierigkeiten. Noch hielt er aber den Anschluss.

Schon zu Beginn des Col de Marue Blanque änderte sich dies: Buchmann hatte zwei Helfer an seiner Seite, konnte der harten Gangart vom Roglics Jumbo-Mannschaft aber nicht mehr folgen. Sichtlich angeschlagen kämpfte er sich ins Ziel, es ging nur noch um Schadensbegrenzung. Dass Buchmanns Traum vom Podium in diesem Jahr wohl unerfüllt bleibt, hatte sich schon tags zuvor angedeutet. Über eine Minute hatte er auf die Topstars um Roglic und Bernal auf dem Weg nach Loudenvielle verloren. „Das ist nicht das, was ich wollte und wie ich gerne fahren möchte“, hatte er anschließend gesagt, „aber es geht wohl noch nicht besser nach dem Sturz.“ Zwei Wochen vor dem Tour-Start war Buchmann bei der Dauphine schwer zu Fall gekommen, beim Grand Depart in Nizza waren die Blessuren noch nicht voll ausgeheilt.

Am Montag legt die Tour erstmals eine Pause ein – dennoch bleibt die Anspannung unter den Teams groß: Erstmals seit fast zwei Wochen werden alle Fahrer und Teammitglieder auf Covid-19 getestet. Zwei positive Ergebnisse führen zum Ausschluss der gesamten Mannschaft, auch wenn nur Mitglieder des Betreuerstabs betroffen sind.