Bundesliga-Aufstieg: Hertha träumt von Europa League

Köln - Aufstieg und Meistertitel sind sicher, der Punkterekord ist eingestellt, nun träumt das „Bayern München der 2. Liga“ von einem echten Coup im Oberhaus. „Wir haben keine Zweifel und keine Angst vor der ersten Liga“, sagte Trainer Jos Luhukay, nachdem sich Hertha BSC durch ein 2:1 (1:0) beim 1. FC Köln Platz eins gesichert hatte.

Und am Ende einer „beeindruckend konstanten Saison mit wahnsinnig vielen Punkten“ denkt der Niederländer vor der Rückkehr in die Bundesliga mittelfristig offenbar schon an die Europa League. „Wir werden uns in allen Mannschaftsteilen verstärken“, kündigte er an: „Aber schon diese Mannschaft hat die Qualität, in der ersten Liga nicht nur dazuzugehören, sondern auch eine richtig gute Rolle zu spielen. Frankfurt und Freiburg sind in diesem Jahr Beispiele, wie es gehen kann. Auch wenn man nicht weiß, ob das jedes Jahr so gehen kann.“

Aufsteiger Frankfurt hat vor dem Saisonfinale die Europa League zum Greifen nahe, die als Abstiegskandidat gestarteten Freiburger haben sogar die Champions League vor Augen. Auch Manager Michael Preetz träumt von einer Platzierung „oberhalb der Abstiegsplätze“ und nennt Frankfurt oder Freiburg als Beispiele dafür, „dass es auch mit kleinem Etat möglich ist, gute Platzierungen zu erreichen“. Und Stürmer Sami Allagui erklärte: „Mit dieser Mannschaft könnte man in der ersten Liga schon sehr gut mitspielen. Und man kann sich immer noch verbessern.“

Unglaublich stolz

Die Euphorie in der Hauptstadt lässt sich beim Blick auf die Tabelle durchaus rechtfertigen. Hertha hat nur eines der letzten 32 Spiele verloren, hat die meisten Siege (22) und die wenigsten Niederlagen (2), die meisten Tore geschossen (64) und die wenigsten kassiert (27), aktuell 17 Zähler Vorsprung auf den Relegationsrang und stellte mit 75 Punkten in Köln auch die elf Jahre alte Zweitliga-Bestmarke von Hannover 96 ein.

„Diesen Rekord zu verbessern ist noch unser letztes Ziel“, sagte Luhukay, dessen Vertragsverlängerung bis 2016 wohl vor dem letzten Heimspiel gegen Energie Cottbus verkündet werden soll: „Der Mannschaft ist es wichtig, in die Geschichtsbücher der 2. Liga einzugehen, sodass man in 15 oder 20 Jahren noch darüber redet.“ Besonders beeindruckt ist der Coach davon, wie seine Mannschaft nach dem feststehenden Aufstieg die Konzentration hochhielt. „Dafür muss ich ihr ein Riesenlob zollen. Das macht mich unglaublich stolz“, sagte der 49-Jährige und ergänzte mit ironischem Blick auf Mitaufsteiger Braunschweig: „Das ist nicht selbstverständlich - wie man am Spiel in St. Pauli gesehen hat.“ Dort ging die Eintracht beim ersten Auftritt nach der Meisterfeier mit 1:5 ein.

Für die meisten Beobachter ist Luhukay selbst der entscheidende Faktor für die souveräne Saison. „Weil wir den besten Trainer verpflichten konnte“, hatte Preetz dieser Tage auch auf die Frage nach dem Erfolgs-Geheimnis geantwortet: „Das war unsere wichtigste Entscheidung.“ Luhukay hatte den nach der chaotischen Relegation am Boden liegenden Verein aufgerichtet und führte nach Borussia Mönchengladbach und dem FC Augsburg schon den dritten Klub seit 2008 in die Bundesliga. Dabei baute er auch Eigengewächse ein, wie Alfredo Morales, der in Köln nach dem Foulelfmetertor von Lewan Kobiaschwili (36.) und vor dem FC-Ehrentreffer von Christian Clemens (68.) am 23. Geburtstag sein erstes Profitor schoss (55.).

„Das war ein cooler Geburtstag“, sagte der US-Nationalspieler: „Ich habe ein Tor für meine Frau und mein Kind gemacht, und wir als Mannschaft haben auch noch Geschichte geschrieben.“ (Holger Schmidt/SID)