Berlin - Die wichtigste und spannendste Frage, die Hertha BSC in dieser Saison noch beantworten muss, ist nicht etwa die hier: Sammelt das Team von Trainer Pal Dardai gegen Darmstadt 98 und Bayer Leverkusen noch genug Punkte, um die – direkte oder auch nicht – Qualifikation für die Europa League zu schaffen? Nein, tatsächlich wichtiger und spannender ist eher das hier: Verspielt Hertha in einer Woche 17 Millionen Euro? Denn es geht im Saisonfinale ja nicht nur um Punkte und Plätze, sondern vor allem um viel Geld. Es geht um die Verteilung der Fernsehgelder, die in der kommenden Spielzeit noch mal höher ausfallen.

Es ist eine große Summe, diese 17 Millionen Euro. Man könnte damit zwei Spitzenkräfte als Verstärkung holen oder ein Fünfzehntel des neuen geplanten Stadions finanzieren. Und so geht die mögliche Verlustrechnung: Rund sechs Millionen Euro von der Uefa würde Hertha nicht kassieren, wenn der Klub nicht in der Gruppenphase der Europa League spielt. Und dazu könnten noch einmal bis zu elf Millionen Euro aus dem neuen TV-Vertrag wegfallen, sollte Hertha weiter in der Tabelle abrutschen. Die deutschen Profiklubs kassieren mehr Geld (1,16 Milliarden Euro statt 680 Millionen Euro). Der Verteilungsschlüssel zwischen den Vereinen hat sich auch etwas geändert.

Was machen Mainz und Augsburg?

Noch sieht es aber gut aus. Wenn Hertha nämlich Tabellensechster bleibt am Saisonende, steht der Klub in der Geldrangliste nach Berechnung der Fünfjahreswertung auf Platz acht mit 411 Punkten. Das macht 48,7 Millionen Euro. Das wäre eine hübsche Steigerung der Einnahmen, Hertha hätte gegenüber der Vorsaison drei Plätze aufgeholt. Zuletzt freute sich Finanzchef Ingo Schiller nur über 28 Millionen Euro.

Doch es gibt eben auch ein Worst-Case-Szenario. Hertha kann, wenn alles schiefläuft, die Saison sogar noch auf dem elften Platz beenden. Dann würde der Klub in der Geldtabelle mit 386 Punkten auf Rang 13 abstürzen. Das sind dann nur 38,5 Millionen Euro. Wie geht denn so etwas? Nicht nur sportlich ist der Endspurt eine ganz enge Angelegenheit. Auch das Feld in der Geldrangliste ist zwischen Platz acht und Platz dreizehn dicht beieinander. Hertha kämpft nicht nur mit dem 1. FC Köln, Werder Bremen und Eintracht Frankfurt um das TV-Geld, sondern auch mit den Krisenklubs Mainz 05 und dem FC Augsburg.

Momentan hat Hertha die besten Karten

Die Spielregeln für das Bundesliga-Casino sehen nur auf den ersten Blick kompliziert aus. Es werden die Platzierungen der vergangenen vier Spielzeiten berücksichtigt plus die laufende Saison. Jeder Platz weiter nach oben bringt in der Endsumme fünf Punkte mehr in der Fünfjahreswertung. Momentan hat Hertha die besten Karten, weil zum Beispiel Mainz und Augsburg in der sportlichen Krise stecken und so nur 396 Geldpunkte haben, also 15 weniger als Hertha. Fallen also die Blau-Weißen zum Beispiel auf Rang neun in der sportlichen Tabelle ab, und Augsburg und Mainz verbessern sich um einen Rang, rutscht Hertha in der Geldtabelle um zwei Ränge ab.

Diese Berechnung bezieht sich aber nur auf die nationalen TV-Gelder. Außerdem kassieren die Klubs noch aus dem Ausland für die Übertragungsrechte der Bundesliga. Hertha bekommt aus diesem Topf nach jetzigem Stand zusätzlich rund 3,5 Millionen Euro. Auf Platz elf wären es eine Million Euro weniger. Finanzboss Schiller bleibt entspannt: „Wir rechnen nicht jetzt ab, sondern am Saisonende. Wir haben alles noch selbst in der Hand.“