Der Musterschüler, der Kraftsparende und das Verprechen des Tages

Der Musterschüler des Tages: Von den lieben Schwiegersöhnen war dieses Mal nicht viel zu sehen. Anders als gegen Darmstadt von Pal Dardai kritisiert, legten seine Spieler dieses Mal keine übergroße Freundlichkeit an den Tag. Stattdessen grätschten sie nach jedem Ball. Auch wenn ab und zu ein gegnerisches Bein dazwischen war. Musterschüler Niklas Starkholte sich gar zwei innerhalb von zwölf Minuten die Gelbe Karte ab und wurde in der 87. Minute des Feldes verwiesen.

Der Kraftsparende: Durchschnittlich 20 Sekunden brauchte Genki Haraguchi vom Außenpfosten zur Eckfahne. So was nennt sich dann: Warmgehen. Fast eine halbe Stunde schritt er den Weg ab. Als erster Bankspieler war er zur Erwärmung beordert worden, Doch weil Stocker ja irgendwie knapp dran zu sein schien an seinem 2. Saisontreffer musste Haraguchi warten. Er kam dann in der 76. Minute für Peter Pekarik, und Weiser rückte für die Schlussviertelstunde aus dem rechten Mittelfeld eine Position nach hinten. Für Stocker war die Partie dann in der 83. Minute beendet, als ihn Julian Schieber ablöste. Da merkten dann auch die Herthaner, die den Zwischenstand aus Hoffenheim nicht kannten, dass höchste Eile geboten war.

Das Versprechen: Auch wenn es nicht gereicht hat, Hertha kann zufrieden Bilanz ziehen. Abstiegssorgen kannte der Verein in dieser Saison nicht. Allein das wäre schon ein Grund zu Feiern. Oben drein besteht noch die Chance aufs internationale Geschäft, auch wenn dazu die zwei Qualifikationsrunden überstanden werden müssen. „Es ist keine Strafrunde, sondern eine Runde, die wir uns erarbeitet haben“, sagte Sebastian Langkamp. „Wir werden unser Ziel erreichen.“

Der dritte und wichtigste Anlass zur Freude ist, dass sich ein funktionierendes Gerüst aus jungen Spielern gebildet hat, deren beste Leistungen noch vor ihnen und Hertha liegen. John Anthony Brooks, 23, hat sich zu einer Stammkraft entwickelt, Weiser, 22, ist sogar schon mehr als das. Plattenhardt, 24, hat alle Spielminuten mit Ausnahme der 90 gegen Darmstadt absolviert, als er gesperrt war, und Stark 21, muss auf der Position im defensiven Mittelfeld, auf der er in Mainz zum Einsatz kam, zwar noch sein Auge schulen, hat aber großes Potenzial.

Das Manko: Der Geschwindigkeitsüberschuss der Mainzer Spieler gegenüber den Berlinern war unübersehbar. Das machte Hertha durch Ballbesitz und feine Spielzüge, so dass das Unentschieden letztlich gerecht, aber leider wertlos war. Wenn die nächste Spielzeit noch erfolgreicher werden soll, braucht das Team eine Tempospritze.

Das Partyflugzeug: Husch, husch, direkt nach der Verabschiedung von Klubidol Elkin Soto und Manager Christian Heidel, der den Klub nach 24 Jahren in Richtung Schalke 04 verlässt, ging es für die Mainzer direkt in den Partyflieger. Auch die Herthaner eilten zum Frankfurter Flughafen: Allerdings flogen sie zunächst zurück in die Heimat, da in Berlin am Sonntag noch ein interner Mannschaftstermin ansteht.

Die viertägige Abschlusssause auf Mallorca steigt dann erst ab dem 17. Mai. Bis zur Mitgliederversammlung am 23. Mai sollen aber alle zurück sein. Danach darf das Team in den Urlaub. Dieser wird allerdings wegen dem ersten Qualifikationsspiel am 28. Juli bereits eine Woche eher ein Ende finden als geplant, wohl schon Ende Juni. „Das ist für einige schlimm“, sagte Dardai. „Für mich nicht. Meine Kinder gehen zur Schule, deshalb bin ich eh in Berlin.“

Das Fazit: Der fünfte Platz wurde nicht in Mainz verspielt, sondern in Bremen und Hoffenheim, wo Erfolge leichtfertig verschenkt wurden sowie gegen Hannover und Darmstadt. „Wir haben heute das Gesicht der Hinrunde gezeigt“, sagte Stark. Und so geknickt sie direkt nach Abpfiff waren, als sie nach dem Duschen das Stadion in Richtung Flughafen verließen, waren sich alle einig: „Wir können stolz auf diese Saison sein.“ Dazu haben sie allen Grund trotz der finalen Krise.

Die Statistik des Spiels

FSV Mainz 05 - Hertha BSC 0:0

Mainz: Karius - Donati, Bell, Bungert, Bussmann - Baumgartlinger, Frei - Clemens (88. Samperio), Malli (85. Serdar), Onisiwo - Cordoba (90.+6 Soto). - Trainer: Schmidt

Berlin: Jarstein - Pekarik (76. Haraguchi), Langkamp, Brooks, Plattenhardt - Niklas Stark, Lustenberger - Weiser, Darida, Stocker (82. Schieber) - Kalou. - Trainer: Dardai

Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)

Tore: Fehlanzeige

Zuschauer: 33.800

Beste Spieler: Baumgartlinger, Bussmann - Jarstein, Plattenhardt

Gelb-Rote Karten: Niklas Stark wegen wiederholten Foulspiels (87.) Gelbe Karten: Baumgartlinger (7), Onisiwo, Donati (8) - Lusten

(mit SID)