Ein Tief im Westen: Pantovic erlebt mit Union einen düsteren Tag in Bochum

Der 26 Jahre alte Serbe bekommt an alter Wirkungsstätte eine für ihn seltene Bewährungschance – und kann sie tragischerweise nicht nutzen.

Milos Pantovic scheitert vom Elfmeterpunkt an Bochums Manuel Riemann.
Milos Pantovic scheitert vom Elfmeterpunkt an Bochums Manuel Riemann.imago/Nordphoto

Dieser Sonntagnachmittag im Ruhrstadion zu Bochum war ein düsterer für den 1. FC Union Berlin, im Besonderen für Milos Pantovic, der an alter Wirkungsstätte eine kleine sportliche Tragödie erlebte. Und während man sich ziemlich sicher sein darf, dass sich die Mannschaft alsbald von diesem 1:2 erholt haben wird, steht für den Serben zu befürchten, dass er mit der Aufarbeitung der Geschehnisse etwas länger beschäftigt sein könnte.

Es sei denn, Union-Coach Urs Fischer gibt ihm in den kommenden Wochen weitere Bewährungschancen beziehungsweise Chancen zur Rehabilitierung. Allerdings ist dies in Erinnerung an die vergangenen Wochen, als Pantovic bei den Spielen der Eisernen öfter Zuschauer denn Akteur war, doch eher unwahrscheinlich.

In der Bundesliga sind es inklusive des Bochum-Spiels gerade mal 133 Einsatzminuten für den beim FC Bayern ausgebildeten Profi. Für die Gruppenphase der Europa League, in der der FCU am Donnerstag auf Sporting Braga trifft, ist der Mittelfeldspieler nach einer notwendigen Vorauswahl durch den Trainerstab noch nicht einmal gemeldet. Wobei es Fischer natürlich nicht an Nächstenliebe oder Empathie mangelt, nein, im Profifußball ist das sportliche Schicksal eines Einzelnen mitunter halt nur nebensächlich.

Nur 27 Ballkontakte in 70 Minuten

Es war ja schon durchaus überraschend, dass Fischer bei der Wahl eines Ersatzspielers für den verletzten Janik Haberer in der 20. Minute auf Pantovic setzte. Klar, was dem Trainer durch den Kopf ging: ehemaliger Verein, besondere Motivation und so fort. Aber eigentlich war diese von Zweikämpfen und Hektik geprägte Partie nichts für den Techniker Pantovic, der zudem bei seiner Einwechslung von den Anhängern des VfL, die ihrem mitunter schlechten Ruf einmal mehr gerecht wurden, mit Pfiffen und üblen Gesten „begrüßt“ wurde.

Bezeichnend, dass der 26-Jährige in 70 Minuten zwar stolze 9,83 Kilometer zurücklegte, aber nur 27 Mal am Ball war. Bezeichnend auch, dass seine Pass- und Zweikampfquote nicht wirklich gut war: 57 und 43 Prozent. Schließlich stand er aber dann doch plötzlich im Fokus.

Zum einen als derjenige, der beim Stand von 0:2 bei einem Elfmeter in der 78. Minute die Verantwortung übernehmen wollte und sollte, aber mit seinem Schuss an Keeper Manuel Riemann scheiterte. Zum anderen als derjenige, der in der Nachspielzeit mit einem ganz feinen Dropkick-Schuss den (zu) späten Anschlusstreffer erzielen, sich aber über seinen ersten Treffer für Union gar nicht richtig freuen konnte. Beim Weg zurück hinter die Mittellinie vergrub er schließlich sein Gesicht hinter den Händen. Kein Wunder, noch nie hatte er als Profi zuvor einen Elfmeter verschossen. Und er wusste natürlich, dass er damit seinem Team die Aussicht auf ein Comeback genommen hatte.

Kritik an Schiedsrichter Aytekin

Fischer brachte dies auch in der Pressekonferenz zum Ausdruck, nannte aber natürlich keinen Namen. Nur so viel: „Machst Du den Strafstoß rein, könnte es noch mal heiß werden. Haben wir aber leider nicht gemacht.“ Ansonsten sprach der Trainer zuvorderst über die Leistung der Bochumer, die schärfer, agiler und frecher als seine Jungs gewesen wären, die „uns ein bisschen aufgefressen haben“. Schließlich kritisierte er auch noch öffentlich, was er wirklich nur in Ausnahmefällen macht, den Schiedsrichter, also Deniz Aytekin.

Der hatte in der 19. Minute die wilde Grätsche von Ivan Ordets, welche die Verletzung von Janik Haberer, schließlich auch die Einwechslung von Pantovic nach sich zog, nur mit einer Gelben Karte bestraft. Fischer sagte hierzu Folgendes: „Da lag Herr Aytekin für mich heute eindeutig falsch. Das ist für mich eine klare Rote Karte. Mit der Geschwindigkeit, offene Sohle – da hat Bochum Glück gehabt.“ Und Pantovic im Endeffekt Pech, denn in Überzahl hätte sich folglich für ihn und die Eisernen bestimmt ein ganz anderes Spiel ergeben.