Berlin - Der Corona-Schreck aus der Nationalmannschaft versetzte auch die Handball-Bundesliga in erhöhte Alarmbereitschaft. „Das macht mir Sorge. Es wird sich zeigen, was noch auf uns zukommt“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, nachdem ihn die schlechte Nachricht von der Infektion des Flensburger Nationalspielers Johannes Golla erreicht hatte. Der Corona-Fall des Kreisläufers ist der bislang einzige, der nach der WM in Ägypten im DHB-Team aufgetreten ist. Bereits am Donnerstag klagte der 23-Jährige über erste Symptome, am Freitag folgte das positive Testergebnis. Golla ginge es den Umständen entsprechend gut, berichtete SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke am Sonntag: „Da wir die Inkubationszeit betrachten müssen, gehen wir und Experten von der sehr hohen Wahrscheinlichkeit aus, dass er sich noch in Ägypten angesteckt hat.“

Die gesamte HBL hofft nun, dass weitere Erkrankungen ausbleiben. Coronabedingte Spielausfälle, wie sie nach einem Länderspiel-Lehrgang im November nötig waren, kann die Liga kaum noch verkraften. „Es besteht das Risiko, dass wir nicht alle 38 Spiele durchführen können. Das muss man ganz klar so sagen“, räumte auch Bohmann ein. 

Die Lage ist angespannt. Fünf Partien des ersten Spieltags nach der WM am kommenden Wochenende wurden bereits verlegt. Dieses Angebot hatte die HBL jenen Klubs mit Halbfinal-Teilnehmern gemacht, um die Belastung zu reduzieren – und das traf auf nicht wenige zu. Allein 20 Bundesliga-Profis stehen in den Kadern von Dänemark und Schweden, die den Sprung ins Endspiel geschafft hatten.

„Mit Blick auf den Bundesliga-Spielplan hätte es kaum ein schlechteres Finale geben können“, sagte Bohmann und ergänzte mit Blick auf die kommenden Tage: „Die An- und Abreise bei so einem Turnier sind Risikofaktoren.“ Die Corona-Fälle vor und zu Beginn des umstrittenen Mega-Turniers bestätigten dies. Tschechien und die USA mussten ihre Teilnahme bereits vor dem ersten Anwurf absagen, der deutsche Vorrundengegner Kap Verde kapitulierte am Morgen vor dem Duell mit dem DHB-Team. Anschließend aber, das war eine der wichtigsten Erkenntnisse des Turniers, verlief das Event ohne Probleme.

Das war unter anderem auf das aufwendige Hygienekonzept zurückzuführen. Dass es nach den Startschwierigkeiten innerhalb der Blase zu keinem folgenschweren Ausbruch kam, sondern die betroffenen Personen erfolgreich isoliert wurden, durfte der Veranstalter als Erfolg und Bestätigung seiner Bemühungen verbuchen. Die viel diskutierte Blase hielt – und soll nun als Vorbild für Olympia 2021 oder auch die Fußball-EM dienen. 

Zunächst aber muss die Liga ihren Spielbetrieb durchbringen – und das womöglich auch auf Kosten des DHB-Teams. Alfred Gislason hatte für die Zeit vor der kniffligen Olympiaqualifikation im März gegen Schweden, Slowenien und Algerien eine Verlegung des 20. Spieltags ins Gespräch gebracht, dieser Wunsch wird dem Bundestrainer aber höchstwahrscheinlich nicht erfüllt. Bohmann wolle zwar nichts „vorwegnehmen, aber eine komplette Verlegung können wir jetzt schon ausschließen“, sagte der HBL-Boss. Am Montag diskutieren die HBL-Klubs das knifflige Thema – eines von vielen auf der Tagesordnung. „Wir stehen vor riesigen Herausforderungen“, sagte Bohmann.