Es wird immer wahrscheinlicher, dass der Ball auf dem Rasen der Bundesligastadien demnächst wieder rollt.
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BerlinWie man Politiker, die grundsätzlich eher zu gegenteiliger Meinung neigen, dazu bringt, einer Meinung zu sein. Nun, ganz einfach: Man stellt ihnen beispielsweise im rechten Moment eine verfängliche Frage zum Thema Fußball, also eine Frage zum Volkssport der Deutschen, bei welcher der eine dem anderen aus Angst vor dem Verlust von Wählerstimmen gar nicht widersprechen kann. Das ist – wenn man in diesem Fall tatsächlich von „gelingen“ sprechen will – den Kollegen der Bildzeitung gelungen, indem sie Markus Söder, den Ministerpräsidenten von Bayern, und Armin Laschet, den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, gleichzeitig um eine Einschätzung zur Lage der Fußballnation gebeten haben.

Ist trotz der Coronakrise ein Restart der Bundesliga am 9. Mai denkbar? Ja, antwortete der CDU-Politiker Laschet, bei einem entsprechenden Konzept könnte man „zum Zustand der Geisterspiele“ zurückkehren. Söder wiederum gab nur kurz den Bedenkenträger, auch Geisterspiele wären eine Gratwanderung, kam dann aber zu folgendem Schluss: „Ein Wochenende mit Fußball ist deutlich erträglicher als ein Wochenende ohne Fußball.“

Bundesliga: Söder und Laschet sind plötzlich auf einer Linie

Hört, hört, Söder und Laschet, neulich beim Thema Lockerungen noch uneins, plötzlich auf einer Linie, plötzlich vereint in der Überzeugung, dass man dem deutschen Profifußball in dieser von Ungewissheiten und Ängsten geprägten Zeit eine Sonderrolle zukommen lassen sollte. Ein bisschen Brot und Spiele für das zuletzt zum Verzicht gezwungene Volk darf schon sein, während man für all die anderen, weitaus dringlicheren Probleme noch keine Lösung parat hat. Und warum sollte man nicht über den Fußball die Botschaft in die Welt senden, dass man in Deutschland mit dieser Krise besser umzugehen weiß als anderswo. Staunt, staunt.

Das ist natürlich das, was die Macher des deutschen Profifußballs in ihrer (zum Teil existenziellen) Not bekommen wollten, also das Mandat, ihren eigenwilligen, ja eigensinnigen Plan für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs voranzutreiben. Manch ein Klub hatte in der Vergangenheit, wie sich nun herausgestellt hat, ja jeden Euro in den Moment gesteckt, geradezu halsbrecherisch gewirtschaftet, ist also auf die letzte Ratenzahlung aus dem TV-Vertrag für die laufende Spielzeit angewiesen, um nicht bankrott zu gehen. Aber muss das sein, darf das sein, dass ein letztendlich vollkommen überdrehter Zweig der Unterhaltungsbranche gegenüber anderen Sportarten, ja gegenüber anderen Bereichen aus der Unterhaltungsbranche einen derartigen Vorteil erfährt?

Nein! Das ist die Antwort, weil schon die Organisation der Geisterspiele tausende Tests erfordert. Tests, die doch in dieser fortwährenden Ausnahmesituation vor allem in Krankenhäusern, Altenheimen und Schulen durchgeführt werden sollten. Weil Geisterspiele die Menschen womöglich dazu verleiten werden, das weiterhin dringliche Gebot der sozialen Distanzierung außer Acht zu lassen. Und was passiert eigentlich, wenn einer der Protagonisten, Trainer oder Spieler, im wiederaufgenommenen Wettbewerb positiv auf Corona getestet wird? Wird dann nur der Betroffene oder auch die davon betroffene Mannschaft isoliert? Reale Fragen sind das, die sich die realitätsfernen Macher des Fußballs offensichtlich nicht stellen.