Die Bundesliga ist nach wie vor ein teures Gut, auch wenn niemand weiß, wann wieder Fans zugelassen sind.
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Frankfurt am MainBeim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Das Sprichwort in den Profifußball zu übertragen, heißt: Der in der Corona-Krise gerne beschworene Solidargedanke ist dann nicht mehr viel wert, wenn die über Jahrzehnte auf sagenhaftes Wachstum gepolte Unterhaltungsbranche plötzlich den Gürtel enger schnallen muss. Dass die Zahlungen der Fernsehsender und Streaming-Dienste in der nächsten Rechteperiode nicht mehr durch die Decke schießen würden, hatte sich bereits angedeutet, bevor das tückische Virus kam. Die Fußball-Bundesliga hat nach der durch die Pandemie bedingten Unterbrechung als erste Profiliga weltweit wieder den Betrieb aufnehmen dürfen. Argumentiert wurde, dass die 36 Lizenzvereine die ausstehenden TV-Raten zum Überleben bräuchten wie ein Durstender in der Wüste den Schluck Wasser.

Sky und DAZN als Bezahlanbieter, ARD, ZDF, Sport1, dazu wieder Sat.1, die öffentlich-rechtlichen Anstalten: Sie alle haben zu Wochenanfang erneut viel Geld für die Übertragungen von 2021 bis 2025 ausgegeben, obwohl die eingebrochenen Quoten der ARD-„Sportschau“ den Verdacht nähren, dass Teile der Stammkundschaft kritisch geworden sind. 1,1 Milliarden Euro gibt es demnach bald, nur rund fünf Prozent weniger als bisher. Andere Wirtschaftsbereiche wären heilfroh, wenn es in naher Zukunft bei so geringen Einbußen bliebe.

Die Verteilungskämpfe über diesen Batzen haben längst begonnen. Einige Vereine, vor allem aus der unteren Tabellenhälfte, fordern eine Neuausrichtung. In der Vergangenheit haben die Großen von jeder Steigerung mehr profitiert als die Kleinen. 70 Prozent werden nach einer Fünfjahreswertung verteilt, und der ewige Branchenprimus FC Bayern bekommt dabei doppelt so viel wie der Tabellenletzte. Die Münchner vereinnahmen wie die anderen Topklubs zusätzlich einen bis zu dreistelligen Millionenbetrag aus der Champions League. Das greift massiv in den nationalen Wettbewerb ein.

Der Ball rollt längst in einem Teufelskreis. Die wirtschaftlichen Ungleichgewichte bestrafen positive sportliche Entwicklungen sogar, wenn sofort die besten Spieler weggekauft werden. Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Beinahe-Absteigers Werder Bremen, hat gesagt: Es wäre doch schön, wenn eine Generation von Kindern aufwächst, die auch einen anderen Meister als die Bayern erlebt. Unabhängig vom Kinderwohl: Eine spannende Meisterfrage ist elementar für alle Vermarktungsfragen. Denn ob Borussia Mönchengladbach oder Bayer Leverkusen in die Champions League kommen, der VfL Wolfsburg oder die TSG Hoffenheim die Europa League erreichen, das interessiert eher regional. Seit Jahren muss der Abstiegskampf, müssen die Dramen um den Hamburger SV oder den VfB Stuttgart, jetzt Werder Bremen, die fehlende Spannung ersetzen.

Vielleicht wäre ein hoher Sockelbetrag, den alle Vereine fix verbuchen können, ein Anfang für mehr Chancengleichheit. Zu entscheiden hat dies das neunköpfige Präsidium der Deutschen Fußball-Liga (DFL), wo sich die Machtverhältnisse insofern verschoben haben, als hier nicht mehr die Spitzenklubs tonangebend sind. Aber probt der Mittelstand mithilfe der Zweiten Liga, die eigentlich am Tropf der ersten hängt, wirklich den Aufstand? Schon warnen die Bosse aus München und Dortmund davor, die Zugpferde zu schwächen. Dann bliebe irgendwann der ganze Karren stecken. Es scheint vordergründig unmöglich, die Bayern und den BVB massiv zu schwächen, ohne deren internationale Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden.

Die Medienerlöse als wichtigste Einnahmequelle für die Vereine haben sich in einem Jahrzehnt verdreifacht. Und vor der nächsten Saison, bei der noch niemand weiß, wann der Dauerkartenverkauf starten kann und welche Sponsoren an Bord bleiben, bilden die Fernsehgelder die einzige verlässliche Konstante. Der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, Christian Seifert, ist als Krisenmanager zu Recht gelobt worden – bald wird er auch als Moderator gefragt sein. Eine Rolle, die früher Liga-Präsident Reinhard Rauball übernahm, dessen diplomatisches Geschick fast alle Klubs lobten. Dass nach seinem altersbedingten Ausscheiden dieser Posten verwaist blieb, könnte sich als Fehler erweisen, wenn ein Schlichter für Streitfragen gebraucht wird. Und die sind im Fußball mit seinem vielen Geld nun mal unvermeidlich.