Sebastian Polter erzielte den Siegtreffer gegen Hertha BSC im Stadtderby in der 87. Minute.
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Volle Attacke! Zumindest zuletzt, in der Schluss-Viertelstunde. Damit, ältere Fans des internationalen Fußballs werden sich erinnern, hat vor allem Rapid Wien Geschichte geschrieben. Seit 1919, Zufall, dass es ausgerechnet 100 Jahre her ist, gibt es diese Rapid-Viertelstunde, die durch ein rhythmisches Klatschen – zweimal lang, dreimal kurz – der Zuschauer eingeleitet wird. Spätestens seit dem 10. April 1921 ist diese Akustik in Wien-Hütteldorf, wo Rapid spielt, Kult. Denn als der Weckruf der Anhänger an diesem Tag ertönte, lag Rapid im Lokalderby gegen den Wiener AC 3:5 zurück. Am Ende stand es 7:5 für die Grün-Weißen.

Was das mit dem 1. FC Union und vielleicht auch mit Borussia Mönchengladbach zu tun hat? Auf den ersten Blick eher wenig, trotzdem haben es diese Momente in sich, denn sowohl die Eisernen als auch die Fohlen sorgen für so etwas wie einen Schlusswirbel. Teilt man nämlich das Spiel in Viertelstunden auf, erzielen die Köpenicker, aber auch die Männer vom Niederrhein besonders viele Treffer in den letzten 15 Minuten. Bei den Wuhlheidern sind es fünf von 13 und damit satte 38,46 Prozent, bei den Gladbachern sieben von 24 und damit immerhin auch 29,17 Prozent. Motto: Das Beste kommt zum Schluss. Mit anderen Worten: Am Sonnabend, wenn der Aufsteiger auf den Spitzenreiter trifft, sollte sich niemand über ein Schluss-Spektakel wundern, eher darauf fiebern. Das ist bei dieser Partie sozusagen von vornherein inklusive.

Am Limit bis in die Nachspielzeit

Woran das liegen mag? An den Trainern. Nicht nur, aber maßgeblich. Denn Urs Fischer hier und Marco Rose da stehen für einen Fußball, der ihren Mannschaften auf den Leib geschneidert ist: kämpferisch, zweikampfstark, athletisch, laufintensiv und bis in die Nachspielzeit hinein am Limit. Na gut, Unions letzte 30 Minuten zuletzt in Mainz passen nicht so recht in diesen Rahmen, sie mögen bitte eine Ausnahme bleiben.

Die Trainer also sind es, die ihren Teams mit ihrem Stil eine Handschrift verpassen, im Idealfall eine unverwechselbare. Beide, Fischer und Rose, gehören zu der langen Reihe von Bundesliga-Neulingen – acht hat es auf den Trainerstühlen gegeben vor dieser Saison –, im Gegensatz zu manch anderem Kollegen aber haben sie sofort das Tempo und die Dynamik der höchsten Spielklasse aufgenommen.

Bei der Borussia ist das vielleicht nicht ganz so spektakulär, weil Rose, der Mann aus Leipzig, die Bundesliga als einstiger Spieler von Mainz 05 schon etwas länger kennt als Fischer. Beiden indes ist gemeinsam, dass sie ihre Teams physisch auf Vordermann haben und zudem nicht starr auf einem Spielsystem beharren.

Erinnerungen an den DFB-Pokal 2001

Spektakel hin, Spektakel her – eigentlich ist jedes Spiel der Rot-Weißen in der Bundesliga ein Hingucker. Trotzdem ist es schwer, wenn nicht unmöglich, den Thriller zu toppen, der im Halbfinale des DFB-Pokals im Februar 2001 zwischen beiden ablief. Im Elfmeterschießen setzten sich die damals drittklassigen Köpenicker gegen die zweitklassigen Gladbacher (am Ende der Saison waren beide eine Liga höher) durch und zogen ins Endspiel ein, weil Union-Keeper Sven Beuckert – Max Eberl erinnert sich mit Grausen – auch den Schuss des heutigen Borussia-Managers hielt und zuvor Kapitän Steffen Menze mit seinem Tor zum 2:2 das Ganze erst ermöglicht hatte.

Wann dieses Tor fiel? Dreimal, ach, nur einmal dürfen Sie raten: in der letzten Viertelstunde natürlich.