Berlin - Das Drumherum ist an und für sich eigentlich ganz wunderbar: Der 1. FC Union trifft am späten Freitagabend, um 20.30 Uhr, im Stadion An der Alten Försterei auf Eintracht Frankfurt. Für viele arbeitende Unioner der perfekte Start ins Wochenende: Bratwurst, Bier, die Eisernen unter Flutlicht in der herbstlich duftenden Wuhlheide gegen einen attraktiven Gegner − und dann noch zwei freie Tage obendrauf.

Doch es kommt dann eben auch noch die sportliche Komponente hinzu. Und die ist dieser Tage bei den Köpenickern eher weniger idyllisch. Auf den umjubelten Sieg gegen Borussia Dortmund folgten zwei bittere Niederlagen gegen Werder Bremen (1:2) und Bayer Leverkusen (0:2) sowie die leise Frage nach der grundsätzlichen Bundesligatauglichkeit der Eisernen, die nach dem Märchensieg gegen den Meisterschaftszweiten vollends verstummt war. Deshalb gibt es für Unions Trainer Urs Fischer auch nur einen Weg, die durchaus vorhandene Qualität seines Teams gegen Frankfurt wieder unter Beweis zu stellen und die Kritiker verstummen zu lassen. „Wir müssen uns auf unsere Tugenden zurückbesinnen und die dann auch wieder konstant abrufen“, forderte der Schweizer in der obligatorischen Pressekonferenz vor dem Match. Konkret sprach Fischer dabei vom „Spiel gegen den Ball, dem Teamgeist und der Aggressivität“.

Letztere wollte der 53-Jährige aber nicht als Unsportlichkeit missverstanden wissen, nachdem er sich nach der Roten Karte von Sebastian Polter in Leverkusen, dem dritten Köpenicker Platzverweis im fünften Ligaspiel, damit konfrontiert gesehen hatte, dass seine Mannschaft als „Tretertruppe“ bezeichnet wurde.

„Die sind wir ganz sicher nicht“, betonte Fischer und forderte von seinen Spielern, auch künftig hart, aber eben auch cleverer in die Zweikämpfe zu gehen. „Natürlich stehen wir in der Fair-Play-Tabelle gerade ziemlich schlecht da, aber auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass mir unsere zwei Fouls in der ersten Halbzeit gegen Leverkusen fast schon etwas wenig waren.“

Fischer weiß: Eine gewisse Aggressivität ist selbstverständlich auch gegen eine Frankfurter Mannschaft unvermeidbar, die vor dem Saisonstart mit Luka Jovic (für 60 Millionen Euro zu Real Madrid), Sébastien Haller (40 Millionen/West Ham United) und Ante Rebic (Leihe/AC Mailand) ihre drei schillerndsten Spieler ziehen lassen musste und so noch immer ein wenig in der Findungsphase ist.

Dominanz und Magie sind weg

Zwar muteten die Auftritte gegen Hoffenheim (1:0) oder zuletzt gegen Borussia Dortmund (2:2) schon ganz ordentlich an, doch die unbedingte Dominanz der „Büffelherde“, wie das Team um die drei abgängigen Schlüsselspieler im Vorjahr genannt wurde, ist genauso verschwunden, wie die Magie der europäischen Festspielnächte, die die Frankfurter in der vergangenen Saison beflügelte. Im ersten Europa-League-Spiel dieses Spieljahres gab es ein 0:3 gegen einen stark mit Nachwuchsspielern aufgefüllten FC Arsenal.

Aufmerksame Beobachter wissen längst, dass das Flutlichtspiel gegen die angeschlagene Eintracht für Union eine echte Chance ist, sich vor heimischem Publikum zu rehabilitieren und neues Selbstbewusstsein zu gewinnen, ehe es zum Auswärtskick gegen den bislang noch unbesiegten VfL Wolfsburg geht.

Auch deshalb erklärte Urs Fischer zu Wochenbeginn für seine Verhältnisse überraschend öffentlich, gegen Frankfurt auch personelle Änderungen vornehmen zu wollen. Zwar ruderte er unter der Woche dann doch ein wenig zurück und bezeichnete die Möglichkeit auf eine merkliche Rotation, nach offenbar starken Trainingsleistungen seiner Stammspieler, nur noch als „50/50-Entscheidung“, doch die Unioner wollen gegen die Eintracht unbedingt etwas anders machen − und punkten. Damit auch der letzte Union-Fan mit einem seligen Grinsen ins Wochenende startet.