München - Gegen Dortmund müsse geliefert werden, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß vor dem Ligatopspiel an diesem Sonnabend gegen den Tabellenführer, „unsere Mannschaft muss mit einem Sieg gegen Dortmund zeigen, dass sie Meister werden will.“ Und wenn nicht? „An eine Niederlage denke ich gar nicht“, sagte Hoeneß, „wir müssen gewinnen, dazu gibt es für mich keine Alternative.“ Sollte es gegen den BVB nicht zu einem Sieg reichen, „würde ich trotzdem gerne Deutscher Meister werden“, wenngleich die Münchner den siebten Titelgewinn in Serie dann „nicht mehr ganz so verdient hätten, weil wir ja auch im Hinspiel das Nachsehen hatten“, wie er wegen der 2:3-Niederlage bei der Borussia befand. Das alles klang verdächtig nach: Es ist ein Gipfel der Entscheidung.

Wer Hoeneß nur ein bisschen kennt, weiß, dass derart deutliche Forderungen nicht nur an die Spieler adressiert sind, sondern ebenso an den Trainer. Das ahnt vermutlich auch Niko Kovac, obwohl er in dieser Woche auf frühere Hoeneß-Aussagen Bezug nahm und daraus ableitete, dass es „kein Beinbruch“ wäre, wenn der Meistertitel in seinem ersten Amtsjahr ausbleiben sollte.

Kovac ist gewarnt

Kovac weiß aber auch sehr genau, dass sich nun die ganze Saison des FC Bayern auf 90 Minuten verdichtet – und die Essenz seine Zukunft beeinflussen könnte. Längst mehrt sich die Kritik am 47 Jahre alten Kroaten wieder, ähnlich wie im Krisenherbst, als er nach dem 3:3 gegen Düsseldorf kurz vor der Beurlaubung stand. Erwehren muss sich Kovac immer wieder des Vorwurfs, er schaffe es nicht, eine offensive Spielidee zu vermitteln. Hinzu kommen die bisherigen Topspiele der Saison, aus denen seine Belegschaft nie als Sieger hervorging, weder in Dortmund noch gegen den FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League (0:0/1:3).

Dass zudem für Bayern untypische 43 Gegentore in den insgesamt 39 Spielen der Saison gelistet sind, gerät auch deshalb zu keinem guten Zwischenzeugnis für Kovac, weil es als seine Kernkompetenz galt, die Defensive zu stabilisieren. „Verteidigen ist das Einfachste, was es im Fußball gibt. Angreifen ist Kunst. Verteidigen ist Handwerk“, sagte Kovac nun vor dem 100. Ligavergleich mit dem BVB und appellierte zum wiederholten Male, jeder Spieler müsse verteidigen wollen, „auch wenn man Künstler ist“. Der Trainer befindet sich also im Verteidigungsmodus, vor allem in eigener Sache, und er geht dabei vernehmbar auf Distanz zu seinen Spielern, die er mit uneinsichtigen Kindern verglich.

Die Hölle auf Erden

Auf Dortmund, hatte Hoeneß Ende Februar noch prognostiziert, warte an diesem Sonnabend „die Hölle", hier werde die Meisterschaft entschieden. Derzeit hat die Borussia zwei Punkte Vorsprung, bei einem Sieg wären es deren fünf und die Titelvergabe wohl so gut wie festgezurrt. Nur anders als von Hoeneß gehofft, gedacht – und gefordert.